Whatsapp gegen Polizei

24. September 2017 17:26; Akt: 24.09.2017 18:30 Print

Berner Lenker warnen in Chat vor Kontrollen

Über einen Chat warnen Berner Verkehrsteilnehmer vor Polizeikontrollen und Radarfallen. Ihnen drohen saftige Bussen.

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Im Kanton Bern wird in grossen Whatsapp-Chats vor Polizeikontrollen und Radarfallen gewarnt. (Symbolbild Keystone, Jean-christophe Bott)

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850 Franken Busse soll ein Leser-Reporter berappen, weil er in einer Whatsapp-Gruppe vor einer Polizeikontrolle gewarnt hat. Der Fall ereignete sich in der Ostschweiz, doch wie die «Berner Zeitung» meldet, informieren auch Berner via Whatsapp fleissig vor Radarfallen und Grosskontrollen. So liegt der Zeitung das Chat-Protokoll einer solchen Gruppe vor.

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Brisant: Die Mitglieder scheinen über gute Quellen zu verfügen – vor einigen Kontrollen wurde bereits Tage im Vorfeld gewarnt.

Austritt vor dem Polizeibesuch

«Wir verwalten derzeit drei Gruppen – zwei in der Region Bern und eine in der Region Seeland», sagt einer der Administratoren. Die Mitgliederliste zähle fast 800 Nummern, zudem existiert eine Warteliste – die Nachfrage sei gross. Nur wer von einem bestehenden Mitglied empfohlen werde, habe die Chance, in den Chat aufgenommen zu werden.

Dort bleiben nicht alle permanent: «Die Mitglieder wissen, dass es illegal ist, wenn sie eine Meldung machen. Deshalb treten sie kurzfristig aus der Gruppe aus, wenn sie etwa auf den Polizeiposten müssen», so der Administrator.

Keine Angst vor Bussen oder Eintrag

Die Kapo Bern hört nicht zum ersten Mal von den Whatsapp-Gruppen, entsprechende Fälle wurden bereits gemeldet. «Stellen wir fest, dass Personen öffentlich vor Radarkon­trollen warnen, bringen wir dies zur Anzeige», so Kapo-Sprecherin Jolanda Egger. Ob der Tatbestand gemäss Gesetz gegeben sei, müsse letztlich jedoch die Justiz beurteilen.

Wer in der Gruppe vor einer Kontrolle warnt, geht ein hohes Risiko ein: Es drohen Bussen bis zu 10 000 Fr. und ein Strafregister-Eintrag. Dennoch sagt der Administrator: «Die meisten haben keine Bedenken, eine Meldung zu machen.»

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. am 24.09.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Änderung nötig

    Es wird endlich Zeit das Gesetz anzupassen. Die Bevölkerung will keinen Polizeistaat. Zudem sind die Bussen masslos übertrieben. Bis 10'000.-- und Strafregistereintrag, Hallo? Das komme ich ja besser weg wenn ich die Schwiegermutter über die Kante bringe ;-)

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  • Evan C. am 24.09.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bürger hilft sich selbst.

    Die Polizei ist eigentlich nur noch der Geldeintreiber für die Politik. Der Bürger muss sich selbst schützen wie das Engagement der Gemeinden mit privaten Sicherheits Personen und das erhöhte aufkommen an Bürgerwehren zeigt! Dass es wirklich nur ums Geld geht, zeigt die Jagt nach diesen WA- Gruppen!

  • Ueli am 24.09.2017 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Von diesen Chats gibt es hunderte wenn nicht tausende... In manchen sind sogar Polizisten dabei, damit sie auch mal nach Hause fahren ``können`` wenn sie einen zu viel getrunken haben. Kein Witz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger am 24.09.2017 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist noch hinter dem Mond

    Die Schweiz ist noch das einzige Land, das so blöd ist mit den Radarwarner. Es gibt Navi, die schalten den Meldeknopf deshalb in der Schweiz aus und sobald man über die Grenze fährt wieder ein. Ein Armutszeugnis dass man in Europa wegen einem Land solche Softwareanpassungen machen muss. Man könnte nämlich auch Warnen, wenn zum Beispiel ein Gegenstand auf der Strasse liegen würde, aber auch dies ist nur bei uns verboten. Da ist klar, dass man via App im Handy oder WhatsApp die entsprechende Warnungen installiert. Was machen wir später, wenn alle Autos selbständig fahren, da fehlen Millionen.

  • Expat am 24.09.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit anstelle Unterdrückung

    Hei meine Lieben, das rechne ich den Schweizern daheim hoch an. Lasst Euch nicht alles von Staat und Polizei gefallen. Wir lösen das hier in meiner neuen Heimat direkt mit der Polizei. Kein Unfall und wir können uns meist ohne Richter einigen. Dafür werden Dealer hart angefasst mit hohen Gefängnisstrafen. So wie das Rechtsempinden der meisten Bürger eben ist. Ich geniesse jedenfalls diese neue Freiheit.

  • Smoothie am 24.09.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht okay

    Es beklagen sich alle über die Polizei...aber wenn jemand hilfe brauchtdann sind die lieben Polizisten wieder gut genug.. Das dies auch nur ganz normale Menschen sind, dass sehen die wenigsten...Es würde niemand einen Chat gründen welcher Bäcker heute die Brötchen günstiger verkauft... Wer nichts z u befürchten hat , ist auch nicht auf einen solchen Chat angewisen. Und all diese doofen Übernamen für die Polizei, sind dies ev. gescheiterte Anwärter....?!

  • Tigris von Gallien am 24.09.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist eine Frechheit

    Verstehe ich das richtig, ich sehe eine Kontrolle und darf dann anschliessend nichtmal einen Kollegen anrufen und warnen?

  • Daniel Altenburger am 24.09.2017 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsstaat?

    Absolut verständlich, was die Polizei bei den Kontrollen abzieht, ist eines Rechtstaates unwürdig. Man wir primär einmal als schuldig betrachtet, von "im Zweifel für den Angeklagten" keine Spur mehr. Mir wird bei jeder Kontrolle Drogenkonsum unterstellt, weil meine Augen beim Blenden mit der Taschenlampe wohl nicht so reagieren, wie es für diesen Voodoo Test vorgesehen ist. Dabei rauchte ich meinen letzten Joint vor über 10 Jahren, noch länger ist es her, seit ich mich das letzte Mal betrank. Mittlerweile rauche ich nicht einmal mehr, nüchterner geht schlicht nicht mehr. Wenn ich das den Damen und Herren mitteile, werde ich regelmässig der Lüge bezichtigt. Da wundert es mich nicht, wenn sich die Autofahrer gegenseitig warnen.

    • Polizist Kanton ZH am 24.09.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

      Welt der Lügner

      Das Problem sind ja nicht Sie, sondern dass man als Polizist einfach von jedem Kontrollierten angelogen wird. Ist wohl ein menschliches Grundverhalten. Dass der Polizist nachfragt und kritisch ist, wird von ihm erwartet. Noch nie hat mir jemand gesagt. Ja, Sie haben recht, ich hab fünf Liter Bier getrunken. Jeder sagt ich hatte ein glas Wein und viele hatten dann 1.2 und mehr Promille im Blut.

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