Numerus clausus

19. August 2015 23:31; Akt: 20.08.2015 07:00 Print

SVP will Studenten und Gymnasiasten an Kragen

Die vielen Geistes- und Sozialwissenschaftler sind der SVP ein Dorn im Auge. Sie will deren Zahl mit einem Numerus clausus reduzieren. Die Pläne nehmen nun Gestalt an.

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Studenten der Geistes- und Sozialwissenschaften sollen künftig ihre Stipendien zurückzahlen und einen Numerus clausus absolvieren. (Bild: Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Die SVP-Forderung nach einem Numerus clausus für Geistes- und Sozialwissenschaften sorgte im letzten Frühling vielerorts für rote Köpfe. Es würden «viel zu viele Psychologen, Ethnologen, Soziologen, Historiker und Kulturwissenschaftler ausgebildet», sagte Fraktionspräsident Adrian Amstutz damals. Seine Partei wolle diese Zahl so schnell wie möglich halbieren.

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Nun werden diese Pläne laut dem Blickkonkret. Im Kanton Bern will SVP-Grossrat Ueli Augstburger mit einem Vorstoss das Bildungswesen komplett umgestalten.

SVP will Gymi-Aufnahmeprüfung für alle

Und zwar nicht nur auf Universitätsebene, sondern bereits im Gymnasium. Seiner Meinung nach braucht es mehr Lehrlinge und weniger Gymnasiasten. Die Hochschulbildung müsse vermehrt auf die Bedürfnisse der Wirtschaft Rücksicht nehmen, so Augstburger. Deshalb fordert er eine obligatorische Aufnahmeprüfung für alle angehenden Gymi-Schüler. Dabei sollen die exakten Wissenschaften in den Vordergrund rücken.

Doch auch für die Studenten soll sich aus Sicht der SVP einiges ändern. So verlangt die Partei beispielsweise, dass diese ihre Stipendien künftig zurückzahlen müssen. Augstburger hält auch weiter an der Idee eines Numerus clausus fest. Um die entsprechenden Fächer unattraktiv zu gestalten, will er zudem die Studiengebühren erhöhen.

Studenten bestens integriert

Damit stösst er bei seinen Gegnern auf Unverständnis. Der Berner SP-Nationalrat und Bildungskommissions-Präsident Matthias Aebischer verweist darauf, dass die Schweiz bereits eine der tiefsten Maturitätsquoten in ganz Europa habe. Ausserdem zeige die Statistik, dass die Absolventen der Geistes- und Sozialwissenschaften bestens in den Arbeitsmarkt integriert seien. Augstburger will seinen Vorstoss noch diese Woche einreichen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sirius am 19.08.2015 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Weg

    Anstatt das man Berufslehren und MINT-Fächer attraktiver macht, will man den Rest unattraktiver machen und sogar beschränken. Ziemlich destruktiv diese Vorgehensweise und typisch für die SVP.

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  • Seppi am 19.08.2015 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialwissenschaftler für freien Markt

    Als Sozialwissenschaftler der nie Stipendien bezogen hat weil gearbeitet und nach dem Studium problemlos eine Stelle gefunden hat fordere ich: Keine Milliarden Subventionen mehr für unproduktive Bauern von meinen Steuer-Franken! Und weniger staatliche Entlöhnung für überbezahlte Politiker der Alles-Regulierungspartei SVP. Der Markt entscheidet Herr Amstutz! Die Regulierungswut ihrer Partei gibt langsam schwer zu denken...

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  • Madeleine Murer am 19.08.2015 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Bildung beschränken

    Plötzlich reguliert sich der Markt (Studierte - Arbeitsplätze) laut SVP nicht mehr selber. Und sie, die Anti-Bürokratie-Partei, reguliert an forderster Front. In Angelegenheiten der Bildung ist die Vögeli-Partei schlicht nicht glaubhaft. Was solls, ich wähle im Herbst die glp.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G Kaiser am 20.08.2015 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenken zuerst

    SVP will weniger Menschen im Land die übers Denken an sich nachdenken. Dies macht mich ein bisschen traurig. Es heitert mich aber auf, wenn ich daran denke, dass viele SVP Politiker eher etwas mehr denken sollten.

  • Studieren um einen Beitrag zu leisten. am 20.08.2015 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Fairness für alle.

    Am besten wir schränken der Fairness halber auch die Wahl von Berufs-Lehren ein, die zu beliebt sind. So können wir dann die Wirtschaft perfekt lenken und die Leute zwingen, das zu lernen, was gerade gebraucht wird. Kostet doch auch viel zuviel, wenn dann viele keinen Job finden nach der Lehre. Willkommen in den Anfängen der neuen Schowjetunion.

  • student am 20.08.2015 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute idee

    diejenigen, welche auf diesem gebiet studieren wollen, müssen sich dann halt wirklich anstrengen. wenn ich in meine klasse schaue, dann gibt es einfach nur viele die planlos irgendetwas studieren und sich möglichst lange von papi finanzieren lassen

  • Devil am 20.08.2015 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Religion

    Wenn Religion im Spiel ist dann ist für mich schluss. Da darf kein Steuergeld drin sein.

  • Vanja M. am 20.08.2015 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbedingt reduzieren!

    Für was brauchen wir Historiker wenn aus der Vergangenheit sowieso nicht gelernt wurde?

    • Yannick am 20.08.2015 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Wenn aus der Vergangenheit nichts gelernt wurde, dann würden Sie heute im Dschungel ohne Rechtssicherheit leben

    • Michael Palomino am 20.08.2015 17:40 Report Diesen Beitrag melden

      SVP lernt nie etwas

      Die SVP hat den Geheimdienst unter sich und will die Vergangenheit mit der Zusammenarbeit mit CIA, MI6, Komitee der 300 etc. vertuschen. Wenn man diese Vergangenheit betrachtet, lernen die NIE etwas.

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