Bern

10. November 2017 08:12; Akt: 10.11.2017 08:13 Print

Mann spazierte mit Armee-Rakete auf Polizeiwache

Eine Privatperson stiess in privaten Räumlichkeiten auf alte Armee-Munition und brachte sie der Kapo Bern aufs Revier. Ein heikles Vorgehen, von dem Polizei und Armee abraten.

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Da stockte selbst den abgebrühten Beamten der Kantonspolizei Bern kurz der Atem: Vor wenigen Tagen spazierte ein Mann mit einer Armee-Rakete auf die Polizeiwache beim Waisenhausplatz und gab sie am Schalter ab. «Aus Sicherheitsgründen brachten wir die Munition nach draussen und warteten dort auf die Spezialisten der Armee», sagt Kapo-Sprecher Christoph Gnägi auf Anfrage.

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Wie sich bald herausstellte, ging von der Rakete keine Gefahr aus. «Es handelte sich um Übungsmunition, sie war also nicht scharf», erklärt Gnägi. Entdeckt wurde der Gegenstand in privaten Räumlichkeiten. Solche Funde kämen ab und zu vor, wie Gnägi anmerkt. «Dass jemand sie eigenhändig auf die Polizeiwache bringt, ist allerdings ungewöhnlich.» Was gut gemeint war, davon rät die Polizei dezidiert ab. «Gefundene Munition sollte man an Ort und Stelle lassen und auf die Spezialisten warten», so Gnägi.

Bern ist Blindgänger-Spitzenreiter

Auch die Armee empfiehlt, Munitionsreste nicht zu berühren, sondern lediglich zu markieren und der nationalen Blindgänger-Meldezentrale (BMZ) mit Foto und Koordinaten zu melden. Im konkreten Fall habe man es mit einer Übungsrakete 64 (Urak 64) zu tun, heisst es beim Kommando für Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung (Kamir) auf Anfrage. «Solche wurden früher beim Panzerschiessen eingesetzt, sie werden aber seit mehreren Jahren nicht mehr verwendet», sagt ein Sprecher.

Blindgänger und Munitionsreste finden sich in der Schweiz en masse – auf Schiessplätzen, in Zielgebieten in den Bergen, auf Gletschern, aber auch im Nachlass von Verstorbenen als Erinnerung an die Dienstzeit. 2016 gingen bei der BMZ landesweit 573 Meldungen ein, wie aus einer Armee-Statistik hervorgeht. Einsamer Spitzenreiter ist der Kanton Bern mit 126 Blindgängermeldungen.

Fundstück war kein Blindgänger

Unter den Fundstücken prominent vertreten: die Urak 64. Ganze 209 Stück wurden der BMZ letztes Jahr gemeldet – Schiessplatz- und Zielgebietsräumungen nicht mit einberechnet. Nur von der Sprengkapsel Nr. 8 wurden landesweit noch mehr Exemplare eingesammelt.

Wie die Armee weiter festhält, hat sich die Anzahl der Blindgängermeldungen in den letzten zehn Jahren zwischen 500 und 700 Meldungen pro Jahr bewegt. Die Anzahl Meldungen sei in dieser Zeit kontinuierlich zurückgegangen.

Die vorliegende Urak 64 war übrigens genaugenommen kein Blindgänger, wie es beim Kamir heisst. Denn als Blindgänger bezeichnet man Munition, die nicht oder nicht vollständig explodiert ist. «Dieses Übungsgeschoss besass aber gar nie sprengfähige Anteile.»

(sul)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MasterMind am 10.11.2017 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blindgänger

    Das Bern die meisten Blindgänger hat, wussten wir schon lange. Man hätte aber noch dazuschreiben sollen, dass sich der grösste Teil davon, im Bundeshaus befindet.

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  • Hs am 10.11.2017 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke für den Lacher

    Ein Lacher am Morgen ob dem Titel Bern ist Blindgänger-Spitzenreiter.

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  • tronicson am 10.11.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    mein Gott

    das ist eine verschossene U-Rak.. sowas von harmlos, vorne ist roter Gips drin, die Rakete ist ausgebrannt.. die grosse Gefahr? Kann man noch als Keule einsetzen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 13.11.2017 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oft gefunden in Bern Sand

    Als Bub habe ich oft Hülsen (ohne Sprengkopf) von diesem Typ im Sand bei Bern gefunden und mit nach Hause genommen. Ich empfand das damals aufregend

  • chrigu am 12.11.2017 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    unnötige Panik,

    Das sind doch keine Blindgänger, das sind ausgebrannte Rackrohr Raketen so ungefährlich wie eine verschossene Patronenhülse zu 100% ungefährlich, dass sollte jeder wissen. Die kann man sogar unter das Kopfkissen legen und herrlich darauf schlafen.

  • Ruedi am 11.11.2017 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstgefährdung

    Und wie gefährlich, so gefährlich, dass alle darum herumstehen und darauf warten, ob sie explodiert.

  • Andy Seeland am 11.11.2017 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Inf Soldaten kennen Munition

    Wer seinen Dienst geleistet hat und am Rak ausgebildet wurde, der weiss was U-Rak ist und ob es abgefeuert wurde , d. h Treibsatz abgebrannt. Auch ist solche Übungsmunition nicht kritisch, wir latschten stundenlang mit solchen Dingern am Rücken über Stock und Stein. Hirn einschalten , dann gibt es auch weniger Panik Mache

  • I.N. Fante-Rist am 10.11.2017 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sogar....

    ...als Veteran-HD Büro-Ordonanz erkenne ich das Objekt sofort als Übungsmunition. Wäre ich Finder, würde ich daraus eine Stehlampe basteln, ohne die Polizei zu bemühen. Traurig, dass solche Unkenntnis so einen Klamauk verursacht.