Dialektcoach für «Wilder»

04. Dezember 2017 05:49; Akt: 04.12.2017 05:49 Print

«Sarah hat Berndeutsch geübt wie eine Verrückte»

Für die SRF-Krimiserie «Wilder» musste Hauptdarstellerin Sarah Spale (37) Berndeutsch lernen. Dialektcoach Nathalie Claude verrät, wie sie die Baslerin auf den neuen Dialekt trimmte.

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Ich schaue zuerst immer, was die Person mit sich bringt: Wie bewegen sich ihre Lippen, ihr Kiefer, ihre Zunge beim Sprechen? Diese Sprechwerkzeuge gilt es richtig einzustellen, damit sie den gewünschten Klang produzieren – wie bei einer Maschine. Und dann geht es natürlich auch darum, die Sprachmelodie und die typischen Ausdrücke eines Dialekts zu verinnerlichen.

Sarah Spale, die Hauptdarstellerin aus «Wilder», ist gebürtige Baslerin. Für ihre Rolle musste sie Berndeutsch lernen. Wie haben Sie sie darauf getrimmt?

Ich habe mit Sarah oft spätabends, wenn die Kinder im Bett waren, über Skype kommuniziert. Zusammen sind wir ihre Text-Passagen durchgegangen, und zwar Satz für Satz. Ihre Drehbuch-Parts habe ich ihr aufgenommen, damit sie sie nachsprechen konnte. Sarah hat geübt wie verrückt, eine richtige Chrampferin.

Das hat sich offenbar gelohnt. In der Serie fiel es kaum auf, dass Spale keine Bernerin ist. Dennoch: Der Wechsel vom Basel- ins Berndeutsche ist ihr sicher nicht leicht gefallen.

Das stimmt. Sarah hatte noch nie zuvor Berndeutsch gesprochen und deshalb ein wenig Bammel vor dieser Aufgabe. Schwierig war für sie zum Beispiel die Aussprache des R, das im Berndeutschen mit der Zungenspitze, im Baseldeutsch dagegen viel weiter hinten im Gaumen gebildet wird. Und dann ist das Berndeutsche ja auch ein eher langsamer Dialekt.

Mussten Sie Spale beim Sprechen also buchstäblich bremsen?

Das kann man so sagen, ja. Denn der Sprachrhythmus des Berndeutschen ist generell gemächlicher als der des Baseldeutschen. Das hat mit den vielen lang gezogenen Vokalen zu tun, sogenannten Bending Notes, wie in «äuää», «moou» oder «neneei». Zudem sprach Sarah manche Sätze anfangs mit einer typisch baseldeutschen Sprachmelodie. Das mussten wir natürlich ändern, damit sie wie ein richtiges Bärner Meitschi klang.

Bringt jeder Schauspieler so einen Dialekt-Wechsel hin?

Natürlich ist nicht jeder gleich begabt. Und manchmal bleibt mir als Coach auch schlicht zu wenig Zeit, um den Darstellern den Dialekt bis in die letzten Finessen zu vermitteln. Auch bei «Wilder» hätte ich mit bestimmten Schauspielern gerne länger gearbeitet, sie sprechen zum Teil ein Dialekte-Mischmasch. Wegen der guten Schauspieler-Leistungen fällt das aber nicht allzu stark ins Gewicht.


(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.M. am 04.12.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Berndeutsch

    Ich als Berner finde, Frau Pale spricht ausgezeichnet Berndeutsch. Mir ist nie aufgefallen, dass sie keine Bernerin ist, und ich bin recht heikel, was Dialekte betrifft. Laszlo Kish als Gemindepräsident hingegen ist eine Katastrophe was seinen Dialekt angeht, den hat er sich vermutlich selbst ausgedacht.

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  • Mike Gerber am 04.12.2017 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir hat's ne Woche gedauert

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich damals von Basel nach Bern gezogen bin. Der Anpassungsdruck war so gross, dass ich innert einer Woche gelernt habe wie ein Burgdorfer zu sprechen. Leider kam das in der Stadt auch nicht gut an, aber mir gefiel es auf jeden Fall besser als mein ursprünglicher Dialekt. Es lebe Bern!

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  • mksbrasil am 04.12.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echter Berner Dialekt

    Was ist wohl der echte Berner Dialekt? Oberland? Haslital? Aaretal? Emmental?Stadt Bern? Als kleines Verwirrspiel, in der Stadt Bern hat es wohl 3 Dialekte, das Mattenengisch ausschliessend, Der Mattendialekt, der Aristokraten Dialekt, und der "gewöhnliche" geht man eine bis zwei Gemeinden weiter,wandelt sich der Dialekt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andreas Buser am 04.12.2017 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berndeutsch

    Sie macht einen tollen Job. Seit langem die glaubwürdigste Schauspielerin in einer CH-Produktion!

    • Spaniel am 04.12.2017 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Buser

      Das ist sicher Richtig. Wenn ich als Appenzeller den Bernerdialekt spreche tönt das wie ein Basler - und das wäre doch schlimm oder ;-)

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  • Bernd am 04.12.2017 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Für Probleme mit Schweizerdeutsch

    empfehle ich auf Youtube: Marie-Thérèse Porchet, Geographieunterricht Untertiteln (so googeln) ;-)

  • Lars am 04.12.2017 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieder ein super guter Artikel

    Es freut mich, dass es in der Schweiz keine anderen Probleme gibt. Diese Dachsmumien- sowie Harry and Meghan-Stories mit x Fortsetzungen mit einem Informationsgehalt von 0.1 sind einfach der Hit.

  • Anne Beobachtet am 04.12.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anspannung pur

    Ah jetzt weiss ich weshalb die immer so verkniffen dreinschaut. Wegen der Konzentration auf die Sprache... mich nervt diese Figur sowieso so etwas von unentspannt am Dauergrollen, macht echt kein Spass bei Zuschauen.

  • bern-bündner am 04.12.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    schon komisch

    ich und die meisten die ich kenne, können bis auf 1,2 Dialekte, jeden nachmachen und sie braucht einen kurs? unglaublich, wenn man bedenkt das man ein skript in die handgedrückt bekommt und es nur lernen müsste! ist sie eine eingebürgerte deutsche oder was?????

    • Andreas Buser am 04.12.2017 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bern-bündner

      Da ist das Prahlen wohl noch nicht inklusive..

    • webarch am 04.12.2017 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bern-bündner

      lern mal lesen. sie ist baslerin. zudem kommt es dazu, dass es menschen gibt, die sehr schnell andere dialekte sprechen und andere brauchen es länger. also was soll diese dumme hetzerei??..

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