Klage beim europäischen Gerichtshof

19. Februar 2017 16:16; Akt: 19.02.2017 16:40 Print

«Schläger von Schüpfen» soll gefoltert worden sein

Igor L. ruft den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Er macht in Strassburg mehrere Verletzungen von Menschenrechten geltend.

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Vor seiner Therapiemassnahme war Igor L. unter anderem in der Strafanstalt Thorberg inhaftiert. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle)

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Igor L.* wurde 2010 als Schläger von Schüpfen landesweit bekannt. Damals verletzte er einen Wirt mit einem Metall-Aschenbecher. 2011 verurteilte ihn das Berner Obergericht unter anderem wegen einfacher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Mehrere Gutachten attestierten ihm eine Persönlichkeitsstörung sowie paranoide und schizophrene Züge.

Seine Haft wurde deshalb zugunsten einer Therapiemassnahme aufgeschoben. Diese konnte der heute 27-Jährige jedoch erst vor einem halben Jahr antreten. Zuvor sass er aus Mangel an Therapieplätzen fast fünf Jahre im Gefängnis. In der Schweiz warten 300 psychisch kranke Straftäter auf einen auf einen Platz.

Kritik an die Behörden

Julian Burkhalter, L.s Anwalt, hat nun beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Beschwerde eingereicht, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Darin kritisiert er das Vorgehen der Behörden. Das Verfahren beim Entlassungsgesuch habe zu lange gedauert. Zudem sei Igor L. in einer ungeeigneten Anstalt untergebracht und gefoltert worden.

Bescheidene Hoffnungen

Nach eigenen Aussagen wurde L. in verschiedenen Gefängnissen misshandelt. Man habe ihn nackt an die Wand gekettet, ihn tagelang in Hand- und Fussfesseln gehalten und ihm den Gang zur Toilette verwehrt.

Burkhalters Hoffnungen hinsichtlich der Beschwerde halten sich in Grenzen. «Für uns wäre bereits ein Eintreten des EGMR ein Erfolg.»
* Name der Redaktion bekannt


(sul)