Biel

14. März 2016 15:35; Akt: 14.03.2016 15:52 Print

«Falscher Zahnarzt» steht erneut vor dem Richter

Nachdem der Prozess gegen einen Zahntechniker im Oktober abgebrochen worden war, geht es am Montag weiter. Der Mann soll mehrere Menschen schwer geschädigt haben.

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Am Montag ging der Prozess gegen den "falschen Zahnarzt" vor dem Regionalgericht Berner Jura - Seeland weiter. Das Urteil wird am 24. März erwartet. (Bild: 20 Minuten/nc)

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Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland hat am Montag den Prozess gegen den mutmasslich falschen Zahnarzt von Biel wieder aufgenommen. Nach seinem Unfall vom Oktober erschien der Mann nun wieder vor Gericht.

Der Angeklagte gab wiederholt zu Protokoll, er habe sich gegenüber Patienten nie als Dr. med. dent. ausgegeben. Viele der vor Gericht als Kläger auftretenden ehemaligen Patienten hätten genau gewusst, dass er Zahntechniker sei, nicht Zahnarzt. Zu den Vorwürfen, Patienten schwer geschädigt zu haben, sagte er häufig, die eigentliche Behandlung habe nicht er ausgeführt, sondern ein Zahnarzt in seinem Betrieb. Mitunter habe er bei diesen Behandlungen assistiert oder Vorbehandlungen ausgeführt.

Gefälschte Urkunden verschickt

Zugegeben hat der 53-Jährige aber etwa den Vorwurf, der Landeszahnärztekammer in Wien gefälschte Urkunden eingeschickt zu haben. Der Bieler wollte laut Anklage damit erreichen, in die österreichische Zahnärzteliste eingetragen zu werden. Der Beschuldigte hingegen gab an, er habe in Österreich lediglich eine Weiterbildung machen wollen. Der Zahntechniker gab auch zu, wiederholt illegal Medikamente abgegeben zu haben.

Körperverletzungen und Betrug vorgeworfen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 53-Jährigen vor, sich während längerer Zeit als Zahnarzt ausgegeben und unsachgemässe zahnmedizinische Behandlungen ausgeführt zu haben. Durch diese habe er mehrere Menschen schwer geschädigt.
Die Anklage lautet auf schwere Körperverletzung, eventuell als Versuch oder einfache Körperverletzung zu werten, sowie einfache Körperverletzung. Doch auch des Betrugs, eventuell Veruntreuung, der Urkundenfälschung und der Widerhandlungen gegen kantonale und eidgenössische Gesetze soll sich der Mann schuldig gemacht haben.

Zu der umfangreichen Anklageschrift kam am Montag eine Ergänzung dazu: Gerichtspräsident Markus Gross gab bekannt, das Gericht habe dieser Erweiterung der Anklage zugestimmt. Es geht – wie in der bisherigen Anklageschrift – um den Vorwurf der schweren, eventuell einfachen Körperverletzung, des Betrugs und von Widerhandlungen gegen das bernische Gesundheitsgesetz respektive das Bundesgesetz über die universitären Medizinalberufe.

Unter Tränen ausgesagt

Der Prozess gegen den Mann hatte im Oktober 2015 mit Befragungen von Geschädigten begonnen. Zwei Klägerinnen berichteten zum Teil unter Tränen von Schmerzen während und nach den Behandlungen und von Folgeproblemen.
Eine Frau sagte, nach einem Eingriff habe sie sich 54-mal nachbehandeln lassen müssen. Ein Jahr lang habe sie immer wieder Schmerzen gehabt und sei psychisch angeschlagen gewesen: «Am Abend weinte ich jeweils im Bett.»
Auch die zweite Klägerin berichtete – teilweise schluchzend – von ständigen Schmerzen nach einer Behandlung. Eine vom Angeklagten angefertigte Zahnbrücke sei schon nach einem Tag zerbrochen. In der Bieler Praxis sei ihr schliesslich von einem Mann, der offenbar wirklich Zahnarzt sei, eine neue Brücke eingesetzt worden.

Angeklagter nervlich angeschlagen

Der Prozess wurde 2015 zuerst unter- und dann abgebrochen, nachdem der Mann laut seinem Verteidiger zu Hause einen Unfall erlitten hatte. Der Angeklagte sagte am Montagmorgen, er sei nervlich angeschlagen und immer noch zu 50 Prozent krank geschrieben. Das Urteil will das Gericht am 24. März eröffnen.

(sda/nc)