«Support Kommunikation»

08. Juli 2016 06:21; Akt: 08.07.2016 15:42 Print

Asylsuchende in Badis warnen jetzt Landsleute

von Christian Holzer - Seit Montag sind Asylsuchende in Freibädern der Stadt Bern beschäftigt. Sie sollen die Sprachbarriere aufheben und Landsleute vor Gefahren warnen.

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Masredin Ahmedin (39) lässt seinen Blick über die Wiese im Berner Freibad Marzili schweifen. Er trägt Signalkleidung und erinnert etwas an einen Bademeister – doch genau das sei er eben nicht, betont Ahmedin: «Ich orientiere hier über Gefahren – und zwar in verschiedenen Sprachen.» Er selbst spreche Arabisch, zwei afrikanische Sprachen und Englisch.

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Hintergrund: Seit Montag arbeiten Asylsuchende in Berner Freibädern. Der Eritreer ist einer von insgesamt neun Flüchtlingen, die den Sommer über für das Sportamt Bern als «Kommunikations-Supporter» beschäftigt werden. «Wir erklären unseren Landsleuten, wie und wo sie sicher baden können», sagt Ahmedin. Die Aare sei verlockend, berge aber viele Gefahren und nur die wenigsten Asylbewerber aus Afrika könnten gut schwimmen. Ausserdem erkläre er ihnen etwa, warum man nicht in Unterwäsche ins Becken dürfe. Im Übrigen warnt die Stadt Bern derzeit ohnehin vor dem Aareschwumm, weil der Fluss ungewöhnlich kalt ist.

Unterstützung für Bademeister

Besonders für Bademeister ist die Sprachbarriere oft ein schwerwiegendes Hindernis, sagt Beat Wüthrich, Leiter des Marzili. Eine Warnung in fünf Sprachen aussprechen zu können, sei er sich gewohnt, aber:«Bei Menschen aus dem östlichen oder afrikanischen Raum stosse ich schnell an meine Grenzen.» Und genau hier sollen die Asylsuchenden ansetzen.

Diese seien nur für die Orientierung zuständig, Rettungs- oder Sicherheitsaufgaben hätten sie keine – trotzdem müssten sie gute Schwimmer sein. Dies wird vorab getestet: «Sie müssen mindestens 50 Meter schwimmen können und auch einige Sekunden unter Wasser bleiben können», so Wüthrich.

Projektidee wegen starker Flüchtlingsströme

Eingesetzt werden die Asylbewerber in den Freibädern Wyler, Weyermannshaus und Marzili. Die Idee für das Pilotprojekt entstand mit den starken Flüchtlingsströmen im Winter: «Wir vermuten, dass diesen Sommer mehr Asylsuchende die Freibäder besuchen werden», sagt Christian Bigler, Leiter Sportamt Bern. Aus diesem Grund wurden verschiedene Massnahmen getroffen. So wurde etwa ein Baderegeln-Flyer in zehn verschiedenen Sprachen verfasst und Personal von Asylunterkünfte entsprechend informiert.

200 Franken Lohn im Monat

Die Kommunikations-Supporter, die vor allem aus Eritrea stammen, vermittelt das Kompetenzzentrum Integration (KI). Sie leisten diesen Einsatz im Rahmen eines Arbeitsintegrations-Programmes für Asylsuchende. Es sei jedoch nicht ganz einfach, geeignete Leute dafür zu finden, sagt KI-Leiterin Ursula Heitz: «Wer mitmachen will, muss ein gutes Deutsch sprechen, ein sicherer Schwimmer sein und kommunikatives Flair haben.»

Die bisher ausschliesslich männlichen Kandidaten absolvieren ein 50-Prozent-Pensum und erhalten dafür eine «Motivationszulage» von 200 Franken im Monat. «Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte es nächsten Sommer auch in anderen Bädern weitergeführt werden», sagt Heitz.