Wegen Tier-Bschiss

14. Januar 2014 19:48; Akt: 14.01.2014 23:16 Print

Familien erkranken an Katzen-Pilz

von Christoph Albrecht - Der Skandal um die Berner Züchterin S.N*, die übers Internet kranke Tiere verkauft, zieht weitere Kreise: Im Oberaargau etwa ist eine ganze Familie an einem Pilz erkrankt.

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Arztbesuche statt Streicheleinheiten: Die kleine Katze Bobby sollte pünktlich zu Weihnachten einen festen Platz bei Familie T.* aus dem Oberaargau erhalten. Dann aber die böse Überraschung: «Die ganze Familie hat seit Bobbys Ankunft einen hartnäckigen Pilz», erzählt B.T.*

Insbesondere ihre 6-jährige Tochter leide unter dem schmerzhaften Ausschlag: «Es juckt sie am ganzen Körper», so die Mutter. Zudem schäme sich ihre Tochter wegen ihres Aussehens in den Kindergarten zu gehen. Aus Scham will die Familie auch nicht mit vollem Namen genannt werden. Bobby wurde bis zur Genesung bei einem Bekannten platziert, der keine kleinen Kinder hat.

Hunderte Franken für Tierarzt ausgegeben

Die Berner Familie hatte den jungen britischen Kurzhaarmischling Bobby Mitte Dezember bei der Berner Hunde-Züchterin S.N.* gekauft - bei derselben Frau, die via Online-Inserate bereits mehreren weiteren ahnungslosen Käufern kranke Welpen aus Tschechien verkauft haben soll. Für die vermeintlich gesunde Katze bezahlte die Familie 450 Franken. Die Tierarztbesuche schlagen ausserdem mit mehreren hundert Franken zu Buche.

Nachdem bei einer tierärztlichen Untersuchung bei der jungen Katze der Pilz bestätigt worden war, stellte B.T. die Tier-Händlerin zur Rede - jedoch ohne Erfolg: «Sie wollte mir weder das Geld zurückerstatten, noch die kranke Katze zurückzunehmen», so B.T.

Opfer wollen Anzeige erstatten

Dies will sich die Mutter nicht gefallen lassen - sie klärt derzeit rechtliche Schritte gegen die Frau ab: «Die Tier-Händlerin soll für ihr kriminelles Handeln zur Rechenschaft gezogen werden.»

Besonders die Tiere würden ihr leid tun. Diese sollen im Haus der Händlerin im Emmental unter kathastrophalen Bedingungen gehalten werden: «Die Katzen waren teilweise stark abgemagert und in der Wohnung roch es nach Urin», so die betrogene B.T. weiter.

Auch im freiburgischen Flamatt hat man mit der Tierhändlerin schlechte Erfahrungen gemacht: «Unsere Katze hatte eine Lungenentzündung und Herpes auf dem Auge», erzählt Opfer W.H.*, der für das kranke Tier stolze 900 Franken hinblätterte. Seine Freundin und er hätten nach dem Kauf ebenfalls mit Ausschlägen zu kämpfen gehabt - ebenfalls wegen einem Pilz.

W.H. will sein Geld nun zurück - und erstattet deshalb demnächst Anzeige gegen die Frau: «Die Arztbesuche haben uns bereits über 2000 Franken gekostet.»

Bei der Kapo Bern melden sich immer mehr betrogene Tierkäufer. «Wir haben in den letzten Tagen einzelne Meldungen zum Verkauf kranker Tiere erhalten», bestätigt Mediensprecherin Alice Born.

Gegenüber 20 Minuten wollte sich die Züchterin S.N. nicht zu den Anschuldigungen äussern.

*Namen der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ricardo Granda am 14.01.2014 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und das Gesetz schnarcht

    Ich meine, diese Käuferin B. T. gehört auch bestraft, sie hat die Missstände bei der Züchterin gesehen, aber erst gemeldet, als ihre Familie krank wurde. Vorher war es ihr egal, sie hatte was sie wollte, eine Katze! Solche Menschen sind daran schuld, dass der Tier-Schwarzmarkt floriert und kranke Tiere irgendwo im Verborgenen schrecklich leiden müssen. Wir sehen nur diese kranken Tiere, die anderen die vor dem Grenzübergang sterben, sehen wir nicht. Wie gestört muss man sein, ein Tier im Internet zu kaufen!

  • Verrückte Katzenlady am 14.01.2014 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Tierheim

    Warum kaufen die Leute Tiere im Internet? Wenn ihr euch ein Tier anschaffen wollt, geht doch bitte zuerst ins Tierheim schauen. Da weiss man was man bekommt und kann einem Tier vielleicht noch ein paar wunderschöne Jahre schenken. Wir haben 2 Katzen und beide eher zufällig. Die eine vom Tierheim verschont und die andere ist uns zugelaufen. Bei uns haben sie es richtig gut. Mir tun die armem Zuchthaustiere leid, wer weiss was die schon alles erleiden mussten. Ich hoffe sie werden bald wieder ganz gesund.

  • Dominique Bucher am 14.01.2014 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo?

    Öhm... Sorglos gehaltene, abgemagerte katze für 450.- kaufen, sich wundern dass man pilz kriegt dann verkäuferin verklagen. Ol letzter punkt ist berechtigt denn so hält man tiere nicht! Aber 3/4 der geschichte ist absurd.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anja ... am 15.01.2014 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    noch was!

    Sorry, aber 900 Franken für eine Katze geht einfach mal gar nicht! nur schon deswegen gehe ich nur auf den Bauernhof... ich will ja einfach ne Katze, kein pumagetigertes Fell und son Zeug.

  • Anja ... am 15.01.2014 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bauernhofskatzen

    Bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht, die "vermehren" sich natürlich weiter und nicht mit Überzuchtung hier und Vernachlässigung da! Da man ja sowieso vorbeigehen muss, sieht man auch gleich den Hof. Da bekommt man auch ein bisschen einen Eindruck. Meinen beiden geht es auf jeden Fall prächtig!

  • J. Meyer am 15.01.2014 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere sind keine Ware

    Das man eine solche Züchterin die Schranken weist u ihr ein Berufsverbot u Tierhalteverbot auferlegt, erübrigt sich, zu diskutieren. Aber eine Käuferin, die nach Erkenntnis des Gesundheitszustandes diese katze wie ein Stück abgelaufene Ware wieder umtauschen will, weil sie ohne Kontrolle viel Geld dafür bezahlt, ist ebenso mit Vorsicht einzustufen. Was kann das Tier denn dafür? Tierliebe zeichnet sich u.a. auch dadruch aus, diesem Tier zu helfen, wenn man es angenommen hat. Natürlich unter Berücksichtigung auf Schadenersatz, nicht aber wie ein Stück Ware umtauschen. Unglaublich!

  • anju am 15.01.2014 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    hirnlos

    und wer kauft die kranken viecher, genau der sparfux der meint für ein paar hundert stutz bekommt man ein reinrassiges tier

  • Tierfreund am 15.01.2014 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Onlineware Tier

    Selbstverständlich sollten alle, die (kranke) Tiere über das Internet verhökern auch dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Aber, wer sich Tiere übers Internet kauft ist selber schuld. Tiere sind keine Ware. Wem das bewusst ist, der schaut sich in Tierheimen oder bei seriösen Züchern um.