Billig-Kette Primark

22. Oktober 2013 07:49; Akt: 22.10.2013 09:24 Print

Schweizer sind scharf auf Wegwerfmode

von T. Bircher - Vier Studenten wollen die Kleiderkette Primark in die Schweiz holen. Ihre Facebook-Seite hat 11'500 Fans. Die Marke wird wegen Dumpingpreisen scharf kritisiert.

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Ein T-Shirt für drei Franken, eine Jeans für 13 Franken – mit solchen Angeboten ist der ultrabillige irische Textildiscounter Primark auf Expansionskurs. Bereits 257 Filialen gibt es in den Fussgängerzonen der europäischen Grossstädte, allein in Deutschland sind es zehn. Acht weitere sind in Planung. Primark ist «ein Paradies für Teenager: hip wie H&M und billig wie KiK», wie es in einer Doku des ZDF heisst.

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Nun soll die Kleiderkette auch in die Schweiz kommen. Dies zumindest fordern 11'647 Anhänger der Facebook-Seite «Primark Schweiz», gegründet von vier Studenten der Wirtschafts- und Kaderschule Bern. Sie haben eine interdisziplinäre Projektarbeit über die irische Ladenkette verfasst, mit dem Ziel, diese in die Schweiz zu holen, wie Storyfilter schreibt.

«Resonanz war überwältigend»

«Die Idee ist entstanden, weil wir Fans von Primark sind und oft im Ausland dort einkaufen gehen», sagt Soner Aydin, einer der vier Studenten. Im Rahmen einer Projektarbeit für ihr Studium fiel ihnen dann auf, dass es in der Schweiz keinen Primark gibt. «Wir dachten, es wäre cool, eine Filiale hierherzuholen.» Nachdem sie die Facebook-Seite gegründet hatten, war schnell klar, dass viele gleicher Meinung sind.

«Wir nahmen Kontakt mit der Primark-Filiale in Innsbruck auf und sie sagten uns, sie würden uns unterstützen.» Ein erstes Treffen scheiterte jedoch. Nun haben Aydin und ein Kollege die Idee wiederaufgenommen. «Die Resonanz auf Facebook war überwältigtend und zeigt, dass wir weitermachen müssen.» Und tatsächlich: Die Kommentare auf der Seite sprechen eine deutliche Sprache. Die Fans fragen begeistert, wie es mit dem Projekt vorangeht und wann es verwirklicht wird. Sie betteln die Gründer an, dafür zu sorgen, dass die erste Filiale in ihrer Stadt eröffnet wird.

Mund-zu-Mund-Propaganda

Der Boom der Billigkleider ist beeindruckend: Geht irgendwo ein neues Primark-Geschäft auf, campen schon Stunden vor Eröffnung Tausende Teenager vor verschlossenen Türen, um von den tiefen Preisen profitieren zu können. Kleider anzuprobieren oder sie später zu waschen, ist meist kein Thema: kaufen, tragen, wegwerfen – so funktioniert das Primark-Prinzip.

Unter dem Namen «Primark-Haul» zeigen die Schnäppchenjägerinnen nach ihrem Kaufrausch in selbst gedrehten Videos auf Youtube stolz ihre neusten Errungenschaften und ernten dafür schon mal 50'000 Klicks. «Primark macht keine Werbung, alles läuft über diese Art von Mund-zu-Mund-Proganda», sagt Aydin. Damit spare das Unternehmen viel Geld.

Youtube-Userin SunnyEase, eine zwanzigjährige Hamburgerin, ist am 1. Oktober 170 Kilometer weit nach Bremen in den Primark gefahren. Dort hat sie unter anderem einen blauen Schlauchschal für 4 Euro, einen beigefarbenen Pulli mit Nieten für 16 Euro, ein schwarzes Top mit bespitztem Ausschnitt für 8 Euro, Ohrringe für 2 Euro sowie Abschminktücher für ebenfalls 2 Euro gekauft.

«Wir sind gegen Ausbeutung»

Doch was wenig kostet, kann auch nicht teuer produziert worden sein. Wie viele andere Textilunternehmen lässt Primark den grössten Teil seines Sortiments in Bangladesh herstellen. «Bei unseren Recherchen sind wir auf viele kritische Stimmen gestossen», so Aydin. Vor allem die Arbeitsbedingungen, unter denen die Näherinnen für Primark produzierten, würden scharf verurteilt. «Auch wir sind gegen Ausbeutung.»

Man müsse aber auch bedenken, dass die Kleiderherstellung der grösste wirtschaftliche Sektor in Bangladesh sei. «Diese Leute sind auf unsere Kauflust angewiesen, nur sollten sie natürlich auch angemessen entlöhnt werden.»

Primark wollte gegenüber 20 Minuten keine Stellungnahme abgegeben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • martin weber am 22.10.2013 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Billigware

    Ich will ja nun nicht den Teufel an die Wand malen, aber es gibt auch etliche teure Marken die kaum etwas für die Produktion ihrer Ware aufwenden. Das ist meines Erachtens der viel grössere Skandal, da der Verkaufserlös im Verhältnis zu den günstigen Herstellungskosten wesentlich höher ist! Günstig ist nicht automatisch besser, aber leider ist in unserer Gesellschaft der Auffassung möglichst viele Produkte zu möglichst günstigen Preisen erwerben zu wollen. Dieses Kredo führt dazu, dass immer günstigen Produziert wird, was wiederum allgemein zu tieferen Löhnen bzw. Personaleinsparungen endet.

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  • keine Studentin am 22.10.2013 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Marken oder billig Kleider?

    Als ob Markenkleider nicht in solch schlecht bezahlten Fabriken gemacht würden, kommt doch alles vom gleichen Ort, nur mit anderem Namen und unterschiedlichen Preis.

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  • cheers am 22.10.2013 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur blöd!

    Es sollte verboten werden neue Ressourcen für solchen Schwachsinn zu verschwenden. Weniger ist mehr!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Graupe am 24.10.2013 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Primark-Geschäft, 4 Junge Studenten

    Was wird einmal aus diesen Studenten, die jetzt schon arbeiten zu Hungerlöhnen unterstützen? Ich frage mich manchmal ob genau diese Leute später zu den Abzockern gehören. Wenn ich mir diese Jungen Studenten genauer Ansehe frage ich mich sowieso wie sie auf eine solche Idee kommen. Ich würde sagen die meisten haben Ihren Ursprung auch aus ärmeren Ländern. Warum vergisst man so schnell wie es dem eigenen Volk geht? Mussten sie selbst schon von morgenfrüh bis abends spät arbeiten?

  • Modeprinz am 23.10.2013 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss es denn schon.....

    Es gibt keine garantie dafür, dass etwas teurere Mode nicht auch unter miesen Arbeitsbedingungen entstanden ist. Ich kannte einen Boutique-Besitzer. Der kaufte, als Beispiel, ein Kleid für Fr. 2.--ein und verkaufte es für Fr.120. Ein satter Gewinn aber auch massive Abzocke und auch hier mit Bestimmtheit Sklaverei bei der herstellung.

  • Nickita B. am 22.10.2013 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Arme werden ärmer reiche werden reicher

    Ja und so werden Arbeiter/innen ausgenutzt um dass wir hier in Europa billige Kleider einkaufen können, obwohl es uns eigentlich gut geht! Noch mehr Wegwerfgesellschaft! Nein danke, für billig Mode? In anderen Ländern hungern sie und haben nicht ein drittel von dem wo wir hier haben. Und die in Irland verdienen sich dumm und dämlich dazu!

  • J. Meyer am 22.10.2013 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch diese Berner.

    Mineralwasser verbieten u auf Hahnenwasser setzen wegen der Umwelt, aber eine solche Billigwegwerfmode einführen wollen, welche von den ärmsten der Armen hergestellt werde unter unwürdigen Bedingungen. Umwelt wichtig, obwohl die Wegwerfmentalität dieser aber schadet, während Menschenrechte egal sind, weil Mode eben billig sein muss? Verstehe das wer will. Mode soll bezahlbar bleiben, ja, aber nicht auf diesem Niveau u auf Kosten der Näherinnen. Möchte gerne mal wissen, wo Modedesigner ihre Kreationen nähen lassen? Auch da?

  • Heuchelei am 22.10.2013 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt mal nach

    Für grössere Ketten werden die Kleider auch in Billiglohnländern hergestellt. Das Geld, das man drauf zahlt, fliesst ja dann auch nicht zu denen, die es brauchen könnten..

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