Angestellten stinkts

24. August 2017 05:48; Akt: 24.08.2017 05:48 Print

BLS-Lokführer sollen Zugs-WCs selber leeren

Lokführer der BLS sollen in Zukunft auch für einen Teil des Zug-Unterhalts verantwortlich sein. Sie sollen etwa die Fäkalien der Passagiere selber entsorgen.

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Was hier hinuntergespült wird, soll schon bald von den Lokführern geleert werden. (Bild: cho)

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Den BLS-Lokführern droht ein Scheiss-Job – wortwörtlich. Die Unternehmensleitung der Berner Bahngesellschaft schmiedet Pläne, wonach die Frauen und Männer im Führerstand künftig auch für das Entleeren der Fäkaltanks zuständig sind. Dies, weil die Werkstätte Bern-Aebimatt spätestens 2020 wegfällt, wo derzeit die Fäkaltanks geleert werden, wie BLS-Sprecherin Helene Soltermann sagt: «Wir planen Ent- und Versorgungsanlagen an neuen Standorten.»

Thun, Neuenburg und Burgdorf seien derzeit geplant. In Thun könnte es bereits Ende Jahr soweit sein: «Weil die Werkstätte in Spiez renoviert wird, müssen wir in diesem Gebiet möglichst bald eine Anlage in Betrieb nehmen», so Soltermann.

Rund alle drei Tage müssen die Toilettentanks der BLS-Kompositionen entleert und mit frischen Wasser befüllt werden. Dazu werden Schläuche seitlich der Zugkomposition angehängt, die die Fäkalien abpumpen. Diese Aufgabe übernahmen bisher die Mitarbeiter der Werkstätte. Soltermann betont jedoch, dass noch nichts in Stein gemeisselt sei: «Wird sind derzeit mit Vertretern der Belegschaft im Gespräch.» Auch Sozialpartner würden in einer zweiten Phase dazu geholt.

Belegschaft nicht erfreut

Obschon die Idee bisher lediglich auf dem Papier besteht, ist sie bereits zur Belegschaft durchgesickert. Ein BLS-Lokführer, der anonym bleiben will, sagt gegenüber 20 Minuten, dass niemand Freude an den Absichten des Kaders habe: «Wir wurden angestellt, um Züge zu fahren und nicht um diese zu unterhalten.»

Ins selbe Horn stösst auch Hubert Giger, President des Verbands Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF: «Lokführer sollen für ihren Beruf angemessene Arbeit verrichten – und das ist Züge zu führen.» Arbeitgeber könnten nicht einfach beliebig Pflichten anhängen. Schon heute seien Lokführer auch Auskunftsstelle für viele Passagiere oder müssten auch mal Güterwagons selber an- oder anhängen.

Solche Zusatzaufgaben stören auch den Lokomotivführer, der mit 20 Minuten sprach. Die Wertschätzung seines Berufsstandes sinke – auch bei der Chefetage: «Früher haben wir noch ein 1.-Klasse-GA als Dankeschön bekommen. 2016 gab es noch drei Ragusa-Stängeli.»

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RTFM am 24.08.2017 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    finde das jetzt auch nicht die feine art

    ... aber ich hätte da eine Lösung! Alle 3 Tage fasst das Management mit an. Back to the roots, meine feinen Herren! Das würde vom Personal sicher hoch geschätzt!

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  • Swssbch am 24.08.2017 06:12 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Generation am Ruder

    Schöne neue Schweiz. Die guten Werte die dieses Land so lebenswert machten verschwinden immer mehr. Mir grauts ja wies hier zu Lande in 20 Jahren aussieht. Nur schon rein demografisch! Non merci..

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  • MöchtegernLokfüehrer am 24.08.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vollweich?

    Finde ich völlig daneben... naja gibts wenigstens die Schmutzzulagen..?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BLS Loki Gnom am 25.08.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wütend und einfach BLS

    Was fällt denen eigentlich noch alles ein. Wenn man bedenkt was diese Herren der Leitung BLS Bahnproduktion für Ausbildungen haben. Da ist fast nichts an Weiterbildung vorhanden, diese Leute waren Lokführer, Betriebsdisponent usw. Im übrigen geht es nicht nur um das Absaugen der WC's. Soll der Lokführer in seinen Kleidern dieses machen und danach mit den gleichen Kleidern einen Zug weiterfahren. Um solche Arbeiten zu erledigen braucht es Persönliche Schutzausrüstung und nicht wie üblich bei der BLS 1 Bluse 1 Paar Handschuhe für 400 Leute wo in etwa alle 3 Monate mal gewechselt werden. usw usf

  • Berang am 25.08.2017 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht putzen.

    In ca. 9 von 10 Kommentaren lese ich WC's putzen. Es geht nur darum einen Schlauch anzuschliessen! Lesen gilt wohl in 10 Jahren als Kunstform.

    • 807687 am 25.08.2017 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Es geht darum, dass

      ...es wieder eine fachfremde Handlung zusätzlich ist. Der Lokführer hat sich auf den Verkehr zu konzentrieren und braucht keine Zusatzaufgaben! Sicherheit geht vor. Schleichend wird immer mehr verlangt! Dass der Lohn damit Schritt hält, bezweifle ich stark.

    • D.N. am 25.08.2017 19:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Berang

      So kommen grandiose Kommentare zustande, wenn man null Ahnung hat, wie es heutzutage auf einem WC aussieht. Wo soll man denn den Schlauch anschliessen? Beim Schlüsselloch und dann mit Hochdruck reinblasen und alles ist sauber und am Platz?

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  • Olli Kohlrabi am 24.08.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BLS..Kurzschluss?

    BLS..Betrieb veräppelt doch tatsächlich ihre eigenen Lokführer..nein, kein Scherz, die meinens ernst. Zukünftig sollen BLS- Schweizer- Lokführer auch WCs putzen! Sparmassnahmen seien angesagt! Man fragt sich, ob die BLS irgendwo einen Kurzschluss erlitten hat, wie sonst komme man auf so eine absurde Idee? Oder haben wir etwas falsch verstanden und die Chefetage geht putzen? Ok, dann wär ja alles in Ordnung, nichts für ungut also..

  • grummelstilzchen am 24.08.2017 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauberkeit und Leerung = Hygienestandards

    ich seh den Sinn da nicht ein, wenn geleert wird sollte auch gleich professionell alles gereinigt werden und nicht wie ich es gestern wieder erlebt habe, einfach wc abschliessen das keiner mehr hin kann, und ja es war die bls. und sowas kann und sollte nicht in den Aufgabenbereich eines Lokführers gehören.

  • Peter Basler am 24.08.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Automatisierung...

    Ja ja... Sie reden von Automatisierung und selbstfahrenden Zügen... Aber die WC Leerung scheint noch komplexer zu sein.?.?. Smart Rail 4.0 und so... Wohl eher Management 0.4... Die Berner Kantonsbahn scheint noch maroder zu sein als ihr Besitzer Kanton Bern!

    • 807687 am 25.08.2017 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Perfekt ist es dann,

      wenn die selbstfahrenden Züge selbstreinigende Toiletten haben. Oder wie soll ein nicht vorhandener Lokführer die Toilettentanks bedienen?

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