Fragwürdige Stellenanzeige

08. November 2017 18:03; Akt: 08.11.2017 19:01 Print

Winterdienst gesucht – aber nur «Eidgenossen»

Eine Firma aus Oberburg zeigt deutlich, dass sie keine Ausländer anstellen möchte. So schreibt sie in der Stellenausschreibung: «Es werden nur Eidgenossen berücksichtigt».

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Im Anzeiger der Region Burgdorf wurde in der neusten Ausgabe ein Inserat publiziert. Ausgeschrieben ist eine Stelle als Mitarbeiter für den Winterdienst. Wer dieses gelesen hat, suchte vergebens nach einem ausführlichen Anforderungsprofil. Das Einzige, was der Bewerber für diesen Job nämlich mitbringen muss, ist ein Schweizer Pass. Wörtlich steht: «Es werden nur Eidgenossen (Schweizer) berücksichtigt».

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Die Firma hat ihren Standort in Oberburg und sucht einen Arbeitnehmer, der das Areal bei Bedarf vom Schnee befreit. Zu den Hintergründen, wieso Bewerber mit ausländischer Herkunft nicht berücksichtigt werden, wollte sich der Arbeitgeber gegenüber 20 Minuten nicht äussern.

Klare Diskriminierung? kein gesetzlicher Verstoss.

«Aus dem vorliegenden Stelleninserat geht eine Diskriminierung hervor, die sachlich nicht begründet wird», sagt Juristin bei der Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, Alma Wiecken. Ein Verstoss gegen die Rassismusstrafnorm würde aber nur dann vorliegen, wenn bestimmte Gruppen wegen ihrer Ethnie, Religion oder Hautfarbe ausdrücklich ausgeschlossen werden.

Auch Rechtsanwalt Martin Steiger sagt: «In dieser Hinsicht gibt es keinen Diskriminierungsschutz. Trotz allem ist die Abgrenzung politisch fragwürdig und könnte als rechtsextreme Haltung verstanden werden». Häufig werde der Begriff Eidgenosse verwendet, um sich gegenüber eingebürgerten Schweizern abzugrenzen.

Kein Einzelfall

Bereits im Jahr 2013 schrieb eine Firma aus Luzern ins Stelleninserat, dass sich nur Eidgenossen bewerben sollen. Dass Ausländer in einer Stellenausschreibung explizit ausgeschlossen werden, hielt Thomas Geiser, Professor für Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen, damals für «problematisch»: In den Bilateralen Verträgen mit der EU über die Personenfreizügigkeit sei festgelegt, dass europäische Ausländer auf dem Arbeitsmarkt nicht diskriminiert werden dürfen. «Insofern ist es grundsätzlich nicht zulässig, jemanden nicht anzustellen, weil er nicht Schweizer ist.»

(nla)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kleine am 08.11.2017 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Ich denke die wollen zuerst die eigenen Leute beschäftigen. In einem andern Land bekommst du auch keine Arbeit ohne Pass und Bewilligung und ohne Sprachkenntnisse.

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  • Steffi am 08.11.2017 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Seiten

    Die Firma will also nur Schweizer. Das ist ihr gutes Recht. Ich lasse mir auch nicht vorschreiben welche Nationalitäten ich einstelle. Im Prinzip gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder man macht ein normales Stelleninserat ohne diese Klausel und sortiert dann die Ausländischen Bewerbungen raus, oder macht im Stelleninserat schon klar dass es so ist und erspart sich so die Arbeit des aussortieren. Immerhin informieren die klar und so können sich die nicht Schweizer die Arbeit des Bewerbens gleich sparen.

  • Beat am 08.11.2017 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unauffälliger

    Ich hätte es indirketer gesagt, z.B. perfekte Deutschkenntnisse und Dialektbeherrschung, ortskundig und vertraut mit der Umgebung, und so. Sonst gibt es nur Ärger. Wie man sieht. Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass ein Arbeitgeber dazu steht die eigenen Landsleute zuerst anzustellen. Das braucht heute schon Zivilcourage.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Igluarchitekt am 09.11.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ab Fr. 35 würde ich mich melden.....

    UND wo ist nun das Problem? Es ist doch völlig selbstverständlich dass der Arbeitgeber selber wählen kann WEN er will und wen nicht. Auch "Eidgenossen" können gute Arbeit leisten, obwohl ich mir gut überlegen würde für diesen "Lohn" Schnee schippen zu gehen und dazu noch so früh!

  • Ach.. am 09.11.2017 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und..

    Die vielen Komentare..finde es eine ganz klare Sache..nach dem uralten Motto..wer zahlt befielt..(was heute gelegentlich vergessen wird..)

  • Mark am 09.11.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Na und

    Ja Inländervorrang halt! Ist doch überall so im Ausland. Wo ist das Problem?

  • Ratmal Werwol am 09.11.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schieflage

    Das mit der Diskriminierung ist so 'ne Sache. Wenn ich als Mann den Sekretärinnen-Job nicht bekomme - völlig normal. Wenn ich als "zu alt" (bzw. im HR-Jargon "überqualifiziert") eingestuft werde - kein Problem. Aber "nur Schweizer" - skandalös und diskriminierend ?

  • Pedoro am 09.11.2017 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss Workers first!

    Naja über den Ausdruck Eidgenosse kann man streiten, aber es ist deren gutes Recht, nur einen Schweizer anzustellen. Sie schreiben ja keine Liste von Nationalitäten, die unerwünscht sind. So what? Swiss Workers first!