Vergewaltiger verurteilt

10. August 2016 14:05; Akt: 10.08.2016 16:44 Print

«Das Schlimmste, was einer Frau passieren kann»

2014 wurde eine Frau beim Berner Hallenbad Weyermannshaus vergewaltigt und beraubt. Nun hat das Regionalgericht den 34-jährigen Täter zu einer Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren verurteilt.

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Die Tat ereignete sich in der Nähe des Berner Weyerli. (Bild: Google Maps)

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Der Staatsanwalt sprach von einem «Horrorszenario»: In den frühen Morgenstunden des 7. September 2014 wurde eine Frau auf der Höhe des Hallenbades Weyermannshaus von ihrem Velo gerissen, in den Wald gezerrt und sexuell missbraucht. Der Täter, ein 34-jähriger Mann, wurde nun am Mittwochmorgen vom Berner Regionalgericht wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Raub zu 7,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Was in den frühen Morgenstunden vor rund zwei Jahren geschah, «ist vermutlich fast das Schlimmste, was einer Frau passieren kann», sagte Gerichtspräsidentin Christine Schär am Mittwoch bei der Begründung des Urteils.

Der heute 34-jährige, gebürtige Liberianer hatte sich an einem wenig frequentierten Ort bei einem Radweg im Weyermannshaus in Bern hinter einem Baum versteckt. Als eine Velofahrerin vorbeifuhr, sprang er sie an und riss die Frau zu Boden. Zunächst verlangte der Angreifer die Tasche der Frau, dann zerrte er sie an Haaren und Kleidern in ein nahes Waldstück, wo er sich mehrfach an ihr verging. Die Frau überlebte den Angriff mit erheblichen Verletzungen, darunter Knochenbrüche im Gesicht. Auch psychisch litt und leidet die Frau unter dem Angriff.

Angeklagter bagatellisierte Vorfall

Mit dem Urteil liegt das Regionalgericht Bern-Mittelland nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine achtjährige Freiheitsstrafe gefordert hatte. Wie der Staatsanwalt hielt auch das Gericht die Aussagen des Opfers für sehr glaubwürdig, detailliert und in sich stimmig. Der Angeklagte hingegen suche ständig Ausflüchte und bagatellisiere das Geschehen.

Der Verteidiger des Mannes hatte am Montag in seinem Plädoyer von einem «sehr bedauerlichen Vorfall» gesprochen. Er wertete den sexuellen Übergriff aber lediglich als versuchte Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Der Angeklagte hatte vor Gericht abgestritten, in die Frau eingedrungen zu sein, noch habe er ihr mit dem Einsatz eines Messers gedroht oder ihr Tritte und Schläge verabreicht. Der Mann hatte im Verlauf des Verfahrens widersprüchliche Aussagen gemacht und Gestandenes teilweise widerrufen. Sein Verteidiger erklärte dies damit, dass sein Mandant den ersten amtlichen Verteidiger nicht richtig verstanden habe.

Der Angeklagte habe gemeint, wenn er alles zugebe, was man ihm vorwerfe, egal, ob er es getan habe oder nicht, dann komme er besser weg. Später habe er dann erfahren, dass dem nicht so sei.Das glaubte ihm das Gericht nicht. Vielmehr sei dies eine «reine Schutzbehauptung», wie die Gerichtspräsidentin anmerkte.

Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten

Der gebürtige Liberianer, der seit seinem 12. Lebensjahr in der Schweiz ist und Berndeutsch spricht, ist vorbestraft, zumeist wegen Strassenverkehrsdelikten, aber auch wegen Drohung und Körperverletzung. Nach der Schulzeit versuchte er sich unter anderem als Fussballprofi, was aber nicht gelang. So hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser.

Neben der siebeneinhalbjährigen Freiheitsstrafe muss der Angeklagte unter anderem auch die Verfahrenskosten von über 56'000 Franken übernehmen und dem Opfer eine Genugtuung von 25'000 Franken bezahlen. Der Mann befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug.

(miw / sda)