Acht Passagiere

18. Juni 2017 16:17; Akt: 18.06.2017 19:20 Print

Aare-Böötler scheitern an Brückenpfeiler

Ein vollbesetztes Gummiboot kenterte am Samstagnachmittag in der Aare bei Belp, als es in einen Pfeiler der Auguet-Brücke fuhr. Der Unfall ruft böse Erinnerungen wach.

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Am Samstagnachmittag kurz nach 17 Uhr geriet ein Gummiboot mit acht Personen bei Belp in Not. Das Boot steuerte direkt auf einen Pfeiler der Auguet-Brücke zu und blieb dort hängen.

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«Die Leute auf dem Boot fielen alle raus», erzählt ein Leser-Reporter, der gleich nebenan grillierte. Zuerst hätten es die Beobachter lustig gefunden. «Doch wir merkten schnell, dass zwei Frauen Panik bekamen, als sie an Land schwammen.» Er und seine Freunde hätten sich dann erkundigt, ob jemand vermisst werde. «Zum Glück war das nicht der Fall. Die anderen Passagiere des Boots hatten sich noch ein Stück weiter die Aare heruntertreiben lassen, schwammen in Ruhe an Land und gingen zu Fuss wieder zum Unfallort hinauf. So war die Gruppe am Ende wieder beisammen.»

«Seid aufmerksam»

Ein freundlicher Helfer hatte noch versucht, den einen Rucksack, der hängengeblieben ist, aus dem Boot zu fischen. «Aber das stellte sich dann als zu gefährlich heraus. Der Rucksack verschwand danach in den Fluten», erzählt der Leser-Reporter.

Etwa eine halbe Stunde später kreuzte dann auch der Bootsvermieter auf, der das Gummiboot bergen konnte. Der Tipp des Leser-Reporters: «Seid aufmerksam auf der Aare und schaut gut, wohin ihr steuert.»

Die Kantonspolizei Bern bestätigt den Vorfall, die Meldung sei um 17.40 Uhr eingegangen. Die Polizei sei jedoch nicht vor Ort gewesen, da keine Personen verletzt oder vermisst wurden und weil sie die Meldung erhalten hatten, dass das Boot geborgen werden konnte.

Brücke wurde vor zwei Jahren zur Todesfalle

Der Unfall ruft Erinnerungen wach: An genau derselben Stelle sind vor zwei Jahren zwei Frauen nach einem gleichartigen Unfall verstorben. Auch ihr Boot geriet an den Pfeiler der Auguet-Brücke, die Frauen verhedderten sich und wurden unter Wasser gedrückt, sodass sie trotz schneller Hilfe später im Spital verstarben.

Die Auguet-Brücke ist denn auch als Gefahr bekannt. Auf der Aarekarte der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) für Böötler und Schwimmer ist sie mit dem Symbol «Vorsicht Brückenpfeiler» als Hindernis eingetragen.

Philipp Binaghi sagt zum Unfall vom Samstag, dass Brückenpfeiler prinzipiell sehr gefährlich seien: Wenn das Boot gegen den Pfeiler gedrückt werde, könne es Menschen einklemmen. In diesem Fall wirke riesiger Druck auf die Personen. In der Aare entspreche dieser «etwa einem Gewicht von 20 Tonnen», so Binaghi.

Weitere Gefahren: Widerwasser, Strömung, Alkohol

Schafften es die Gekenterten aber am Pfeiler vorbei wie im aktuellen Fall, sei die Gefahr noch lange nicht vorüber. Das Widerwasser hinter dem Pfeiler kann eine Sogwirkung haben. Möglich, dass die beiden Frauen am Samstag deswegen in Panik gerieten.

«Und ist die Brücke einmal passiert, ist die Strömung die nächste Herausforderung», sagt Philipp Binaghi. Gekenterte sollten sich deshalb zuerst orientieren und dann einen Ausstiegspunkt fixieren, um dort den Fluss zu verlassen. «Wer eine Schwimmweste trägt hat den Vorteil, dass er die Energie nicht für den Auftrieb verschwenden muss, sondern sie dafür einsetzen kann, ans Ufer zu kommen.»

Eine weitere sehr grosse Gefahr in Zusammenhang mit Brücken sind aneinander gebundene Boote. «In der Aare sieht man manchmal Personenboote, die noch ein Materialboot voller Bier hinter sich herziehen. Das ist alles andere als ratsam», so Binaghi. «Damit kann man leicht an Brückenpfeilern hängenblieben.» Zum Alkohol meint Binaghi, dass dieser doch «lieber nach der Fahrt in einer Gartenbeiz konsumiert wird».

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schämu am 18.06.2017 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar ohne Schwimmwesten

    Mit einem blauen Auge davon gekommen, voll Easy! Habe solche Situationen mehrmals erlebt an der Aare und nicht alle waren so gimpflich abgelaufen. Aber eben, es gibt immer noch viele Besserwisser.

  • Markus im AG am 18.06.2017 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ich allgemein Vermisse

    bei Unfallmeldungen dieser Art sind Verhaltenshinweise, Im Boot bei Brücken nicht treiben lassen sondern Aktiv Paddeln, absprechen wer BEFIEHLT wo gefahren wird. Welche Mitte wird gewählt zwischen den Pfeilern alles Sache von Absprechen vor dem Einwassern.

  • Sein am 18.06.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bis man selber in so einer situation ist

    aus spass kann sehr schnell ernst werden! ich als laie würde es nicht wagen. viele gehässigen kommentare hier erstaunen mich aber. dachte immer, dass uns menschen mitgefühl und empathie fähigkeiten mit auf den weg gegeben wurden. sorry, mein fehler!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 19.06.2017 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    1/2 Tonne pro m3

    Keiche Chance dein Boot freizukrigen! Die Aare drückt pro m3 ein 1/2 Tonne! Leise aber kraftvoll, wie es sein soll. Warten bis der Waserstand sinkt.

  • Neukki am 19.06.2017 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität

    Sorry aber es ist keine Kunst an den Brückenpfeilern vorbei zu paddeln. Ich kann zwar nicht schwimmen, paddeln jedoch schon.

    • Rapphy Rollerkapitän am 19.06.2017 07:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Neukki

      Sorry aber als Nichtschwimmer zählt ihre Meinung hier nicht wirklich viel...

    • Ein Leser am 19.06.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ich verstehe das nicht

      Habe ich mir gerade auch gedacht, wie schafft man es in den Brückenpfeiler zu fahren. Ich finde solche Leute haben auch der Aare nichts zu suchen und sollten sich ein neues Hobby suchen.

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  • Turmion_ am 19.06.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zun ko****

    habe vor 7 jahren angefangen zu böötlen auf der aare. bin dadurch schon zig mal die route thun bern gefahren. aber der boom der letzten jahren geht mir gewaltig auf den sack. man muss praktisch um 8 uhr einwassern ansonsten wartet man fast ne std bis man ins wasser kann. was man unterwegs alles so sieht ist erschreckend. von möchtegern hobby capitane bis hin zu alk partys, ein wunder das nicht mehr passiert. mir vergeht so langsam die lust!!!

  • Samira am 19.06.2017 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht unterschätzen

    Ich war vor ort und hab gesehn wie der eine mit dem badel versucht hat das boot zu befreien. Wenn man sich die böötler mal ein bisschen anschaut kein wunder. Boote werden zusammengebunden, alkohol fliesst in strömen. Sich dan wundern wen man die brücke nicht trifft. Ich fühle mich ausserdem belästigt. Weil von jedem zweiten boot anmachsprüche kommen. Mich nerven die bötler nur noch.

    • Ein Leser am 19.06.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Da ist es im Rhein schon anderst

      Das habe ich mir auch gedacht als ich ich am Bötlen war. In der Aare war die Stimmung immer angeheizt, dumme Anmachsprüche oder freche Beleidigungen. Da geht es von Stein am Rhein nach Schaffhausen schon besser und ist vorallem gemütlicher.

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  • BoomXfactor am 19.06.2017 02:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst!!

    Zu viele Köche vermiesen den Fras, deshalb, waren wohl zu viele im Boot, und wer weiss wieviel die getrunken haben!?

    • chrizzla am 19.06.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BoomXfactor

      schiebt nicht alles auf den alkohol ich kann kanonendicht sein und trotzdem ist mir noch nie auch nur annähernd so etwas passiert

    • Tim am 25.06.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @chrizzla

      Trotzdem ist Alk & Aare nicht empfehlenswert. Schön gar nicht "kanondicht."

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