Nennigkofen-Lüsslingen

25. März 2015 14:26; Akt: 25.03.2015 17:43 Print

ARD-Report belegt Drogengebrauch bei Guru

Meskalin und MDMA: Ein Undercover-Reporter der ARD-Sendung «Beckmann» entlarvte den Drogenkonsum in einem Seminar von Samuel Widmer.

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In diesem Haus fanden die Therapieseminare statt. (Bild: miw)

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Der Arzt und Boss der Kirschblütengemeinschaft Samuel Widmer soll Teilnehmern seiner Psycholyse-Seminare im solothurnischen Nennigkofen-Lüsslingen illegale Drogen verabreichen. Nun hat sich ein Reporter der ARD der Sendung #Beckmann mit versteckter Kamera in eine solche Sitzung geschleust. Offenbar hat er Widmer dabei entlarvt: Dem Reporter wurden nämlich Meskalin und MDMA, der Wirkstoff von Ecstasy, angeboten.

Mit zwanzig weiteren Teilnehmer besuchte der Reporter in geheimer Mission ein Therapieseminar der Kirschblütler – unter der Leitung der Ehefrau des Gurus. Der Cocktail des Tages: Meskalin und MDMA. Zwischen Alter, Grösse oder Gewicht wurde kein Unterschied gemacht, jeder bekam dieselbe Dosis – ohne Aufklärung über Risiken. Mehrere Stunden waren die Teilnehmer auf dem Drogentrip.

Tatsächlich Meskalin und MDMA

Heimlich schmuggelte der Reporter die Pillen aus dem Seminar. Arzt und Apotheker Hannes Welcker wartete draussen und erklärte dem Reporter, wie gefährlich die beiden Substanzen sind. Das Labor bestätigte später, dass es sich tatsächlich um die beiden illegalen Drogen handele. Bei einem Interview von Beckmann mit Widmer und seiner Frau bestritt der Guru das Arbeiten mit illegalen Drogen. Es könne natürlich sein, dass die Teilnehmer selbst Ecstasy mitbringen würden, vermutete seine Ehefrau.

Abrechnen über die Krankenkasse

Kurios findet der ARD-Reporter zudem, dass die Schweizer Teilnehmer das Seminar über die Krankenkasse abrechnen können, da es sich um eine Therapiesitzung bei einem anerkannten Psychiater handle. Die deutschen Besucher müssten hingegen 300 Franken hinblättern.

Bis anhin bestritt Samuel Widmer den Vorwurf, illegale Drogen in seinen Seminaren abzugeben. Lediglich legale Substanzen wie Ketamin und Ephedrin verabreiche er in seinen Seminaren. Letzte Woche wurden schliesslich Polizeirazzien in verschiedenen Räumen Widmers durchgeführt. Gefunden haben die Einsatzkräfte jedoch keine illegale Drogen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Die Staatsanwaltschaft Solothurn hat nun ein Strafverfahren eingeleitet.

(mua)