Oberländer Lebensretter

17. April 2017 08:45; Akt: 17.04.2017 15:35 Print

Ertrinkender krallte sich an ihm fest und biss zu

Martin Casagrande (64) hat drei Studenten aus dem Brienzersee gerettet und dabei sein eigenes Leben riskiert. Für diese Heldentat wird er nun ausgezeichnet.

Martin Casagrande erklärt wie er drei Personen vor dem Ertrinken rettete.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Schon nach 300 Metern gerieten die drei argentinischen Schwimmer in Panik, schlugen wild um sich und drohten zu ertrinken. Wäre da nicht Martin Casagrande gewesen, der 64-jährige Böötler, denen sie ihr Leben verdanken. Und dabei hatte ihn einer der drei Studenten sogar noch gebissen.

Umfrage
Haben Sie auch schon einmal jemandem das Leben gerettet?
12 %
22 %
48 %
18 %
Insgesamt 3124 Teilnehmer

Das Drama ereignete sich am 4. Juni vergangenen Jahres. Der See war mit 12 bis 13 Grad viel zu kalt für eine Seeüberquerung, trotzdem stiegen die zwei Männer und die Frau in den Brienzersee und wollten das Seebecken bis zum Giessbach überqueren. Nach gerade einmal 300 Metern gerieten sie wegen der Kälte in Panik.

Der Lebensretter von Brienz

Mitglieder eines Segelclub verspeisten soeben das Abendessen im Hotel Wildbach in Brienz und wurden Zeuge der Szene. Simon Kunz beobachtete das Drama, konnte aber nicht selber intervenieren, da er auf den Rollstuhl angewiesen ist. Geistesgegenwärtig zog er jedoch sein Handy und rief Martin Casagrande an, ein Freund, von dem er wusste, dass er oft in der Umgebung mit seinem Boot unterwegs ist.

Casagrande war zwar nicht auf dem See, doch in der Nähe seines Bootes, sodass er gleich ablegen konnte. «Ohne die Blache vom Boot zu entfernen fuhr ich los», erzählt der Brienzer.

Sich selbst in Gefahr gebracht

«Als ich auf den See hinausfuhr, habe ich zuerst nur zwei Köpfe im Wasser gesehen», so Casagrande. Auf diese steuerte er zu und zog den Mann und die Frau aus dem See. «Sie waren stark unterkühlt, jedoch ansprechbar.»

Die dritte Person erblickte er nicht sofort. Dann sah er 30 Meter entfernt kurz einen Kopf auftauchen, bevor er wieder im Wasser untertauchte. Ein Zufall, dass er ihn überhaupt erspähte. Casagrande: «Er war bereits am Ertrinken.»

Als der Brienzer beim Ertrinkenden angelangte, war dieser nicht mehr selber in der Lage, seine Hand zu fassen. So versuchte Casagrande, stehend vom Heck seines Bootes aus den Mann zu packen. «Da begann er mich zu beissen und sich festzukrallen», so Casagrande. «Er war in Panik, ich musste ihn loslassen.»

Beinahe sei die Rettung misslungen, doch Casagrande wagte einen weiteren Versuch – auch wenn dem 64-Jährige drohte, selber in den eiskalten See zu fallen und vom Ertrinkenden unter Wasser gezogen zu werden. Im zweiten Anlauf habe er versucht, den Mann besser zu fassen. «Mit einem Arm habe ich ihn hochgezogen, mit dem anderen griff ich ihm unter die Schulter», so Casagrande. Er habe sein ganzes Körpergewicht einsetzen müssen und liess sich mit dem jungen schweren Schwimmer rückwärts ins Boot fallen.

«Bin da um zu helfen»

Für diese Heldentat soll Martin Casagrande nun geehrt werden. Am 19. Mai wird er in Bern von der Stiftung Carnegie, die Lebensrettern Preise verleiht, mit der bronzenen Ehrenmedaille ausgezeichnet. «Für mich ist es eine überraschende Ehre», sagt der Brienzer.

Doch Casagrande fordert auch Massnahmen, damit bei solchen Fällen schneller Hilfe vor Ort ist. Denn die Seepolizei oder andere Retter hätten unter Umständen zu lange, den See bis zur Unfallstelle zu überqueren. «Es bräuchte mindestens drei Personen, die rund um den Brienzersee Boote haben und jederzeit via Handy erreichbar sind», sagt er. Sei jemand am Ertrinken, müssten sie sofort losdüsen. Casagrande: «Auch ich würde jederzeit wieder ausrücken. Ich bin da, um zu helfen, und das tut gut.»

(stm)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uschi am 17.04.2017 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rettung

    Alle Achtung dem Herr,der sein Leben riskiert hat. Hat die Auszeichnung verdient. Merci das Sie geholfen haben.

    einklappen einklappen
  • Senior am 17.04.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere!

    Sein Leben aufs Spiel zu setzen tut nicht ein Jeder. Schön, wenn eine Anerkennung erfolgt, egal von welcher Seite. Gut zu wissen, dass man die Chance hat solch mutigen Menschen in kritischer Situation an der Seite zu haben.

  • Maria am 17.04.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Herzliche Gratulation zum Preis. Ich finde ihre Leistung extrem super!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandro am 18.04.2017 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Undankbarkeit

    Ich habe im letzten Sommer in der Badi von Ascona einen älteren Deutschschweizer aus dem Wasser gezogen, welcher sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte und mitten unter den ahnungslosen Badenden zu ertrinken drohte. Zwei Tage später traf ich den gleichen Mann zufällig in der Altstadt von Ascona. Ein knappes Merci und einen dummen Spruch an meine Partnerin war alles, was ich an Dankbarkeit erfahren habe. Nix mit Urkunde und Belobigung von höchster Stelle.

  • Martin C am 17.04.2017 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Rettung aus Brienzersee

    Ich möchte allen danken für die Gratulationen.Doch mein Dank geht auch an alle die an diesem Tag mithalfen diese drei leben vor dem Ertrinken zu Retten ! Danke Martin Casagrande .

  • Brigitte am 17.04.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverantwortlich

    Wieso muss immer jemand sein Leben riskieren für hirnlose Menschen?? Kann man nicht überlegen, bevor man in einem kalten See schwimmen geht??

    • Heldenbar am 18.04.2017 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brigitte

      So ein blöder und überflüssiger Kommentar. Wie geschrieben, es waren unerfahrene, die die Situation einfach falsch eingeschätzt haben. Das könnte auch Ihnen passieren. Ich hoffe, dass auch dann immer zur Stelle ist.

    einklappen einklappen
  • Janosch am 17.04.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt

    ich will seine Leistung nicht schmälern aber er hatte extrem viel Glück. Wieso hat er nicht noch jemanden mitgenommen? Er hat sich einer extremen Gefahr ausgesetzt. Doch es ist zum Glück gut gegangen. Es braucht auch solche Menschen die ab und an ein Risiko eingehen um Menschenleben zu retten. Er hat viel Mut gezeigt. Wieso waren die drei überhaupt auf die Idee gekommen den See zu überqueren bei diesen Temperaturen?

    • Samariter am 18.04.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

      fragen über fragen

      @Janosch Lieder gibt es viele Menschen wie Sie, wo so vieles hinterfragen und fragen über fragen haben, so dass sie nicht mehr fähig sind zu helfen oder zu späht. Ein hoch auf Herr Casagrande und das alles gut gegangen ist.

    einklappen einklappen
  • Sandra am 17.04.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Auch eine Auszeichnung an Simon Kunz

    Aber auch dem Rollstuhlfahrer Simon Kunz gebührt eine Auszeichnung. Ohne ihn wären die drei Studenten sicherlich ertrunken.