Tourismus

13. August 2017 16:08; Akt: 13.08.2017 16:10 Print

Bergler nehmen Anstoss an Jüdisch-Orthodoxen

Jüdisch-orthodoxe Feriengäste in den Schweizer Bergen stossen bei Einheimischen nicht immer auf Verständnis, so eine Deutsche Zeitung. Juden und Bergler sollen sich nun besser verstehen lernen.

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Noch mehr als in der Stadt fallen Juden mit ihrer orthodoxen Kleidung in Tourismusgebieten auf. (Bild: Keystone/Symbolbild)

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Seit Anfang August zieht es wieder viele jüdisch-orthodoxe Touristen in die Schweizer Berge. In den Berner und Bündner Alpen sowie im Wallis sind sie im Allgemeinen gern gesehene Gäste, die das Sommergeschäft ankurbeln.

Der Umgang mit den jüdischen Gästen verlaufe allerdings «nicht ganz ohne Schwierigkeiten», wie die deutsche Wochenzeitung «Jüdische Allgemeine» berichtete. So würden Einheimische etwa Anstoss an deren Kleidung oder den Konsumgewohnheiten im Zusammenhang mit koscherer Nahrung nehmen. Ferner sei darüber geklagt worden, dass die orthodoxen Besucher «andere Touristen oder auch die Einheimischen gar nicht oder dann höchstens verschämt grüssen», wie ein Vertreter des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) zitiert wird.

Wem darf man die Hand reichen?

In Saas-Grund hat man bereits auf die Spannungen zwischen jüdischer und nicht-jüdischer Bevölkerung reagiert. So wurde im letzten Sommer ein Info-Abend «betreffend Umgang und Kontakt mit jüdischen Gästen» organisiert, wie die «Sonntagszeitung» schreibt. «Wir haben gemerkt, dass wir die Servicequalität des Bahnpersonals verbessern müssen und stärker auf die Bedürfnisse unserer jüdischen Gäste ausrichten können», sagt Hans Beeri, Direktor der Bergbahnen Hohsaas, der die Veranstaltung organisierte. Dabei gehe es etwa darum, wem man die Hand reichen oder beim Einsteigen in die Gondel helfen dürfe, wie man sich am Schalter verhalte und was man zum jüdischen Gast am Abend vor dem Schabbat sagt.

Auch der SIG weiss um die Herausforderungen im Umgang miteinander. Zum besseren gegenseitigen Verständnis hat er daher seinerseits ein Projekt lanciert, durch das die eigenen Leute aufgeklärt werden sollen. «Man muss ihnen klar sagen, was man von ihnen erwarten kann», sagt SIG-Generalsekretär Jonathan Kreutner gegenüber der Zeitung. Dazu gehöre etwa eine gewisse Grüsskultur oder auch, dass man Essen von Zuhause nicht im Restaurant, sondern auf einem Picknickplatz konsumiere. Kreutner: «Wir hatten auch Fälle, wo orthodoxe Touristen bei Wochenkarten Rabatt wollten, weil sie diese am Schabbat ja nicht nutzten.»


(sul)