Täuffelen BE

06. März 2017 17:55; Akt: 06.03.2017 17:56 Print

Todesraser bricht vor Gericht in Tränen aus

Zwei junge Männer, die 2011 in Täuffelen am Bielersee einen tödlichen Raserunfall verursacht hatten, müssen sich seit Montag vor dem Berner Obergericht verantworten.

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Das Auto erfasste auf dem Trottoir eine vierköpfige Familie. Der Vater wurde getötet, die Frau, der kleine Bub sowie ein entgegenkommender Autofahrer wurden zum Teil schwer verletzt. (Bild: Arthur Sieber, Newspictures)

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Mehr als fünf Jahre nach dem tödlichen Raserunfall von Täuffelen im Seeland stehen zwei junge Autofahrer vor dem Berner Obergericht. Beide wehren sich gegen die langjährigen Freiheitsstrafen, die das Regionalgericht in Biel erstinstanzlich ausgesprochen hatte.

Der Anwalt des Unfallverursachers fordert eine deutliche Strafmilderung, der Verteidiger des zweiten Mannes sogar einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft verlangt hingegen eine Strafverschärfung. Das Obergericht verkündet sein Urteil am Donnerstag.

Familienvater beim Rasen getötet

Beim Unfall vom 17. Dezember 2011 wurde ein Familienvater auf dem Trottoir getötet. Seine Frau, sein kleiner Sohn und ein korrekt entgegenkommender Autofahrer wurden zum Teil schwer verletzt. Der Unfallverursacher, ein 18-jähriger Junglenker, hatte innerorts mit fast 100 km/h die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren.

Er und ein gleichaltriger Freund wollten mit ihren Autos nach Biel fahren. Unterwegs sollen sie sich gegenseitig angestachelt und gewagte Manöver vollzogen haben.

Raser hätten Unfall in Kauf genommen

Das Regionalgericht ging von einem Eventualvorsatz aus: Beide Autofahrer hätten einen möglichen Unfall in Kauf genommen. Wegen vorsätzlicher Tötung verurteilte die erste Instanz den Unfallverursacher zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren und seinen Kollegen zu sieben Jahren.

Von einem Eventualvorsatz könne keine Rede sein, sagte der Verteidiger des Unfallverursachers am Montag vor Obergericht. Sein Mandant habe lange für das Auto gespart, es sei ihm nicht egal gewesen, ob es kaputt gehe oder nicht. Vielmehr liege Fahrlässigkeit vor: Sein Mandant habe darauf vertraut, dass nichts passieren werde.

Sein Verhalten sei natürlich inakzeptabel und der Unfall schrecklich. Weil es sich um Fahrlässigkeit handle, sei aber eine Freiheitsstrafe von lediglich drei Jahren angemessen, wovon zwei Jahre bedingt. So werde die Resozialisierung des Mannes nicht gefährdet.

Umstrittene Rolle des Kollegen

Angestachelt worden sei der Unfallverursacher von seinem Freund. Dieser habe sich nicht überholen lassen wollen und zunächst ebenfalls beschleunigt. Der Unfallverursacher habe darauf noch stärker aufs Gaspedal gedrückt und den Freund überholt. Kurz darauf kam es zur Katastrophe.

Der Verteidiger des zweiten Autofahrers wies den Vorwurf der Mittäterschaft zurück. Seinen Mandanten treffe keine Schuld am Unfall, begründete er die Forderung nach einem Freispruch und einer Genugtuung von 10'000 Franken.

Es sei nicht nachgewiesen, wie sich sein Mandant in den fatalen Sekunden tatsächlich verhalten habe. Im Zug der Ermittlungen seien zudem wiederholt Formfehler begangen worden. Bei der Urteilsfindung habe das Regionalgericht ebenfalls elementare Regeln der sachlichen Beweiswürdigung missachtet.

«Halsbrecherische Fahrt»

Ganz anders sieht es Staatsanwalt Markus Schmutz. Dass die halsbrecherische Fahrt mit einem Unfall enden könnte, sei den zwei ortskundigen Fahrern klar gewesen. Es war der Samstagnachmittag vor Weihnachten, die Läden waren offen, das Dorf bevölkert.

Der Unfallverursacher habe als Junglenker nicht darauf vertrauen können, eine brenzlige Situation mit Geschick und Routine lösen zu können. Trotzdem sei er im Dorfkern mit massiv überhöhtem Tempo unterwegs gewesen.

Der Eventualvorsatz sei auch für den Kollegen gegeben, der sich am Rennen beteiligt habe. Für ihn forderte Schmutz eine Freiheitsstrafe von acht Jahren, für den Unfallverursacher achteinhalb Jahre.

«Es tut mir so leid»

Der Unfallverursacher entschuldigte sich – wie schon vor der ersten Instanz – unter Tränen bei den Hinterbliebenen. «Es tut mir so unglaublich leid, aber ich werde es nie wieder gutmachen können.» Der zweite Beschuldigte verzichtete auf das letzte Wort.

Das Obergericht will sein Urteil am kommenden Donnerstag (9. März) eröffnen.

(sda )