Interlaken

03. September 2017 15:08; Akt: 03.09.2017 16:21 Print

Juchzer und Trachten zum Unspunnen-Schluss

Am letzten Tag des Unspunnen-Fests wurde dem Publikum noch einmal richtig Spektakel geboten. Für bange Momente sorgen Kühe, die ausser Kontrolle gerieten.

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Treichler, Fahnenschwinger, Trachtenfrauen, Fasnächtler: 4000 Darsteller aus der ganzen Schweiz haben am Sonntagmorgen am grossen Festumzug des Unspunnenfests ihr Können und ihre Bräuche vorgestellt.

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Tausende von Zuschauern verfolgten im Zentrum von Interlaken BE den dreistündigen Umzug mit rund 70 Sujets. Er sollte die Lebendigkeit und Vielfalt des Schweizer Brauchtums aufzeigen.
Alle 26 Kantone waren vertreten. Präsent waren sie meist mit kantonalen Trachtenvereinen. Jener aus dem Kanton Zürich führte beispielsweise den vom Sechseläuten bekannten Böögg mit sich und präsentierte die Tirggel-Produktion. Für die Trachtenvereinigung Uri traten unter anderem drei Männer auf, die den Rütlischwur nachahmten. Waadtländer Trachtenleute verteilten Weisswein und Brätzeli.

Viele Berner Sennenhunde und Berner Trachten

Zwischen diesen kantonalen Trachtenvereinigungen passierten Musikgesellschaften, Alphorngruppen, Jodler, Hundezüchter, Mitglieder der Tellspiele Interlaken, Geisselchlepfer und viele mehr die Zuschauerreihen. Besonders gut mit Gruppen vertreten war natürlich der Kanton Bern.

Gar mancher Juchzer entfuhr begeisterten Zuschauern bei prächtigem Spätsommerwetter. Im farbenfrohen Umzug, der eine Stunde länger dauerte als geplant, wurden auch viele Tiere mitgeführt.

Aargau führt AKW mit

Auch Modernes hatte Platz. Beispielsweise eröffneten Darsteller auf zweirädrigen Segway-Stehrollern den Umzug. Sie alle trugen Kantonsfahnen. Und einige Mitglieder der Trachtenvereinigung Nidwalden fuhren teilweise wild kostümiert auf Motorrädern herum. Sie wiesen damit auf den erst seit ein paar Jahren existierenden Töff-Anlass «Teffli-Rally» in ihrem Kanton hin.

Der Aargauische Trachtenverband präsentierte den Mittelland-Kanton unter anderem als Energielieferanten. Auf einem Wagen wurde ein AKW-Kühlturm mit Wattewolke am oberen Ende präsentiert. Hinterher lief eine Frau mit einem Staubsauger und putzte die Strasse. Das Staubsauger-Kabel war am AKW angeschlossen.

Begeisterte Touristen

Die in Interlaken allgegenwärtigen Touristen waren begeistert und schossen fleissig Fotos von bereitwillig Modell stehenden Trachtenfrauen. Ausserdem machten – typisch für Interlaken – zahlreiche Touristen über die Köpfe der Umzugsbesucher hinweg den Landeanflug auf die zentrale Höhematte. Dies als Passagiere in einem Tandem-Gleitschirmflug.

Zuvor waren ganz andere Flieger über die Köpfe der Zuschauer hinweggedonnert: Die Patrouille Suisse hatte schon ihr Können demonstriert.

Kuhherde brennt durch

An der Schlussvorführung in Interlaken kam es zu einem kleinen Zwischenfall. In der grossen Festarena brannte eine Kuhherde durch und sorgte für ein bange Momente. Ein die Kühe begleitender Mann stürzte beispielsweise mitten in den Tieren, wurde aber zum Glück nicht überrannt. Einige weitere Darsteller mussten den rennenden Kühen ausweichen.

Nach etwa zwei Runden durch die Arena, wo vor einer Woche der Unspunnen-Schwinget stattgefunden hatte, liessen sich die reich geschmückten Kühe schliesslich beruhigen und aus der Arena führen.

Ein einziges Tier blieb inmitten der nervösen Kühe ruhig: ein riesiger Stier. Er hatte allein, an einem Halfter geführt, die Arena betreten. Alle Rinder zusammen hatten am Vormittag unter dem Titel «Alpabzug» das erste Sujet des Festumzugs gebildet.

(cho/sda)