Rüschegg BE

28. August 2017 06:46; Akt: 28.08.2017 06:46 Print

Fan prügelt 4.-Liga-Schiri spitalreif

von Simon Ulrich - Nach vier roten Karten gegen sein Team sah ein Fan des FC Makedonija ebenfalls rot. Dem Schiedsrichter schlug er die Faust ins Gesicht – vor den Augen mehrerer Kinder.

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Im Clubhaus-Beizli des FC Rüschegg flogen am Samstagabend die Fäuste. (Bild: Google Streetview)

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Es waren wüste Szenen, die sich am Samstagabend auf der Sportanlage Wislisau in Rüschegg ereigneten. In der 70. Minute brach der Schiedsrichter die 4.Liga-Partie zwischen dem FC Rüschegg und dem FC Makedonija beim Stande von 2:1 für die Gastgeber ab. Grund: Das Auswärtsteam kassierte ganze vier rote Karten, nachdem mehrere seiner Spieler den Unparteiischen angegangen hatten. «Sie schubsten ihn und nannten ihn ein Arschloch», berichtet ein Zuschauer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

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Während sich nach Spielabbruch die Wogen auf dem Feld rasch wieder glätteten, kochten die Emotionen bei den Makedonija-Fans weiter hoch. Einem Anhänger des Gästeteams brannten die Sicherungen vollends durch: Zusammen mit seinem Kollegen folgte er dem jungen Schiri in die Clubhaus-Buvette und streckte ihn dort mit mehreren Fauschlägen nieder. «Er war übel zugerichtet, hatte eine riesige Beule und blaue Flecken im Gesicht», erzählt ein Augenzeuge. Der Schläger habe sich unmittelbar nach dem Angriff aus dem Staub gemacht.

Die Kinder weinten

Zusammen mit einem Funktionär des FC Rüschegg habe er sich anschliessend um den Schiedsrichter gekümmert und diesen zurück in seine Garderobe begleitet, so der Augenzeuge. «Alleine traute er sich nicht mehr.» Wie der FC Rüschegg in einer offiziellen Stellungnahme mitteilt, wurde der Spielleiter zu weiteren Abklärungen in den Notfall gebracht. Auch die Kantonspolizei Bern bestätigt eine Meldung über eine Streiterei mit einem leicht Verletzten.

Kinder mussten psychologisch betreut werden

Die brutale Attacke fand vor den Augen mehrerer Kinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren statt, die sich im Clubhaus-Beizli gerade Schleckzeug kaufen wollten. «Sie waren nach dem Vorfall ganz bleich und weinten», sagt der Augenzeuge. Damit sie die hässlichen Szenen verarbeiten konnten, wurden sie von heranrückenden Polizisten psychologisch betreut.

«Solche Fans wollen wir nicht»

Auch Ratko Bojcev, Präsident des FC Makedonija, hat die Partie am Spielfeldrand mitverfolgt. Die Attacke auf den Schiedsrichter im Clubhaus-Beizli habe er nicht mitbekommen, da er nach dem Spiel die Rotsünder seines Teams habe «beruhigen müssen». Er bedaure den Vorfall. «Sobald der Täter bekannt ist, erhält er ein lebenslanges Besuchsverbot für die Heimspiele des FC Makedonija. Solche Fans wollen wir nicht.»

Physische Gewalt rückläufig

Über allfällige Sanktionen gegen den FC Makedonija wollte sich der Fussballverband Bern-Jura noch nicht äussern. «Wir müssen nun den Schiedsrichter-Rapport und die Stellungnahmen der betroffenen Vereine abwarten», sagt Rolf von Gunten vom Departement Spielbetrieb. Der Funktionär zeigt sich überrascht ob der Ereignisse in Rüschegg. «In den letzten Jahren hatten wir es zwar immer wieder mit verbalen Attacken von Spielern und Fans gegen den Schiedsrichter zu tun, die physische Gewalt ist aber zurückgegangen.» Der verprügelte Schiedsrichter war nicht zu erreichen.