Nachgeholte Kundgebung

12. Oktober 2017 18:58; Akt: 12.10.2017 20:17 Print

Bern wird Antifa-Demo nicht tolerieren

Die Behörden konnten sich nicht mit den Organisatoren der auf Samstag angesetzten Demo einigen. Die Polizei schätzt das Sicherheitsrisiko als erheblich ein.

Bildstrecke im Grossformat »
In der Berner Innenstadt wurden insgesamt 29 Personen von der Polizei angehalten und abgeführt. (6. Oktober 2017) Patrouillen der Kapo Bern waren bis tief in die Nacht hinein präsent. Kastenwagen in Reih und Glied – dahinter der Protestumzug. Der Wasserwerfer stand auf dem Waisenhausplatz bereit. Die Polizei war für eine allfällige Eskalation gewappnet. Bis spät in die Nacht markierte die Polizei in der Stadt Präsenz – hier am Bollwerk. Wer sich am Freitagabend in der Stadt aufhielt, konnte das massive Polizeiaufgebot unmöglich übersehen. Bereitstehende Polizeifahrzeuge bei der Lorrainebrücke. Nachdem die Demonstrierenden sich in die Reitschule zurückgezogen hatten, blieb die Polizei präsent. Hier wurde abgeriegelt: Polizisten versperren die Strasse zwischen Kapitel und Schützenmatte. Auch viele Schaulustige waren am Freitagabend in der Stadt, um sich selbst ein Bild der Geschehnisse zu verschaffen. Auf dem Weg Richtung Reitschule zündeten vermummte Aktivisten Pyrofackeln. Der Rumpf-Demozug marschierte via Bollwerk Richtung Schützenmatte. Dort wurde der Demozug von Polizisten blockiert. Personen, die der Polizei verdächtig vorkamen, wurden (teilweise auch in Handschellen) abgeführt. Polizei, so weit das Auge reicht. Die Mission war klar: Eine Demonstration musste verhindert werden. So wollte es die städtische Regierung. Ein Grossaufgebot an Polizeigrenadieren riegelte ab 19.30 Uhr... ...den Zytglogge grossflächig ab. Die erweiterte Polizeipräsenz erstreckte sich über die gesamte Altstadt. Die Polizei nahm gezielte Personenkontrollen vor. Dabei wurden etliche Verdächtige in Handschellen abgeführt. Der geplante antifaschistische Demonstrationszug beim Zytglogge konnte durch das massive Polizeiaufgebot nicht wie geplant um 19.30 Uhr durchgeführt werden. Durch das konsequente Durchgreifen der Polizei wurde der Protestumzug im Keim erstickt. Ein Schutzwall beim Zytglogge. Rund um den Zytglogge war bereits zwei Stunden vor der geplanten Demo... ...erhöhte Polizeipräsenz zu sehen. In der Marktgasse standen Kastenwagen bereit. Vor dem Bundeshaus West wurde ein Schutzzaun hochgezogen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Stadt Bern will am kommenden Samstag keine neuerliche, unbewilligte antifaschistische Demonstration tolerieren. Am vergangenen Freitag erstickte ein Grossaufgebot der Polizei eine solche Kundgebung im Keim. Aktivisten mobilisieren seither für eine Neuauflage der Kundgebung am Samstag.

Die zuständigen Behörden hätten auf mehreren Kanälen bislang vergeblich versucht, mit den Kundgebungsorganisatoren minimale Rahmenbedingungen zu definieren, schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung vom Donnerstag. Für die Kundgebung ging kein Gesuch ein.

Mit diesem Video rufen die Aktivisten zur Demo am Samstag auf. Video: Youtube

Aufgrund der Lageeinschätzung der Kantonspolizei geht die Stadtregierung erneut von einem erheblichen Sicherheitsrisiko aus. Nähere Angaben zum Polizeiaufgebot machte der städtische Sicherheitsdirektor Reto Nause heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda nicht.

Die Polizei habe seit einigen Tagen Kenntnis von dem Aufruf zur Kundgebung am Samstag und breite sich entsprechend vor, sagte Nause lediglich. Letzten Freitagabend glich die Stadt bisweilen einer Festung. Hunderte Polizeikräfte, unter anderem auch aus anderen Korps des Nordwestschweizer Polizeikonkordats, markierten in der Innenstadt Präsenz.

Zu einer grösseren Kundgebung kam es nicht. Einzig ein kleiner Zug von etwa hundert Aktivisten konnte sich am Bahnhof zusammenrotten und lautstark den kurzen Weg zur Reitschule zurücklegen. 29 Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Weitere Kundgebungen geplant

Für Samstag haben die Aktivisten zur Besammlung am späten Nachmittag beim Käfigturm in der Innenstadt aufgerufen. Gemäss Nause finden am Samstag gleich mehrere Veranstaltungen statt, etwa ein Markt ganz in der Nähe des Besammlungsortes der Demonstranten, die Lichtshow Rendez-vous-Bundesplatz und eine bewilligte Friedenskundgebung.

Letztere zeige klar, dass die Stadt Bern durchaus gewillt sei, Meinungsäusserungen Raum zu geben, wenn es die Sicherheitseinschätzung erlaubten, betonte Nause gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

In den kommenden Tagen und Wochen sind weitere Kundgebungen aus linksautonomen Kreisen angekündigt. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtregierung an einer ausserordentlichen Sitzung am Donnerstag beschlossen, die unbewilligte antifaschistische Demonstration nicht zu tolerieren. Die Stadt ruft dazu auf, nicht an der unbewilligten Kundgebung teilzunehmen.

Die Kundgebungsveranstalter haben auf Facebook mitgeteilt, dass sie sich nach dem Entscheid des Gemeinderates nun zunächst beraten wollen.

(sep/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johssd am 12.10.2017 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig!

    Im Gegensatz zu regulären (friedlichen) Demonstranten schrecken die Mitglieder der Antifa nicht vor Gewalt und Zerstörung zurück. Die Demonstrationsfreiheit hört dort auf, wo Leib und Leben sowie Hab und Gut gefährdet sind.

    einklappen einklappen
  • Mike Zac am 12.10.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    besser so

    damit spart die Stadt und Versicherungen Millionen von Fr. die sie wegen Sachschäden hätten berappen müssen. Antifa kennt keine friedliche Demo.

    einklappen einklappen
  • Dan am 12.10.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geits no?

    Waas, Rahmenbedingungen definieren? Und dann noch bewilligen. Soweit kommts noch, dass man solchen Chaoten, ohne Resoekt vor dem Eigentum anderer, den behördlichen Segen zur Krawallmache und Kollektiven Zerstörungswut erteilt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Legal zum Recht am 14.10.2017 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie soll was bewilligt werden wenn kein Antrag ges

    Die Vorschriften sollten wenigstens eingehalten werden! Eine Demo muss bewilligt werden und logischerweise muss dazu ein Antrag gestellt werden! Die Organisatoren rufen aber einfach mal zu einer Demo auf und machen sich nicht mal die Mühe einen Antrag auszufüllen! Nein man macht eifach mal worauf man Lust hat. Stört allenfalls den Verkehr, zwingt den friedlichen Stadtbesucher ihr Chaos auf und die Botschaft interessiert kein Mensch. In den Medien liest man nur ob jetzt die Polizei oder die Demonstranten gewonnen haben. Hallo wer gewinnt da? Wenn ihr wirklich was zu sagen habt, dann legal!

  • Molch am 14.10.2017 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig demonstrieren

    Wenn man demonstriert, dann soll man genau so ausgerüstet und bewaffnet sein wie die Polizei alles andre bringt nichts

  • Daddy Cool am 14.10.2017 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demos

    Kennen diese Leute eigentlich keine andere Freizeitbeschäftigung als zu demonstrieren und zu demolieren?

    • PiBi am 14.10.2017 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daddy Cool

      Stimmt, es gibt wirklich sinnvollere Tätigkeiten!

    einklappen einklappen
  • ... Aber schockiert am 14.10.2017 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Antifa...

    Geiz no? Den ganzen Tag steht die Truppe rum und verbrennt fleißig Steuergelder um durchzusetzen, dass Grundrechte unterdrückt werden. Wie weit muss es kommen bis ihr alle aufwacht?

    • Eric am 14.10.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      @ Aber schockiert

      Die Grundrechte werden nicht dort verletzt, wo man auf Polizisten einschlagen kann oder Privateigentum zerstören kann. Aber dafür fehlt den Leuten der Antifa sowie allen Linken der Durchblick.

    einklappen einklappen
  • kiki am 13.10.2017 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Handeln wenn's sein muss

    Ich hoffe es werden ganz viele Aufnahmen gemacht, sollte diese Demo gleichwohl statt finden. Wenn ja, alle Gesichter rein ins Netz und saftige Bussen verteilen. So viele wie möglich verhaften und eine Massenabfertigung veranstalten. Nicht lang diskutieren mit solchen Personen. Und das jedesmal wenn eine nicht bewilligte Demo statt findet. Mal sehen wer dann noch Lust hat zu randalieren und fremdes Eigentum zu zerstören. Aus Lust oder Frust.

    • Daniel am 14.10.2017 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Demos lassen sich nicht verbieten...

      ... denn es ist ein Grundrecht. Das Auftreten der Polizei provoziert gerade zu Gewalt. Und je mehr Repression durch die Behörden, desto grösser wird der Schaden.

    einklappen einklappen