Premiere im Berner Inselspital

20. Juli 2017 19:32; Akt: 20.07.2017 19:38 Print

«Auch mir sass die Angst im Nacken»

von Simon Ulrich - Eine Frau und ihr Ungeborenes schwebten in Lebensgefahr. Chefarzt Nils Kucher und sein Team entschieden sich für ein Verfahren, das so noch nie angewandt wurde.

Chefarzt Nils Kucher spricht über die medizinische Weltpremiere.
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Ausnahmesituation im Inselspital Bern: Eine junge Frau trifft am Montagnachmittag mit starken Schmerzen im geschwollenen Bein ein. Sie ist in der zehnten Woche schwanger. Bei der Untersuchung wird klar: Sie leidet an einer schweren Thrombose der Becken- und der unteren Hohlvene. Die Zeit drängt: Das Blutgerinnsel bewegt sich frei in der Nähe des Herzens, es droht eine Lungenembolie mit plötzlichem Herztod. «Unser Puls ging eindeutig schneller, als wir das massive Gerinnsel sahen», erinnert sich Chefarzt Nils Kucher. Denn Thrombosen kommen zwar gelegentlich im letzten Drittel der Schwangerschaft vor, in der Frühschwangerschaft dagegen höchst selten.

Ein interdisziplinäres Ärzteteam bespricht das Vorgehen. Nicht von Beginn an herrscht Einigkeit: «Wir haben zwei bis drei Stunden lang über verschiedene Optionen diskutiert», sagt Kucher. Um sowohl die werdende Mutter als auch ihr Kind zu retten, will er eine medizinische Weltpremiere wagen: Das lebensgefährliche Gerinnsel soll ohne Röntgenstrahlen entfernt werden, denn diese können zu schweren Schäden am Embryo oder sogar zu dessen Tod führen. In der Frühschwangerschaft wurde dieses Verfahren noch nie angewandt.

Schlechte Sicht mit Ultraschall

Obwohl im Team auch Bedenken gegenüber dem Verfahren geäussert werden, setzt sich Kucher durch. «Gute Alternativen gabs keine und die Verantwortung und die Last lagen letztlich bei mir», sagt der erfahrene Angiologe. Er setzt den Ultraschall-Katheter zur Auflösung von Thrombosen seit 2011 ein, gibt aber zu: «Auch mir sass die Angst im Nacken.»

Am Dienstagmittag wird die Frau schliesslich operiert. «Gut geschlafen habe ich davor nicht», sagt Kucher. Doch während die Aufregung im Vorfeld gross war, sei er während des Eingriffs «relativ ruhig» geblieben. Heikle Momente gabs dennoch – vor allem wegen des Ultraschalls, dessen Bilder im Vergleich zu Röntgen-Bildern viel weniger genau sind. «Manchmal war ich unsicher, wo genau in der verstopften Vene sich der Katheter gerade befindet», erzählt der 50-Jährige.

Freude und Stolz

Doch am Ende gelingt die Mission: Nach insgesamt 15 Stunden Behandlung hat sich das Gerinnsel komplett aufgelöst und die junge Frau und ihr Ungeborenes sind über den Berg. «Die Dame und ihr Ehemann haben sich extrem gefreut und ich mich natürlich mit ihnen», sagt Kucher. Dass ihm eine medizinische Weltpremiere gelungen sei, mache ihn «auch ein bisschen stolz».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ms Sporty am 20.07.2017 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Herzliche Gratulation dem ganzem Team!! Was gute Ärzte täglich leisten ist wahnsinnig und da dürft ihr immer stolz sein! Das Gleiche gilt natürlich auch für das gesammte Pflegepersonal!!

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  • Werner am 20.07.2017 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Glückwunsch, ein Anderer hätte das gar nicht gewagt.

  • Amina123 am 20.07.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tolles ende

    super,das sind tolle news;) allen herzliche gratulation;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Juuuuzziii am 21.07.2017 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    wie kann man bei sowas nur daumen runter drücken unverständlich.... gratulation an den arzt. top

  • pflaster am 21.07.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    danke

    dieser Mensch von Beruf Arzt darf doch Stolz auf seine Leistung sein!!!! ich wäre auf jedenfall fü seinen Einsatz ein Lebenlang dankbar!! die Stänkerer und Besserwisser können sich ja ein Pflaster auf die Trombose kleben!!!

  • Der Angiologe am 21.07.2017 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierigkeit

    Wo war die Schwierigkeit? Tagtäglich wetden Venen mit US punktiert und Fühtungsdraht oder Sonde eingeführt. WELTWEIT! Theater für nichts!

  • Strohmann am 21.07.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    15 Stunden Stress

    15 Stunden hoch konzentriert zu Arbeiten, mit dem Wissen im Hinterkopf zwei Menschenleben zu verantworten ist bestimmt nicht jedem gegeben, um so grösser mein Respekt. Grossartige Leistung.

  • Lotti am 21.07.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    MEGA Leistung!

    Einfach TOP..!!! Vielen DANK dafür!!!!