Gestank in Laupen BE

17. August 2016 05:41; Akt: 17.08.2016 08:39 Print

«Wegen den Fahrenden kann ich nicht lüften»

Fahrende aus Frankreich sorgen im Kanton Bern für Ärger. Sie entsorgen Abfälle und verrichten ihre Notdurft im Freien.

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Rund 25 Wohnwagen mit ausländischen Fahrenden campieren zurzeit in Laupen.

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Gleich an zwei Orten im Kanton Bern haben sich in diesen Tagen französische Fahrende niedergelassen. Anwohner in Laupen und in Radelfingen berichten von rasenden Autos, stinkendem Müll und von Freiluft-WCs. Die Fahrenden verrichten ihr grosses und kleines Geschäft nämlich unter freiem Himmel – und zwar in Maisfeldern oder im Wald.

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Rund 130 Wohnwagen sind zurzeit auf der Radelfinger Au stationiert, wie die «Berner Zeitung» schreibt. Die Gemeinde konnte inzwischen die zu schnell fahrenden Autos und den liegen gebliebenen Müll eingrenzen. Doch bei der Notdurft scheiden sich die Geister: Ein Teil der Fahrenden weigert sich laut Gemeindepräsident Urs Martin Kuhn, die mobilen WC-Anlagen zu benutzen, die die Gemeinde bereitstellt.

Nach zwei Wochen zurückgekehrt

Auch in Laupen haben sich ausländische Fahrende mit über 25 Wohnwagen niedergelassen. Zum zweiten Mal, denn schon Ende Juli haben sie sich auf dem Feld stationiert. «Sie fühlten sich letztes Mal wahrscheinlich so wohl, dass sie jetzt wieder kommen», meint eine Leser-Reporterin. Laut einem Anwohner gibt es auch hier Probleme mit dem Gestank: «Wegen den Fahrenden kann ich nicht mehr lüften.» Inzwischen seien entlang der Strasse Abfallsäcke verteilt worden, doch gegen die Freiluft-WCs würden die Behörden nichts unternehmen.

Hinzu kommt, dass die Fahrenden diesmal keine Bewilligung haben. «Man muss jedes Mal wieder mit ihnen verhandeln und hoffen, dass sie nach einer kurzen Zeit weiterziehen», sagt Andreas Staender, Präsident der Burgergemeinde Laupen – die Grundbesitzerin – zu 20 Minuten. Das habe man auch in diesem Fall gemacht: Die Fahrenden wollen das Gelände bis am Wochenende verlassen.

Auch Schweizer Fahrende betroffen

Die Negativ-Schlagzeilen schaden auch den Schweizer Fahrenden, wie Mike Gerzner, Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden, gegenüber 20 Minuten sagt: «Wir werden oft gleich wieder weggeschickt, wenn wir für einen Platz fragen.» Auch die Vorurteile seien gewachsen: «Leute bewerfen unsere Wohnwagen mit Steinen und rufen ‹Haut ab, ihr Zigeuner›.» Die Leute, die sie schon länger kennen, würden sie aber freundlich behandeln: «Sie wissen ja, dass wir uns an die Regeln halten und alles sauber hinterlassen.»

Strengere Regeln für Transitfahrende

Gerzner wünscht sich, dass die Behörden bei Transitfahrenden härter durchgreifen: «Sie sollten das Gewerbepatent nicht so einfach erhalten.» Auch unbewilligte Wohnwagen-Lager sollten schneller geräumt werden, so wie in den Kantonen Genf oder Tessin. «Die Schweizer Politiker zögern aber aus Angst, als Rassisten dargestellt zu werden.»

Den Bauern empfiehlt Gerzner, zur Sicherheit ein Depot pro Wohnwagen zu verlangen. «Die Platzmiete deckt sonst die zusätzlichen Kosten nicht.» An eine Beruhigung der Lage glaubt er aber nicht: «Zurzeit sind ungefähr 15'000 Wohnwagen in der Schweiz, und es werden noch viel mehr kommen.» Daran würde auch ein Transitplatz in Meinisberg nichts ändern.

(kaf)