2. Chance auf 1. Ausbildung

11. Januar 2018 05:50; Akt: 11.01.2018 05:50 Print

«Ohne Diplom kommt man in der Schweiz nicht weit»

von Annina Häusli - Eine Stiftung ermöglicht es 50 Erwachsenen im Kanton Bern, eine Erstausbildung abzuschliessen. Valérie Clerc (39) hat beim Pilotversuch mitgemacht.

Valerie Clerc erzählt, wie ihr das Projekt geholfen hat. (Video: aha)
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Nach einem erfolgreichen Pilotversuch geht das Projekt 2. Chance auf eine 1. Ausbildung in die zweite Runde. Die Stanley Thomas Johnson Stiftung bietet mit Unterstützung des Kantons Bern 50 Erwachsenen die Möglichkeit, eine Erstausbildung zu absolvieren und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Nach der Schule andere Pläne

Valérie Clerc ist eine der Erwachsenen, die am 2016 lancierten Pilotprojekt teilgenommen hat. Dank der Stiftung kann sie nun eine kaufmännische Ausbildung mit einem Diplom abschliessen. «Ohne die finanzielle und auch organisatorische Unterstützung durch die Stiftung hätte ich keine Erstausbildung absolvieren können», ist die 39-Jährige sicher.

«Für mich kam eine Lehre nach Abschluss der 9. Klasse einfach nicht in Frage», erinnert sich Clerc, als 20 Minuten sie an ihrem Arbeitsplatz, dem Alterszentrum Domicil Baumgarten in Bümpliz trifft. «Ich habe damals die Chance bekommen, in den USA Hunde auszubilden und diese ohne zu zögern gepackt.» Ganz ausgewandert sei sie aber nie – wegen dem Visum sei sie immer wieder zurück in die Schweiz gekommen.

Vielseitig begabt und interessiert

Sie habe viele verschiedene Dinge in ihrem Leben gemacht, so Clerc: Als kaufmännische Angestellte in einem Übersetzungsbüro, Pferdeimporteurin und -verkäuferin, Fotografin und als selbstständige Unternehmerin habe sie bereits gearbeitet. «Jetzt weiss ich aber, dass ich als Sozialpädagogin arbeiten will», erklärt Clerc. Für ihre Wunschausbildung aber braucht sie erst einen Abschluss. «Da spielt es keine Rolle, was ich bisher geleistet habe», bedauert Clerc. «Ohne Diplom kommt man in der Schweiz nicht weit.»

Valérie Clerc hat drei Kinder im Schulalter. «Da können wir es uns nicht einfach leisten, dass ich nichts oder nur einen Lehrlingslohn verdiene.» Genau deshalb sei sie über die finanzielle Unterstützung der Thomas Stanley Johnson Stiftung sehr froh: «So kann ich mich voll auf meine Ausbildung fokussieren.»

Es braucht Motivation und Durchhaltewillen

Dank der Stiftung hat sie ein kaufmännisches Praktikum gefunden, mit dem sie sich auf die KV-Abschlussprüfung vorbereiten kann. Daneben besucht sie an drei Tagen pro Woche die Berufsschule. «Ich kann jedem nur empfehlen, sich zu bewerben. Ich hatte selbst nicht damit gerechnet, ausgewählt zu werden, doch wenn man motiviert ist, endlich ein Diplom in den Händen halten zu wollen, dann hilft dieses Projekt ungemein», so Clerc.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 11.01.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Es sollte in der schweiz mehr unterstützung für ausbildungen für erwachsene geben.

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  • Pendler am 11.01.2018 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Hut ab! Wünsch Ihnen und den anderen Teilnehmern viel Audauer und Glück.

  • Anna am 11.01.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Unterstützung für Junge

    Es sollte in der Schweiz mehr Unterstützung für junge Erwachsene geben;) Stipendiengesetz wurde geändert nun hat man null Chancen auf Stipendien. Meine Eltern sind Bauern und verdienen kaum etwas aber weil sie ja Land benötigen wird das dem Eigentum angerechnet und demnach byebye Stipendien! Danke das ich an jedem Wochenende und in jedene Ferien (die ganzen) Arbeiten darf für 17.- nur damit ich mir meine Ausbildung leisten kann. Also kümmern sie sich lieber darum bzw. machen sie einen Bericht dazu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eagle One am 12.01.2018 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alleine

    @Anna Sie sind bei weitem nicht die Einzige welche sich die Ausbildung mit Arbeit selber verdienen muss. Es ist Pech wenn man keine reichen Eltern hat (hatte ich auch nicht, musste auch arbeiten). Aber im späteren Leben wird Ihnen auch nichts geschenkt und da können Sie davon profitieren dass Sie bereits wissen was anpacken und unter Belastung Leistung erbringen heisst.

  • Bürogumi am 12.01.2018 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Diplom und ????

    Ich bin für ein Diplom. ab er der Vorgesetzte hat keines....Was nun? Nun muss ich dem das näher bringen, hat mehr Lohn und sagt wie es weiter geht....... Ergebnis mich muss wohl die stelle Kündigen. Und nun ...????

    • U.G am 12.01.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bürogumi

      Sie haben ja ein Diplom, dann haben Sie kein Problem eine neue Stelle zu finden, und Berufserfahrung bringen Sie sicher auch mit. Übrigens, ich habe beides.

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  • Martin am 12.01.2018 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Manchmal verhältnisblöd

    Das Verrückte ist ja in der Schweiz, dass Personen die langjährige Erfahrungen in einem Beruf ( meist im sozialen Umfeld) haben, aber keinen Abschluss vorweisen können heute ersetzt werden mit Studienabgänger( heute "studiert" man ja Sozialarbeiter etc) ohne Erfahrung und nichts - Hurra aber mit einem Abschluss - ganz wichtig! Da pfeiff ich auf den Abschluss und würde lieber die erfahrene MitarbeiterIn behalten - ohne Abschluss!

  • Bürger am 11.01.2018 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    lernen kann man viel

    Wenn jemand gut arbeitet und nicht nur im Büroo sitzen will, dann stelle ich auch ein ohne Diplom. Die meisten die ein Diplom besitzen wollen nur im Büroo sitzen und viel verdienen. Jemand der wirklich körperlich arbeiten will und noch das Büroo macht findet man kaum. Eine Ausbildung ist nicht immer eine Garantie das man die Fachkraft auch brauchen kann.

  • hoffnung am 11.01.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ausweiten auf alle Kantone!

    Es wäre super, wenn das Projekt auf alle Kantone ausgeweitet wird, nachdem das Pilotprojekt durch ist. Nützt mir/uns zwar dann nichts mehr, aber andere könnten davon profitieren. Mein Freund macht jetzt als Erwachsener eine Berufsausbildung, da er seine erste Ausbildung nicht abgeschlossen hat und seither nur kleine Jobs als Hilfsarbeiter hatte. Mit einem Lehrlingslohn kann man schlicht nicht leben und ist auf andere angewiesen.