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05. November 2012 11:02; Akt: 05.11.2012 11:03 Print

Bern zieht die Lehren aus dem Fall Kneubühl

Als 2010 in Biel der Rentner Peter Hans Kneubühl einen Polizisten schwer verletzte, stand die Berner Polizei in keinem guten Licht da. Jetzt will sie ihren Informationsaustausch verbessern.

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Neun Tage lang hielt der Amokrentner Peter Hans Kneubühl im September 2010 Biel in Atem. Er wurde dem Amok-Rentner zum Verhängnis: Diensthund Faro steht im Sold der Kapo Basel-Land und stellte Peter K. im Morgengrauen des 17. September 2010. Dem Gemüsebeet im unteren Bildrand entlang ging Peter, als die Polizei eintraf. Die Polizisten verfolgten ihn. Dann liess der Hundeführer Faro los. Als der Hund Peter K. stellte, liess er sich widerstandslos festnehmen. Er wurde durch den Hundebiss leicht verletzt, war aber ansonsten in guter gesundheitlicher Verfassung. Die Fähnchen zeigen den Weg von Peter K. Wollte er sich im Gemüsefeld gerade sein Frühstück holen? Die Stelle befindet sich am Waldrand, nur 15 Minuten von der Taubenlochschlucht entfernt am Rand der Stadt Biel. Seither sitzt der berühmteste Rentner von Biel im Regionalgefängnis in Untersuchungshaft. Noch am Vortag war die Polizei einem Hinweis aus Pieterlen BE nachgegangen. Mit Hunden jagten sie über ein Feld in Richtung Schrebergärten. Ausgangspunkt war offenbar das Altersheim in Pieterlen. Am Nachmittag des 16. September, kurz vor drei Uhr, waren dort Kastenwagen vorgefahren. Im Altersheim soll eine Tante des Amok-Rentners wohnen, erzählten Anwohner. Die Kapo Bern veröffentlichte am 13. September ein neues Foto, das dem bisherigen nicht gerade ähnlich sieht. Ein zweites, neu veröffentlichtes Bild zeigt den 67-Jährigen als Heimwerker. Bisher stellte sich die Kapo Bern Peter K. so vor. Sie hatte ein Bild aus den 80er-Jahren künstlich altern lassen. Doch das Bild zeigte den Vater von Peter K. «Peter, bitte melde dich»: Mit diesen Flugblättern versuchte die Kapo Bern, Kontakt mit Peter K. herzustellen. Die Polizei warf diese am Montag in der Region Biel aus Kleinflugzeugen. Peter K. fand auch Anhänger: Am Montag, 13. September demonstrierten rund 20 Personen für Peter K. und forderten einen «Notausgang» für den Rentner. Während Peter K.s Flucht bewachten ununterbrochen Polizisten das Lindenquartier in Biel. Die Schule blieb geschlossen. Denn laut Gerüchten von Anwohnern soll er in der Nacht auf Sonntag, 12. September zum zweiten Mal bei seinem Haus aufgetaucht sein. Vermutungen wurden auch laut, Peter K. habe ein unterirdisches Gangsystem gebaut. Mit Spezialgeräten suchte die Polizei darum nach Hohlräumen. In der Nacht auf Donnerstag, 8. September 2010 war Peter K. aus dem Haus am Mon-Désirweg in Biel geflohen, nachdem er sich dort über 20 Stunden verschanzt hatte. Das Haus war in einem ungepflegten Zustand: Der Garten war verwildert, ... ... das Garagentor beschädigt. Peter K. soll das Haus seit einem Jahr kaum verlassen haben. Es soll aber im Mittelpunkt des Dramas stehen: Nach Informationen der Behörden sollte das Haus im Bieler Lindenquartier zwangsversteigert werden. In der Folge hatte sich der 67-Jährige am Mittwoch vor dem ersten Besichtigungstermin darin mit seinem Gewehr verschanzt. Die Polizei hatte versucht, mit Peter K. zu sprechen. Mehrere Polizeifahrzeuge, eine Ambulanz und Feuerwehrleute waren aufgefahren. Doch Peter K. war nicht bereit zum Gespräch: Er verbarrikadierte sich im Haus ... ... die Polizei rückte deshalb mit einem Grossaufgebot an. Die Beamten umstellten das Wohnhaus. 40 Personen mussten aus dem Quartier evakuiert werden oder konnten nicht nach Hause gehen. In der Nacht auf Mittwoch eskalierte die Situation: Peter K. schoss mehrmals auf Polizisten und verletzte einen Beamten schwer - obwohl dieser eine schusssichere Weste trug. Derweil entwich der Rentner - unbemerkt. Die Polizei bemerkte anscheinend erst gegen Mittag, dass der Senior geflohen war. Die Polizei weitete in der Folge das Suchgebiet aus. (Bild der Berner Kantonspolizei zur Verfügung gestellt) Ein Armeehelikopter kreiste über Biel mit Wärmebildkamera. Der naheliegende Wald wurde genauso zum Zielgebiet wie Büren an der Aare. Dutzende Mitglieder von Spezialeinheiten aus der ganzen Schweiz standen im Einsatz. Doch Peter K. ist weiterhin flüchtig und «mit einem Gewehr bewaffnet und gefährlich», meinte François Gaudy, Polizeichef der Region Berner Jura/Seeland, an einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag. Die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein, Gaudy mahnte allerdings zur Vorsicht. Im Verlauf des Donnerstags suchte die Polizei an Bushaltestellen, ... ... in Parks, ... ... in Gärten, ... ... an Quartierstrassen und am Bahnhof in Biel nach dem Rentner. Das gesamte Lindequartier wurde am Donnerstagmorgen 9. September abgeriegelt und die Schule geschlossen. Eine landesweite Fahndung wurde ausgelöst: Dennoch konnte Peter K. in der Nacht auf Samstag, 11. September nochmals zurückkehren, erneut auf Beamte schiessen und wieder abtauchen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mängel beim Informationsfluss unter Behörden trugen dazu bei, dass 2010 in Biel der Rentner Peter Hans Kneubühl auf einen Polizisten schoss und diesen schwer verletzte. Nun legt der Kanton Bern seinen Angestellten ein Handbuch für besseren Informationsaustausch vor.

Der bernische Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektor Christoph Neuhaus sagte am Montag an einer Medienkonferenz in Bern, das Handbuch solle für die Angestellten eine unkomplizierte Hilfe bei Unsicherheiten sein. Gut 160 Seiten stark ist das Werk, dessen Empfehlungen laut Neuhaus Vorgaben des Datenschutzes einhalten.

Nicht durchgehend optimal gegenseitig informiert

Verfasst haben das Handbuch dieselben Fachleute, welche seinerzeit den Informationsfluss zwischen den Behörden im Fall Kneubühl untersuchten. Es handelt sich um die Juristen Ueli Friederich und Martin Buchli.

Sie hielten im Februar 2011 in ihrem Bericht zum Informationsaustausch im Fall Kneubühl fest, die Behörden hätten damals nicht durchgehend optimal gegenseitig informiert. Rechtliche Verfehlungen stellten sie aber keine fest.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Rohrer am 05.11.2012 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Politik hat versagt.

    Es sind die Politikvorsteher, welche die hohen Steuergagen kassieren, und Fehlentscheide treffen. Die kleinen Beamten müssen dafür herhalten.

  • Frida Freude am 05.11.2012 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Staatspolizei

    Zwei Jahre braucht es, bis die Behörden in Biel wach werden? Biel ist ein Verbrecherloch und das wird von jedem Polizist der dort arbeiten muss bestätigt. Warum haben wir noch keine Staatspolizei, die diesen Leuten den Gar aus macht?

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  • bieler am 05.11.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Pesche

    Alkohol wegnehmen und Buszetel verteilen können sie aber einen Rentner verfahter nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ehrlicher Schweizerbürger am 05.11.2012 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ordnung brauct auch Härte

    Die Polizei der CH kann von ihren US-Kollegen noch sehr viel lernen, was den Umgang mit renitenten Personen angeht. Dort wird EINMAL halt Polizei gerufen. Bleibt das ohne Wirkung, wird der Befehl mit allen Mitteln durchgesetzt. Das weiss jeder Bürger und verhält sich entsprechend. Dort hat die Polizei noch den Respekt der Bevölkerung, nicht wie in der CH. In den USA gibt es keine linken Krawallveranstaltungen oder eine Reitschule. Solche Randalzentren werden beim ersten mal nachhaltig geschlossen und die Täter für länger eingebuchtet. Das sollte sich die Behörde zu Herzen nehmen.

    • thurgauer am 05.11.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

      Kosten ...

      Aber Dir ist schon klar dass 'länger eingebuchtet' nicht gerade ein Sonderangebot ist ? Und nachher weinst Du wegen der Steuerfuss-Erhöhung ...

    • Schiesseisen am 05.11.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Wildwest? Dead or Alive?

      Ich bin zwar auch dafür, dass man (teilweise) etwas härter durchgreift. Z.B. bei den Fussball-Randalen, Kriminaltouristen und den Problemen im Asylbereich. Was aber der Fall Kneubühl mit der Reitschule zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Bei der Reitschule gibt es zwar wirklich (viel) Potenzial für Verbesserungen, aber ich glaube kaum, dass man mit Gewalt viel erreicht. AJZ in den 80ern lässt grüssen. Was die USA angeht: Wenn sie schon mal drüben gewesen wären (ich war es!), dann würden sie kaum so einen Stuss schreiben. Kriminalität ohne Ende und das obwohl jeder mit der Knarre rumläuft.

    • Christoph Geiser am 05.11.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte nicht so einseitig

      Das führt dann dazu, dass Polizisten mit Maschinengewehrsalven empfangen werden und sich jeder Kleinkriminelle versucht den Weg frei zu schiessen. Nebenbei, es werden auch in den USA häufiger Personen freigesprochen die auf Polizisten geschossen haben, weil sie eben unzurechnungsfähig sind.

    • a. meise am 05.11.2012 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      every picture tells a story:

      ich bin gegen die todesstrafe...!

    • Markus am 05.11.2012 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Fehlende Rechtsgrundlage

      Ich stimme ihnen voll zu. Leider steht hier das Gesetz nicht hinter dem Polizisten...

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  • P. Rohrer am 05.11.2012 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Politik hat versagt.

    Es sind die Politikvorsteher, welche die hohen Steuergagen kassieren, und Fehlentscheide treffen. Die kleinen Beamten müssen dafür herhalten.

  • bieler am 05.11.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Pesche

    Alkohol wegnehmen und Buszetel verteilen können sie aber einen Rentner verfahter nicht.

    • Berner am 05.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ Bieler

      Sinnfreier Kommentar vom ersten bis zum letzten Buchstaben!

    • justizia am 05.11.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      ich weiss...

      ..ob sie keine zeitungen lesen und/oder nicht tv gucken. aber der rentner, wie sie ihn so lapidar nennen, wurde verhaftet. ihr umfeld muss sie falsch informiert haben, wenn sie diese falschmeldung von da haben...

    • Nicht-Bieler am 05.11.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      Biel brennt!

      Und die Brandstifter in Biel endlich mal einbuchten können sie auch nicht. Dafür verbrennen sie in Biel aber gerne Steuergelder mit dem Helikopter und schauen auf jedem Balkon nach, ob alle Pflänzchen in den Töpfen auch wirklich legal sind.

    • bieler am 06.11.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      @ Berner und Justizia

      Klar die Polizei hat in mit hilfe eines Hundes am schluss gepackt aber schaut euch wie lange sie dafür brauchten.

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  • Frida Freude am 05.11.2012 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Staatspolizei

    Zwei Jahre braucht es, bis die Behörden in Biel wach werden? Biel ist ein Verbrecherloch und das wird von jedem Polizist der dort arbeiten muss bestätigt. Warum haben wir noch keine Staatspolizei, die diesen Leuten den Gar aus macht?

    • polizeispitzel am 05.11.2012 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      polizeistaat:

      es wurden keine rechtlichen verfehlungen festgestellt.

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