BernARTiner

07. Juli 2017 05:41; Akt: 07.07.2017 05:41 Print

Für Kunsthund musste teure Vase dran glauben

Die BernARTiner haben die Stadt Bern eingenommen. Seit dieser Woche warten 102 Plastiken darauf, entdeckt zu werden – hinter einigen stecken erstaunliche Geschichten.

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102 Hundestatuen stehen seit Anfang Monat auf dem Gebiet der Stadt Bern. Die sogenannten BernARTiner wurden alle individuell gestalteten – von namhaften Künstlern oder Privatpersonen. Einige der Plastiken stechen besonders ins Auge, etwa der BernARTiner vom Beauty-Geschäft Aerni. Im hauseigenen Coiffeursalon wurden Kundenhaare gesammelt und verwertet. Die Blindenschule Zollikofen hat ebenfalls eine Statue gestaltet – speziell mit Reliefs, damit sie auch für Sehbehinderte Personen spannend ist. Ein ganz besonderer Bernhardiner steht vor der Berner Tierklinik im Länggasse-Quartier. Mirjam Gasser aus Gümligen hat ihn für das Tierspital mit unzähligen Keramik-Scherben überzogen. Für das Kunstwerk hat sie auch antike Keramik aus China verwendet. «In einem antiken Porzellanladen in Peking habe ich eine grosse alte Vase gefunden», so die Künstlerin. Die Antiquität sei weiss-rosa gewesen und mit Kobaldblau und Blattgold verziert gewesen. Noch im Laden fragte sie den Mann für einen kleinen Hammer oder etwas ähnlichem: «Als ich die alte Vase vor seinen Augen in zwei Hälften schlug, kriegte er fast die Krise.» Die Frau aus Gümligen hat auch für den FC Muri einen Hund gestaltet. Dafür hat sie etliche Spielerporträts verarbeitet. Die BernARTiner werden noch bis 30. September auf dem gesamten Stadtgebiet ausgestellt. Die Standorte finden sich etwa in der App «BernARTiner». Am 18. Oktober sollen einige der Plastiken unter den Hammer kommen. Der Erlös der Auktion kommt diversen Stiftungen zugute, darunter ist etwa auch die Fondation Barry.

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Ob beim Loeb Eggä, im Marzilli oder an der Kramgasse: Sie stehen seit dieser Woche auf dem gesamten Stadtgebiet an jeder Ecke. Die Rede ist von den BernARTiner. 102 Hundeplastiken sind es, die von Privatpersonen und Unternehmen erworben und selber oder von engagierten Künstlern gestaltet wurden. Darunter finden sich Kuriositäten, wie etwa BerARTiner Nr. 29 vom Beauty-Geschäft Aerni. Die Plastik wurde mit den abgeschnittenen Haaren von Kunden dekoriert.

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Ein ganz kostbarer Bernhardiner steht vor der Berner Tierklinik im Länggasse-Quartier. Mirjam Gasser aus Gümligen hat ihn für das Tierspital mit unzähligen Keramik-Scherben überzogen. Sie habe jedoch nicht irgendwelches Prozellan verwendet, sagt die Künstlerin: «Ich benutzte nur teure Keramik wie Meissen oder Rosenthal.» Auch kaufe sie oft antike Porzellanware in Asien. Gut verarbeitetes Keramik eigne sich deutlich besser zum Brechen und Weiterverarbeiten.

800-Franken-Vase zerschlagen

Für Bernhardiner Artobello – so der Name der Plastik – habe sie extra auch Keramik in China gekauft: «In einem antiken Porzellanladen in Peking habe ich eine grosse alte Vase gefunden.» Die Antiquität sei weiss-rosa gewesen und mit Kobaldblau und Blattgold verziert gewesen. «Sie war perfekt für das Kunstwerk, kostete jedoch 1'000 Franken», sagt die 46-Jährige. Mit viel Mühe habe Sie den Verkäufer auf 800 Franken herunter gehandelt. Noch im Laden fragte sie den Mann für einen kleinen Hammer oder etwas ähnlichem: «Als ich die alte Vase vor seinen Augen in zwei Hälften schlug, kriegte er fast die Krise. Er verstand die Welt nicht mehr.» Doch für ihr Kunstwerk sei dies eben nötig gewesen.

Sie habe dem Verkäufer dann vorsichtig den Hintergrund erklärt: «Er war begeistert. Der Laden hat mir sogar noch weiteres, altes Porzellan geschenkt, dass beim Transport oder im Laden in die Brüche gegangen war.»

Mit dem Endresultat ist Gasser sehr zufrieden: «Ich wollte einen hellen, farbigen Hund machen und das ist er geworden.» Die Vase aus Peking habe sich gut dafür geeignet: «Besonders gut gefallen mir etwa seine goldenen Tatzen, aber auch die vielen Blumenmuster – es ist ja schliesslich ein Berghund.»

Versteigerung für den guten Zweck

Die BernARTiner werden noch bis 30. September auf dem gesamten Stadtgebiet ausgestellt. Sämtliche Standorte finden Sie hier oder über die App «BernARTiner». Am 18. Oktober sollen einige der Plastiken unter den Hammer kommen. Der Erlös der Auktion kommt diversen Stiftungen zugute.


(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MikeMike am 07.07.2017 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissen

    Die unwissende Dame hätte die Vase auch aus Respekt daheim zerbrechen können. Keine Ahnung von asiatischer Kultur. So etwas geht garnicht und spiegelt die Dekadenz unserer Gesellschaft wieder. Die haben zuviel Geld.

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  • Fabian am 07.07.2017 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst ist nicht was Künstler meinen

    ...und sie ist auch noch stolz auf ihre "Idee" eine u.U. Jahrhundertealte Vase zu zerstören, um daraus "Kunst" zu machen.. was Künstler alles so meinen tun zu müssen.

  • Jürg k am 07.07.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Die gute Dame denkt, dass sie eine....

    ....Antiquität zerschlagen hat. In Peking dürfte es wohl fast unmöglich sein, als Tourist eine wirklich antike Vase zu kaufen, da der Export solcher Sachen verboten ist. Abgeshen davon wäre auch die Zerstörung strengstens verboten und das ist auch gut so. Wo kommen wir denn hin, wenn doofe Künstler es als Kunst bezeichnen die Kunst von anderen zu zerstören. Bei uns wohl leider erlaubt. Aber das machts nicht intelligenter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Könitzer am 07.07.2017 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Optische Verschandelung

    Das ist nicht Kunst. Diese Hundeaktion ist unnötiger Sauglattismus...

  • Unverständiger am 07.07.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Kunst?

    In dem Fall hat der IS auch Kunst gemacht, als er Kulturstätten zerstörte?

  • René Maeder am 07.07.2017 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich, peinlich

    Irgendwie nur peinlich, was da in Bern abgeht. Vor 31 Jahren hatte man in Zürich die Idee mit den individuell gestalteten Löwen in den Strassen der Stadt. Andere Städte zogen mit anderen Sujets nach. Und nun kommt also noch die Stadt Bern wie die alte Fasnacht hinterher und stellt BernARTiner auf. Wenn ja etwas zu Bern passen würde, wären es Bären. Aber auch für die Bären wäre es reichlich spät. Die Idee ist längstens gegessen. Es ist nur peinlich und zum Fremdschämen.

    • Teddybär am 08.07.2017 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @René Maeder

      Danke für den guten Rat aus Züri. Darauf sind wir Bärner Mutze wirklich noch nicht von selbst gekommen. Ich werde diese Superidee gleich an den Stapi weiterleiten. Allerdings kann ich noch nicht ganz nachvollziehen was ein Bäri mit dem Barry zu haben soll. PS: Der erste Barry steht bei den Bärnern im Museum.

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  • Tobi am 07.07.2017 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Standort hinterfragt

    Steht der Blindenhund auf einem Dach? Toll hat er Reliefs für Blinde, können ja auf das Dach kletern und ertasten...

    • Funkelohr am 08.07.2017 03:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tobi

      Das ist nicht ein Blindenführhund und auch. kein blinder Hund sondern ein lässiger Hund mit Sonnenbrille, pinkem Fell und Glitzerohren. Und ja, er sitzt mit ein paar Kollegen auf einem Dächli auf welches weder Blinde noch Herr und Frau Berner kommen sondern nur der Fotograf.

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  • Travelin am 07.07.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Respektlosigkeit

    Für die Kunst ist nicht zu teuer, und was die alten Chinesen konnten, kann die Dame viel besser.