Interview mit Geschäftspartner

11. Oktober 2017 23:04; Akt: 20.10.2017 14:26 Print

Darum kam Gurlitts Sammlung nach Bern

Lange hüllte sich Eberhard Kornfeld, ein Geschäftspartner von Cornelius Gurlitt, in Schweigen. Jetzt gab er erstmals ein Interview.

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Bisher war offen, warum der verstorbene deutsche Kunstsammler Cornelius Gurlitt seine mit Raubkunstverdacht behaftete Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermachte. Bekannt ist, dass Gurlitt eine Geschäftsbeziehung zum Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld unterhielt.

In einem raren Interview äusserte sich Kornfeld nun zu dieser Beziehung. Er habe Gurlitt Anfang der 1980-er Jahre kennen gelernt, sagte Kornfeld gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens SRF am Mittwoch. Gurlitt habe angefragt, ob Kornfeld einige Werke entarteter Kunst in die Auktion aufnehmen würde. Er sei nach München gereist und habe Gurlitt kennen gelernt. Daraufhin ist eine erste Auswahl an Grafikblättern zu Kornfeld gelangt, wie dieser im Interview erzählt.

Kornfeld beschrieb den Deutschen als bescheiden und sehr höflich. Er habe in München aber nie den ganzen Bestand sehen können, immer nur einzelne Werke. Von dem was man gesehen habe, seien die Werke in der Wohnung gut in Racks und Mappen aufbewahrt worden.

«Interessiert an Bern»

Gurlitt sei auch immer wieder in Bern gewesen. «Wir waren verschiedentlich im (Kunst-)Museum. Wir waren auch im Münster, in der Altstadt. Er war sehr interessiert an Bern», führte Kornfeld aus.

Der Deutsche Sammler habe jeweils den Erlös aus dem Verkäufen in Bern abgeholt. «Wir haben ihn meistens mit einem Check entschädigt oder ihn auch bar ausbezahlt», erinnerte sich Kornfeld. Aller Wahrscheinlichkeit nach habe Gurlitt mit diesen Erträgen ein Konto in Zürich eingerichtet. Alle paar Wochen sei er nach Zürich gereist und habe dann Geld abgeholt, um sein tägliches Leben zu bestreiten.

Dass Kornfeld einen nicht unwesentlichen Anteil an Gurlitts Testaments-Entscheid hatte, beurteilt der Berner Kunsthändler mit grosser Zurückhaltung. Er würde dies nicht überbetonen, sagte er im Interview. Gurlitt sei von Deutschland dermassen behandelt worden, dass er wohl primär im Kopf gehabt habe, dass seine Sammlung nicht dortbleiben sollte.

Das überraschende Vermächtnis an das Kunstmuseum Bern sei eine Konsequenz von Gurlitts Beziehungsnetz und von historischen Kontinuitäten, kamen die drei Berner Journalisten Oliver Meier, Michael Feller und Stefanie Christ in einem im März erschienenen Buch «Der Gurlitt-Komplex» zum Schluss.

Nicht nur der der Berner Kunsthändler Eberhard W. Kornfeld und sein Vorgänger August Klipstein pflegten im 20. Jahrhundert enge Geschäftskontakte zur Familie Gurlitt, ebenso der Kunsthändler Roman Norbert Ketterer. Die Beziehungen von Gurlitt zur Schweiz und insbesondere zu Bern seien viel enger als bisher angenommen.

Werke in Bern zu sehen

Bei einer Polizeiaktion kamen 2012 in Gurlitts Wohnung rund 1500 Kunstwerke zum Vorschein. Viele davon waren Werke, die von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt wurden. Die Polizei beschlagnahmte die Bilder.

Als der Vorfall publik wurde, überschlug sich die Weltpresse zunächst und sprach von milliardenschweren Kunstschätzen, die gefunden worden seien. Später wurden diese Zahlen deutlich nach unten korrigiert. Viele Werke der Sammlung sind Papierwerke, teure Ölgemälde gibt es nur wenige.

Zusammengetragen hatte die Werke Gurlitts Vater, ein von den Nationalsozialisten beauftragter Kunsthändler. Die Sammlung ist deshalb teilweise auch mit Raubkunstverdacht behaftet. Vor seinem Tod im Jahr 2014 vermachte Sohn Cornelius die historisch belastete Sammlung überraschend dem Kunstmuseum Bern. Seither wird die Herkunft der Bilder erforscht. Raubkunst soll an die rechtmässigen Besitzer oder deren Erben zurückgegeben werden.

Nach einem längeren Erbstreit mit Gurlitt-Verwandten wurde das Kunstmuseum Bern letzten Dezember als Alleinerbin bestätigt.

Bereits Anfang November wird eine Auswahl von Werken aus dem Gurlitt-Nachlass vom Kunstmuseum Bern an einer gemeinsamen Ausstellung mit der Bundeskunsthalle in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 12.10.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, das ist mal Journalismus

    Was soll der Titel? Es reicht eigentlich, einen Satz Eberhard Kornfelds aus dem Interview zu zitieren um herauszufinden, dass der Titel nichts als reisserisch ist: "Wieso er Bern gewählt hat, das weiss ich auch nicht."

  • P.G. Worb am 12.10.2017 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Streit wegen Macht und Geld

    Wir wandern durch historische Museen, bestaunen Folterkammern, Schwerter, Kanonen usw. Wieviel Blut klebt an diesen? Niemand macht sich gross Gedanken darüber. Diese Kunstsammlung von Herrn Gurlit ist wahr- scheinlich nicht ohne Makel, gebt denen zurüch was was ihren Vorfahren gestohlen wurde und am Rest soll sich die Allgemeinheit erfreuen (vor allem an der Kunst) Das Berner Museum ist übrigens auch für die Deutschen offen.

  • Heinz am 12.10.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alles zurück oder was

    On Kunst oder vergoldete Kath. Kirchen. Alle schauen sie an. Denn auch das Gold in den Kath. Kirchen ist Raubgold aus Südamerika. Lieber Papst wo bleibt da Dein Gewissen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Biberli aus Niedergösgen am 12.10.2017 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst

    In Gurlitts Besitz ist (oder war) ein wunderschönes Gemälde eine Frau, die darauf aussieht wie meine Liebesdienerin im Berner Oberland. Ich wollte dieses Bild früher einmal kaufen, für den damaligen Preis des Kunstwerkes habe ich aber gesagt: Für dieses Geld könnte ich mein Leben lang Ferien in einem ausgesuchten Freudenhaus machen.

  • Daniel am 12.10.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, das ist mal Journalismus

    Was soll der Titel? Es reicht eigentlich, einen Satz Eberhard Kornfelds aus dem Interview zu zitieren um herauszufinden, dass der Titel nichts als reisserisch ist: "Wieso er Bern gewählt hat, das weiss ich auch nicht."

  • Heinz am 12.10.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alles zurück oder was

    On Kunst oder vergoldete Kath. Kirchen. Alle schauen sie an. Denn auch das Gold in den Kath. Kirchen ist Raubgold aus Südamerika. Lieber Papst wo bleibt da Dein Gewissen?

  • P.G. Worb am 12.10.2017 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Streit wegen Macht und Geld

    Wir wandern durch historische Museen, bestaunen Folterkammern, Schwerter, Kanonen usw. Wieviel Blut klebt an diesen? Niemand macht sich gross Gedanken darüber. Diese Kunstsammlung von Herrn Gurlit ist wahr- scheinlich nicht ohne Makel, gebt denen zurüch was was ihren Vorfahren gestohlen wurde und am Rest soll sich die Allgemeinheit erfreuen (vor allem an der Kunst) Das Berner Museum ist übrigens auch für die Deutschen offen.

  • Synagoge am 12.10.2017 04:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haltlos

    Vielleicht sollte man als Schweizer stolz sein, dass diese Sammlung in die Schweiz kam! Mit der übertriebenen Raubkunst-Verfolgung sollte man endlich aufhören! Wir befinden uns 80 Jahre nach der Zeit, in der diese Verbrechen statt fanden! Die jetzigen Forderungen beruhen oft auf schwachen Füssen und sind nur möglich, weil die Beweislast zu Gunsten der "Opfer" immer nach unten korrigiert wurde. Es genügt heute, den möglichen "Unterdruck-Verkauf" zu präsentieren, was mit wirklicher Raubkunst herzlich wenig zu tun hat!