Bezahlte Tickets kamen nie

11. Juli 2017 05:44; Akt: 11.07.2017 05:55 Print

Treibt Ticket-Betrüger vor Gurten sein Unwesen?

von Mira Weingartner - Das Gurtenfestival beginnt am Mittwoch. Mindestens 20 Personen bibbern derzeit noch um ihre Eintrittskarten. Sie vermuten, auf einen Ticketbetrüger hineingefallen zu sein

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Weil sie einem zwielichtigen Berner Onlinehändler vertrauten, warten über 20 Personen teils schon seit Wochen auf Festivalpässe, die sie dem 36-jährigen Berner P.B.* auf Internetplattformen abgekauft haben. «Er hat seine Kundschaft um mehrere hundert, teils gar um über tausend Franken betrogen», weiss eine der Betroffenen.

Der mutmassliche Betrüger biete online angebliche Sponsoring-Tickets zum Weiterverkauf an. In einem Mail an eine Kundin, das 20 Minuten vorliegt, schrieb B.: «Die Tickets müssten im Voraus bezahlt werden, aber als Sicherheit schicke ich dir alle meine Daten und wenn du möchtest auch eine Passkopie von mir, damit du sicher sein kannst, dass auch alles klappt.» Damit weckte er Vertrauen. «Echt ein fairer Preis und cool, was die Sicherheit angeht», gab die junge Frau zurück und überwies P.B. prompt 229 Fr. plus Porto. Eine andere Frau überwies B. 1480 Fr.: «Er gab sich ja völlig transparent.»

Doch bald wurden die Käufer skeptisch: «Ich habe das Ticket noch nicht erhalten. Hast du mich vergessen?», schrieb ein wartender Kunde per Mail.

Opfer informieren sich via Whatsapp

Während die Käufer auf eine Antwort und die bezahlten Tagespässe warteten, wurde eine von B.'s Kundinnen aktiv. In der Facebook-Gruppe «Bärner Flohmi» suchte sie nach anderen Betroffenen. «Innert Kürze meldeten sich etliche Leute bei mir», so die Frau. Sie alle fühlten sich ausgenutzt. Einige hätten extra Ferien genommen, andere über längere Zeit für die Karten gespart – «dies, damit uns schliesslich einer beklaut», ärgern sie sich. In einer Whatsapp-Gruppe haben sich die Opfer nun zusammengeschlossen – und täglich kommen neue Mitglieder hinzu. Gemeinsam wollen sie B.P. zur Rechenschaft ziehen.

Händler: «Onlinehandel ist ein Risiko»

Bei der Kantonspolizei Bern sind bereits rund 15 Meldungen und Anzeigen zum Thema eingegangen: «Alle Personen gaben an, online über eine Privatperson Tickets bestellt und diese bezahlt, aber noch nicht erhalten zu haben», sagt Sprecherin Jolanda Egger. «Sobald solche Meldungen eingehen, tätigen wir Abklärungen und nehmen die nötigen Schritte vor.» Doch müsse man beachten, dass das Festival noch nicht vorbei sei und Tickets möglicherweise noch ausgehändigt würden.

20 Minuten hat Tickethändler P.B. kontaktiert. «Ich bin dran und suche nach Lösungen», so der Mann. Die Vorwürfe seiner Kunden weist er zurück. Er habe leider selber Probleme, die Tickets zu beschaffen. «Das Ticketgeschäft ist schwierig. Wer online bestellt, muss mit Risiken rechnen», so P.B. Er bemühe sich, entweder die Tickets noch rechtzeitig auszuhändigen oder das Geld zurückzuerstatten. Doch seine Kunden sind skeptisch: «Seine Versprechungen sind reine Hinhaltetaktik», vermutet ein Bekannter von B..

Händler ist bei Gurten-OK bekannt

Für die Organisatoren des Gurtenfestivals ist P.B. kein Unbekannter: «Schon in den Vorjahren bot P. Sponsoringtickets an, die er gar nie besessen hatte», sagt Sprecherin Jeannette Riesen. Sogar mit der Migros sei er deswegen schon in Clinch geraten. Man habe gegen den Mann vorzugehen versucht – «bislang ohne Erfolg, uns sind die Hände gebunden», sagt Riesen. Explizit vor P.B. warnen könne man die Festivalbesucher nicht. Man habe nun aber den Hinweis «Kaufe Tickets nur über die vom Gurtenfestival kommunizierten Kanäle» auf die Webseite hochgeladen. Auch die Polizei rät vor Betrügern im Internet zur Vorsicht.

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reef0 am 11.07.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betreibt den Betrüger!!

    Unbedingt Betreiben! Bin auch auf diesen Herrn reingefallen bei einem andrren Konzert!! Nachdem ich ihn betrieben habe, wurde das Geld zurückbezahlt.

  • der Student am 11.07.2017 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Wenn niemand Festival- und Konzerttickets auf irgendwelchen Auktionsportalen kaufen würde, gäbe es auch keinen Schwarzmarkt. Jeder der auf solchen Plattformen Tickets kauft ist selber Schuld und unterstützt Hehlerei!

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  • My Ticket am 11.07.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Ich staune immer wieder ab all den Leuten, welche sich abzocken lassen, obwohl doch hinlänglich bekannt ist, nur über offizielle Kanäle Tickets zu beziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz Gehrig am 11.07.2017 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe das nicht

    Und warum genau darf die Person nicht namentlich genannt werden? Und auch der Veranstalter darf nicht vor ihm warnen, warum?

    • M.Gissler am 12.07.2017 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Die unschuldigen werden beschuldigt.

      Hier wird man als Käufer beschuldigt und der eigentliche Verbrecher wird in Schutz genommen. Katastrophale Gesellschaft !

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  • M.W am 11.07.2017 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Perfider Ticket-Betrug

    Auch ich wurde von P.B perfid reingelegt. Ich habe bei Ihm einen 4-Tagespass fürs Gurtefestival für Fr. 255.00 gekauft. Das Ticket habe ich bis heute nicht erhalten und auf meine Zahlungsfrist ist er ebenfalls nicht eingegangen. Werde dies nun der Polizei melden. Solche fiese Gauner wie P.B müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

  • Mark am 11.07.2017 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Einzelfall

    Zum Glück es all diese Online-Plattformen; ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, egal ob als Käufer oder Verkäufer. Warum schreibt niemand wie sich dieser Typ auf Ricardo nennt? Als Verkäfuer würde ich niemals etwas anbieten, das nicht bei mir auf dem Tisch liegt - und als Käufer sehr vorsichtig sein, wenn einer schon Wochen oder Monate vor dem Event "Sponsorentickets" (auf gut Glück) anbietet. Simple as that.

  • Lisa Arnold am 11.07.2017 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Bin auch auf ihn reingefallen

    Ich habe das Geld nach ca. 4 Monaten von ihm zurückerhalten (zumindest ein Teil) leider nur durch Betreibung. Habe die Tickets nie erhalten und bezweifle dass die existieren.

  • J.J.Lee am 11.07.2017 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No more explotation!

    Stoppt endlich den Zwischenhandel. Nicht nur mit Betrügern, sondern auch mit Riccardo, Amazon & Co. Wir Musikfans wollen nicht weiter abgezockt werden!!!