Urteil in Biel

24. März 2016 09:48; Akt: 24.03.2016 14:15 Print

«Falscher Zahnarzt» muss hinter Gitter

Einfache und schwere Körperverletzung sowie Betrug: Ein Bieler Zahntechniker muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

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Die Richter befanden den Bieler Zahntechniker für schuldig. (Bild: 20M/nc)

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Der Bieler Zahntechniker, der mehrmals unsachgemäss Zahnarztarbeiten im Mund von Patienten ausführte, muss hinter Gitter. Das Bieler Regionalgericht hat ihn zu einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren verurteilt und gleich Sicherheitshaft angeordnet.

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland sprach den 53-jährigen Mann am Donnerstagmorgen unter anderem der mehrfachen schweren Körperverletzung, der mehrfachen einfachen Körperverletzung und des gewerbsmässigen Betrugs für schuldig. In einzelnen Punkten wurde der Mann freigesprochen.

Dennoch ging das Gericht mit seinem Strafmass von 54 Monaten über den Antrag der Staatsanwältin hinaus. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Freiheitsstrafe von 44 Monaten gefordert. Der amtliche Verteidiger des Mannes hatte Freispruch beantragt, ausser in einem Nebenpunkt. Der Zahntechniker und Dentalassistent nahm das Urteil am Donnerstag im Bieler Amthaus äusserlich unbewegt entgegen.

Schmerzen in Praxis – und bei Nachbehandlungen

Ausführlich schilderte Gerichtspräsident Markus Gross bei der Urteilsverkündigung die Leiden der vier Opfer der schweren Körperverletzung: Ihnen schliff der falsche Zahnarzt beispielsweise unnötigerweise Zähne ab und errichtete unsachgemäss Brücken.

Grosse Schmerzen erlitten diese Personen nicht nur in der Praxis des Zahntechnikers, sondern auch bei den Nachbehandlungen durch echte Zahnärzte. Diese konnten jeweils kaum glauben, was sie sahen. Unter Tränen hatte zu Prozessauftakt eine Frau von 54 Nachbehandlungen berichtet, denen sie sich habe unterziehen müssen.

Günstiger als Zahnarzt

Der Angeklagte selber sagte vor Gericht meistens, nicht er sei für die Probleme dieser Patienten verantwortlich, sondern die von ihm beigezogenen Zahnärzte. Das liess das Gericht gemäss den Aussagen des Gerichtspräsidenten aber nicht gelten.

Der Mann habe sich jeweils gegenüber den Kunden klar als auch für zahnmedizinische Arbeiten fähige Person ausgegeben und die Arbeiten ausgeführt. Auf den Rendez-vous-Zetteln seiner Praxis stehe auch unmissverständlich «X.Y. Zahnmedizin».

Laut der Anklage täuschte der Mann seinen Titel vor, um mehr Geld verlangen zu können. Anderseits lagen die Tarife des Zahntechnikers laut einem Opfer unter jenen echter Zahnärzte.

Strafanzeige schon 2007

Die Machenschaften des falschen Zahnarzts haben in Biel schon viel zu reden gegeben. Schon 2009 klagte die Bieler Zahnarztgesellschaft, es sei «schwer verständlich», dass die Justiz das Treiben des Mannes nicht unterbunden habe. Schliesslich habe die Gesellschaft schon 2007 Strafklage eingereicht.

Die Staatsanwaltschaft sagte im Verlauf des Prozesses zu diesem Vorwurf, sie habe den Auftrag, strafrechtliche Vorwürfe mit aller Sorgfalt zu prüfen. Es handle sich um einen komplexen Fall. Erschwerend komme hinzu, dass der Angeklagte immer weiter delinquiert habe, auch nach einer Beschlagnahmung seiner Instrumente.

Auch das Gericht fand gemäss dem Gerichtspräsidenten, das Strafverfahren habe zu viel Zeit in Anspruch genommen. Das Gericht hat gegen den Mann nun auch ein fünfjähriges Berufsverbot verhängt.

(cho/sda)