Unheimliche Brandserie

04. Juni 2012 15:38; Akt: 04.06.2012 21:36 Print

«Der Feuerteufel wird wieder kommen»

von Felix Burch, Biel - Er schlägt immer nach demselben Muster zu: Der Bieler Feuerteufel hat über 60 Brände gelegt. Eine Reportage aus seinem Revier, in dem er sehr präsent ist, obwohl er gerade pausiert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Levi Hofmann ist der Mann, der dem Feuerteufel unbewusst am nächsten kam. Er verpasste ihn um nur 30 Sekunden. Der Täter lief Hofmann fast in die Arme, als dieser kurz vor dem Feierabend auf dem Parkplatz der Camionrep AG im Bieler Bözingen-Quartier den Wasserschlauch zusammenrollte. «Plötzlich entdeckte ich Feuer beim vorderen Pneu eines Kundenlastwagens», erzählt der Mitarbeiter der Lastwagen-Garage. Es sei gerade erst ausgebrochen und deshalb habe er die Flammen löschen können, noch bevor die Feuerwehr da gewesen sei. Weil das Feuer ganz frisch gelegt wurde, muss der Täter noch in der Nähe gewesen sein.

Auf demselben Parkplatz schlug der Täter nur wenige Tage später wieder zu. Dieses Mal zündete er ein Wohnmobil an. Die Feuerwehr rückte aus und löschte den Brand. Doch der Unbekannte kehrte noch am selben Abend zurück und setzte das Wohnmobil erneut in Flammen. «Der hockte wohl in einer Ecke und beobachtete das Ganze», mutmasst Hofmann. Beide Fälle ereigneten sich im Winter dieses Jahres.

Die grosse Brandnacht

Ganz in der Nähe der Camionrep AG, beim Heilsarmee-Brocki am Längfeldweg sind Arbeiter damit beschäftigt, einen Parkplatz von Schutt zu befreien. Wie ein Mahnmahl steht auf dem Platz auch ein ausgebrannter Geländewagen. Das Fahrzeug fiel dem Feuerleger im März dieses Jahres zum Opfer. Was mit dem Wagen geschehen soll, weiss zwei Monate nach dem Brand niemand. Ein Arbeiter sagt: «Irgendwann werden wir ihn wohl wegräumen, der Chef muss sagen, wohin.»

Der Parkplatz unter dem A16-Viadukt im Bözingen-Quartier ist ein Paradies für jeden Brandstifter: Hier halten sich am Abend nur wenige Leute auf. Unter dem Viadukt wütete der gefürchtete Brandstifter mehr als einmal – mehrere Autos standen in Vollbrand. Wegen der starken Rauchentwicklung und der Hitze musste die Autobahn über dem Parkplatz gesperrt werden. Die Spuren sind auch hier gut sichtbar: Verrusste Stellen an mehreren Parkplätzen, ein schwarzer Vidadukt-Pfeiler, eine angerusste Viadukt-Decke erinnern an den Täter, der Biel in Atem hält. Es wird vermutet, dass er jeweils mit Brennpaste oder Brennwürfeln arbeitet, die er zuerst auf Pneus legt und sie dann entfacht. Hofmann und andere Zeugen, die nicht genannt werden wollen, sagen, es seien auf Pneus entsprechende Spuren gefunden worden.

Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte das kranke Werk in der Nacht auf den 21. August 2011: 18 Autos steckte der Feuerteufel damals in der Bieler Innenstadt in Brand. Vor der «grossen Brandnacht», wie das Inferno von den Einheimischen bezeichnet wird, schlug er mehrfach zu und auch danach wütete er weiter - über 60 Mal brannte es in den vergangenen zwei Jahren in der Region.

Überall sind die Spuren noch zu sehen

Einer, der fast immer vor Ort war, wenn Flammen Lastwagen, Wohnmobil, Autos, Töffs und auch Häuser zerfrassen, ist der lokale Polizeireporter Arthur Sieber. «Hier zündete er eine ganze Kolonne Autos an, da, bei der Kirche, steckte er ebenfalls Wagen in Brand, und dort brannte eine Parkgarage und ein Restaurant; das war, als er sich das erste Mal ins Zentrum wagte.»

Zielsicher führt Sieber von Tatort zu Tatort. Bereits zu Beginn des Rundgangs wird die Tragweite der Brandserie bewusst. Sieber betritt das eigentliche Revier des Serientäters, das Quartier Bözingen. Erstaunlich ist, dass sogar fast zwei Monate nach dem letzten Brandanschlag die Spuren noch deutlich sichtbar sind.

Vorbei an der Jura-Garage, an einem Abstellplatz für Wohnmobile, am Parkplatz von Swiss Tennis und an einer Fust-Filiale führt Sieber zurück ins Zentrum von Biel. An all diesen Orten - und noch an einigen mehr - war der Mann, die Frau oder die Gruppe, die von allen Feuerteufel genannt wird, am Werk.

«Ich habe Angst»

Die Decke des Parkhauses unter dem Hochhaus an der Zentralstrasse in der Nähe des Bahnhofes ist immer noch schwarz. «Hier zündete er Autos an, danach kroch das Feuer die Fassade entlang zum Haus», erzählt Sieber. Für die Polizei ein klarer Fall von Brandstiftung. Im Parterre sprengte das Feuer die Scheiben. Unten im Hochhaus kann das mongolische Restaurant Han wegen des Brandes noch immer nicht das ganze Lokal öffnen.

Die Schäden der Brandserie sind immens. Die Bevölkerung ist verunsichert, auch wenn seit zwei Monaten nichts mehr vorgefallen ist. Eine Anwohnerin im Bözingen-Quartier sagt: «Zum Glück hat es mich bisher nicht selber getroffen.» Sie habe Angst. Monika L.*, die im Quartier ein kleines Geschäft betreibt, geht es ähnlich: «Es wird fieberhaft nach dem Täter gesucht, nebst dem Brandstifter beschäftigt uns jedoch auch die hohe Kriminalität.» Aber: «Auch wenn das Thema Kriminalität momentan aktueller ist; den Feuerteufel vergisst man nur, bis er das nächste Mal zuschlägt.» Man redet nicht gerne über das Thema, viele wollen gar nichts dazu sagen und wenn, dann nicht mit richtigem Namen.

Belohnung von 5000 Franken ausgesetzt

Die Kantonspolizei Bern informiert über den Fall sehr zurückhaltend. «Die Ermittlungen sind nach wie vor im Gang. Verschiedene Personen sind angehalten, überprüft und polizeilich befragt worden», sagt Mediensprecher Nicolas Kessler auf Anfrage. In einigen Fällen habe man sie als Täter ausschliessen können, in anderen seien die Abklärungen noch im Gang. Kessler weist darauf hin, dass ein Fahrzeug-Brand vom 5. November 2011 geklärt werden konnte. Als Motiv stand Versicherungsbetrug im Vordergrund, gegen drei Personen läuft eine Untersuchung.

Einen Zusammenhang mit den anderen Bränden gibt es nicht. Auf den Serientäter ist weiter eine Belohnung von 5000 Franken ausgesetzt, ein Einsatzbüro beschäftigt sich mit dem Fall. Informationen zu allfälligen Verdächtigen gibt es fast keine. «Einzeltäter oder mehrere Täter, beides ist auf Grund der bisherigen Ermittlungen möglich», so Kessler. Auf die Frage, ob bei den Brandstiftungen Brennwürfel und oder Brennpaste auf Pneus eingesetzt wurde, gibt es keine Antwort. «Zur Vorgehensweise können wir aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Wir dürfen die Ermittlungen nicht gefährden.»

Häftling auf Hafturlaub?

Ob die Polizei im Dunkeln tappt oder eine heisse Spur hat und diese nicht verraten will, ist unklar. Niemand redet. Weder die Feuerwehr noch das «offizielle Biel» wollen, dürfen oder können etwas sagen. Jürg Scherrer, ehemaliger Polizeidirektor der Stadt Biel, ist der einzige, der sich äussert: «Ich habe zwar noch Kontakt zu einigen ehemaligen Arbeitskollegen von der Polizei – viel weiss ich jedoch nicht. Ich glaube, die Polizei hat immer noch keine Ahnung, wer hinter den Brandstiftungen steckt.»

Polizeireporter Sieber vermutet einen Einzeltäter hinter den Bränden. «Bei einer Gruppe hätte sich irgendwann einer verplappert.» Er glaubt weiter, dass der Gesuchte jeweils auf einem Töff zuschlägt. «Wie sonst wäre er in der Brandnacht so rasch an so viele, zum Teil weit auseinander liegende Orte gekommen?» Und Sieber hat noch eine These: «Meiner Meinung nach könnte es sich beim Unbekannten um einen Häftling handeln, der seine Taten jeweils auf Hafturlaub begeht.»

«Das ist die Ruhe vor dem Sturm!»

Die Polizei äussert sich dazu nicht. «Wir kommunizieren nur gesicherte Informationen, zu Gerüchten und Hypothesen äussern wir uns nicht.» Der Bieler Feuerteufel bleibt bis auf weiteres ein Phantom, mit dem die Bevölkerung leben muss.

Hofmann, der ihm am nächsten kam, und vermutet, dass jemand aus der Region hinter den Taten steckt, rechnet nicht damit, dass er bald wieder zuschlägt. Viele jedoch glauben, was Sieber sagt: «Der Feuerteufel wird wieder kommen, das ist nur die Ruhe vor einem erneuten Sturm.»

*Name der Redaktion bekannt

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Judith v.W. am 05.06.2012 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Von Riehen nach Biel?

    Ist der Feuerteufel von Riehen nach Biel gezogen? In Riehen brannte es über Jahre. Seit März 2011 nicht mehr.

  • Dominik am 04.06.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Manooo

    Ach liebe 20 minuten, bei allem Respekt, aber was soll das? Ein Feuerteufel macht sowas nur aus einem Grund: Er geniesst die Aufmerksamkeit. Warum gibts jetzt so einen Beitrag von euch? Damit er sich an seinen Taten noch mehr ergötzen kann?!

  • Funboy am 04.06.2012 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Criminal Minds

    Haben wir in der Schweiz keine kriminalpsychologen?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Judith v.W. am 05.06.2012 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Von Riehen nach Biel?

    Ist der Feuerteufel von Riehen nach Biel gezogen? In Riehen brannte es über Jahre. Seit März 2011 nicht mehr.

  • Geiz ist Geil am 04.06.2012 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    5000.- Belohnung bei so bei so hohem

    Schaden und Gefährdungspotential; so werden die den nicht so rasch kriegen.

  • hulajon am 04.06.2012 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Biel = Problemkind

    Vergisst den Artikel über Genf als gefährliche Stadt - Biel ist das grösste Problemkind der Schweiz!!

    • Beat Bühler am 04.06.2012 19:34 Report Diesen Beitrag melden

      Realitätsfremd

      Problematisch sind Leute wie Sie, welche unbegründet Pauschalurteile fällen. Es ist ruhig in Biel und es lebt sich gut da und dies ist angesichts der vielen Kulturen welche in dieser Stadt leben, schlicht vorbildlich. Da Sie aber sehr wahrscheinlich ein grundsätzliches Problem mit der Vermischung von Kulturen haben, wundert mich Ihre Aussage nicht im geringsten. Hauptsache man findet ein Sündenbock -(stadt) auf welchen man alle seine negativen Gedanken beziehen kann, weil Ihr Weltbild sonst keine Nahrung erhält.

    • Thomas B. am 04.06.2012 19:49 Report Diesen Beitrag melden

      Komsiches Volk hat sich da angesammelt

      wundert mich nicht

    • Bielerin am 04.06.2012 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Biel/Bienne

      Sorry kennst du Biel?Biel ist halt multikulturell.Ich lebe seit Geburt in Biel, und möchte in keiner anderen Stadt leben.

    • Franz Stucki am 04.06.2012 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist kein Pauschalurteil

      Biel war und ist seit jeher ein Problemfall. Ich erinnere mich noch gut, als Biel den Status der grössten Drogenstadt der Schweiz hatte. Noch lange bevor aufgrund der EXPO Säuberungen durchgeführt wurden. Und Herr Bühler, können Sie von sich aus behaupten, dass sie ohne Probleme Samstags nachts noch hinaus gehen können, ohne dass es Ihnen kalt den Rücken runter läuft wenn Sie beim Heilmann Park durchlaufen oder im Bermudadreieck einen Spaziergang machen!?

    • hulajon am 04.06.2012 22:46 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Franz

      Stimmt total was Sie sagen Franz, es gibt fürchterliche Stadtteile in Biel doch niemand scheint sich darum zu kümmern! Es ist einfach zu sagen das eine Stadt "vorbildlich" ist wenn man nie erfährt das gleichzeitig jemand abgestochen wird!

    • Mark Berner am 04.06.2012 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Beim Thema bleiben

      Die Stadt ist Multikulti, linke Regierung, Drogenhochburg und zudem nachts gefährlich. Das ist nun mal so. Gehen sie am Freitag Abend (im Sommer) mal auf den Bahnhofvorplatz ! Es erinnert mich immer wieder auf meine Bazar Besuche in Westafrika. Solange die Regierung linkslastig bleibt wird sich hier auch nichts ändern, geschweige denn verbessern ! Nur hat dies alles nichts mit dem Feuerteufel zu tun. . . . . den kann es in jeder anderen Stadt auch geben.

    • Bätsch am 05.06.2012 06:56 Report Diesen Beitrag melden

      Biel

      @Franz Stucki: Nein mir ist es definitv noch nie kalt den Rücken runter gelaufen. Klar es gab in diesen Gebieten Gewalt, aber sagen sie mir eine solche Stadt in der es nicht auch einen kleinen oder auch grösseren solchen Brennpunkt gibt? Biel ist eine stadt mit über 50'000 Einwohnern, in der ganzen Aglomeration wohnen noch viel mehr Leute. In solchen städtten gibt es einen oder zwei solche Brennpunkte aber wenn man sich unglaublich von den Leuten die da sind abhebt passiert einem auch nichts. Sprechen Sie doch mal mit diesen Leuten vor denen Sie anscheinend Angst haben.

    • N.e am 05.06.2012 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kein Problem

      Ich mache das ganz oft und habe kein problem damit!!!!!

    einklappen einklappen
  • B. Kerzenmacher am 04.06.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Solche...

    sind eine besonders hinterlistige und miese Art um Bürger zu schädigen. Der Neid auf erfolgreiche Menschen kennt offenbar keine Grenzen mehr wenn es darum geht ihnen mit solchen Anschlägen oder nur schon mit gezielten Verleumdungen, Dokumentefälschung und Drohungen zu schädigen. Solche widerwärtigen Straftäter müssen mit voller Härte verfolgt und bestraft werden.

    • Marco am 04.06.2012 20:15 Report Diesen Beitrag melden

      Der Neid.

      der Neid auf erfolgreiche Menschen ist die Triebfeder des Kapitalismus. Keine Grenzen kennt der Neid, weil wir uns nicht damit beschäftigen. Nein, wir kultivieren ihn auch noch. Zum Wohle der Wirtschaft.

    einklappen einklappen
  • Max Wenk am 04.06.2012 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als ein Mann

    Ich glaube das dies mehrere sind. einer alein 18 Autos zu verbrennen läge fast schon bei einem Rekord. Und das ohne erwischt zu werden unmöglich.

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren