Kampfhunde-Attacke

05. September 2016 05:50; Akt: 05.09.2016 08:59 Print

«Der Hund wollte mir an die Gurgel»

Der Berner D. S.* wurde am Dienstag von einem Dogo Argentino angegriffen und übel im Gesicht verletzt. Seiner Ansicht nach gehört das Tier eingeschläfert.

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Aufgeschwollene Lippe, mehrere Stiche, verkrustete Nase und immer noch Blut rund um den Mund: So übel hat ein Dogo Argentino den Berner D. S.* (36) zugerichtet. Das erste Selfie, das er kurz nach der Hundeattacke im Spital geschossen hat, zeigt brutale Kampfspuren. «Wenn ich nicht gekämpft hätte, wäre ich jetzt tot», sagt D. S. Er ist immer noch schockiert von den Ereignissen.

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Am Dienstag habe er einem Freund bei seinem Lieferdienst ausgeholfen. Er habe asiatisches Essen an eine Adresse in Uettligen liefern wollen und ganz normal an der Tür geklingelt. «Ein Mann mit Baby auf dem Arm hat geöffnet, dann stürmte auch schon der riesige Hund auf mich zu und sprang mir direkt ins Gesicht,» schildert D. S.

Herrchen schrie: «Oh mein Gott»

Das riesige weisse Tier habe ihn zu Boden geworfen. «Ich konnte nur noch schreien und habe mich mit den Händen geschützt. Ich dachte, er wolle mein Gesicht zerfleischen oder meine Hand abbeissen.» Der Besitzer habe nicht reagiert – es sei wohl alles zu schnell gegangen. «Ich hatte Todesangst. Mit den Beinen konnte ich den Hund schliesslich abwehren. Dann sprang ich eine vier Meter hohe Mauer hinunter zum Nachbarn. Nur so konnte ich entkommen.» Den Hunde-Bestizer habe er im Hintergrund schreien hören: «Oh mein Gott, was tust du da?!»

«Ich bin einfach froh, dass ich noch am Leben bin. Ich hatte einen Engel, der mich schützte.» Er sei überzeugt, dass ihm der Hund direkt an die Gurgel wollte. «Später habe ich recherchiert, dass die Rasse zur Grosswildjagd gezüchtet wurde. Die Hunde springen ihrer Beute gezielt an den Hals springen und reissen sie brutal. Solche Tiere müssten doch verboten werden.»

Polizei ermittelt wegen Hundeattacke

Gegen den Besitzer hat D. S. Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Kantonspolizei Bern hat Kenntnis von einem Vorfall mit einem Hund in Uettligen, sagt Ramona Mock, Mediensprecherin der Kantonspolizei. «Wie sich der Mann die Verletzungen zugezogen hat, wird derzeit noch abgeklärt.»

D. S. hofft, dass der Halter doppelt bestraft wird. Erstens, weil er nicht eingegriffen hat, zweitens dadurch, dass der Hund eingeschläfert wird. «Ich habe dem Besitzer auch persönlich gesagt, dass man seinen Hund erschiessen sollte. Nicht auszumalen, wenn der einmal ein Kind angreift.»

Massnahmen: Von Maulkorb bis Einschläfern

Solche Vorfälle unterliegen zudem der ärztlichen Meldepflicht und werden vom Spital dem Veterinäramt rapportiert. Dieses entscheidet dann, ob Massnahmen ergriffen werden. Diese reichen vom Maulkorb über Fremdplatzierungen bis hin zum Einschläfern. Zum konkreten Fall konnte sich das Berner Veterinäramt allerdings noch nicht äussern.

D. S. konnte das Spital wieder verlassen, er trägt nur noch ein grosses Pflaster auf den Lippen. Jetzt erhält er ganz viel Liebe und Zuwendung von seiner Familie.«Meine Frau, meine dreijährige Tochter und mein zehnjähriger Sohn umarmen mich viel und sind froh, dass es mich noch gibt.» Die kleine Tochter sage ihm zudem, er dürfe nicht zu viel sprechen. «Und sie fragte mich, wann sie mir wieder ein Müntschi geben darf.»

Dennoch, der Vorfall hat Spuren hinterlassen. Ihm wird eine grosse Narbe im Mund bleiben. Und: «Seit dem Angriff kann ich kaum mehr schlafen, ich sehe in meinen Träumen immer wieder diesen Hund, wie er mich anspringt. Vielleicht brauche ich einen Psychologen.»

*Name der Redaktion bekannt

(ct)