«Revolutionärer Aufbau»

05. März 2017 12:56; Akt: 05.03.2017 12:56 Print

Organisierten Zürcher die Krawalle von Bern?

Führende Köpfe des Revolutionären Aufbaus sollen die Ausschreitungen in Bern orchestriert haben. Nun werden Verbotsforderungen laut.

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Hier die Chronologie zu den Ausschreitungen in den letzten Tagen in Bern. Am frühen Mittwoch, 22. Februar 2017, räumte die Polizei eine besetzte Liegenschaft an der Effingerstrasse 29. Dabei stiessen sie auf heftige Gegenwehr, die so nicht zu erwarten gewesen war. Die Besetzer schossen mit Feuerwerk und Abfallkübeln auf die Polizisten. Auch Farbe und Einrichtungsgegenstände wurden gegen die Polizisten eingesetzt. Gegen Mittag war das Haus geräumt. Es gab 19 Festnahmen. Aktivisten sorgten rund um die abgesperrten Zonen für Provokationen. Nur wenige Stunden später zogen am Mittwochabend rund 300 Personen durch die Berner Länggasse – gemeinsam demonstrierten sie gegen die Räumung der «Effy29». Die Polizei war an verschiedenen Punkten der Stadt präsent. Zum zweiten Mal an diesem Tag eskalierte die Situation. Die Busstation Bollwerk wurde zerstört. Auch in der Länggasse gingen Scheiben zu Bruch. Angegriffen wurde zum Beispiel die UBS. Gleichzeitig wurde bekannt, dass ein weiteres Haus in Bern besetzt wurde, dessen polizeiliche Räumung umgehend angeordnet wurde. Die denkmalgeschützte Alte Schreinerei auf dem vonRoll-Areal wird seit dem 19. Dezember von Aktivisten besetzt. Die angekündigte Räumung blieb bisher aus. Die Gruppe Farbrikool steckt hinter der Besetzung des Hauses. Sie hätte seit Donnerstag Mittag das Haus verlassen sollen. Das tat sie bisher nicht. Die Gruppierung «Fabrikool» besetzt seit dem 19. Februar 2017 das Haus an der Fabrikstrasse 16 auf dem Von-Roll-Areal. Um sich mit der Bevölkerung zu solidarisieren, luden sie am Donnerstag zum Pizzaessen ein. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben Unbekannte am Verwaltungsgebäude des Bundesamtes für Bauten und Logistik (BBL) an der Fellerstrasse erheblichen Sachschaden angerichtet. Das BBL ist Eigentümerin der Liegenschaft an der Effingerstrasse 29, welche am 22. Februar geräumt wurde. Am Freitagabend riefen Aktivisten aus der Hausbesetzerszene erneut zu Demonstrationen auf und nannten dies «Knastrundgang». Die Polizei kesselte die Demonstranden im Raum Schützenmatte ein. Freitagabend: Das Gebiet um die Reitschule wurde abgeriegelt. Auch Wasserwerfer standen am Freitagabend im Einsatz. Am Samstagabend eskalierte die Situation erneut. Es war der vierte Gewaltausbruch innerhalb von vier Tagen. Diesmal hatte das Kollektiv RaumRaub zur Demo aufgerufen. Erneut kesselte die Polizei die Demonstranten ein, sodass sie nicht in die Innenstadt gelangen konnten. Der Demonstrationszug zog deshalb zweimal um die Reithalle. Dann eskalierte die Gewalt. Die Demonstranten errichteten Strassenblockaden und schossen mit Steinen auf die Polizisten. Auch mit Feuerwerkskörpern wurde auf die Polizei geschossen – wie auch schon am bei der Hausräumung vom Mittwochmorgen. Teilweise wurden die Strassenblockaden von den Demonstranten angezündet. Vermummte zündeten zudem einen Lastwagen der SBB an. Das Feuer griff auf einen zweiten über. Die Polizisten rückten gegen die Reithalle vor und antworteten mit Gumischrot und Tränengas. Ein Demonstrant wurde dabei schwer verletzt. Offenbar soll der junge Mann ein Auge verloren haben, meldete ein Insider auf indymedia.org. Auch zehn Polizisten wurden beim Einsatz verletzt. Denn die Demonstanten hatten teilweise mit schweren Pflastersteinen geworfen. Sonntagmorgen: Der Vorplatz der Reitschule mit rauchenden Containern nach den Krawallen vom Samstag. Sonntagmorgen: Das sind die letzten Überreste der beiden abgebrannten Lieferwagen. Die Skelette wurden bereits abtransportiert. Sonntagmorgen: Auch die Transparente vom Vorabend und die Überreste der Strassenblockaden lagern noch neben der Reithalle. Sonntagmorgen: Die Demonstranten haben auch farbige Nachrichten hinterlassen. Das Ausmass der Zerstörung wird am Sonntagmorgen sichtbar. Die Heckscheibe dieses VWs musste daran glauben. Auch auf diesen Audi wurde eingeschlagen.

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Gewaltbereite Demonstranten griffen am 25. Februar die Polizei mit Steinen, Feuerwerk, Glasflaschen und Laserpointern an. Ein Dutzend Polizisten wurde verletzt, 19 Krawallmacher wurden verhaftet.

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Wie die «Sonntagszeitung» schreibt, entzündete sich der Höhepunkt der neusten Berner Krawalle weder zufällig, noch waren die Linksextremen chaotisch organisiert. In einem Lokal in der Reitschule soll es «eine Art Lagebesprechung» gegeben haben, an der sich auch «führende Köpfe aus der Szene der Zürcher Linksaktivisten» beteiligten.

Auch Andrea Stauffacher wurde laut einem Szenekenner gesehen. Die 67-jährige Zürcherin gilt als Vordenkerin des Revolutionären Aufbaus und wurde wegen mehrerer Sprengstoffdelikte verurteilt. Der Revolutionäre Aufbau gilt laut dem Nachrichtendienst als «Taktgeber der gewalttätigen linksextremen Szene».

Laut Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) sind nicht die Reitschule, sondern «gewaltbereite Organisationen wie der Revolutionäre Aufbau» das Hauptproblem. Er fordert nun ein landesweites Verbot, damit die Behörden durchgreifen könnten. Hier sieht er den Bundesrat am Zug.

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