Fehlende Therapieplätze

17. Februar 2016 12:03; Akt: 17.02.2016 16:03 Print

«Schläger von Schüpfen» soll freikommen

Igor L. terrorisierte das Dorf Schüpfen und wurde zu einer stationären Massnahme verurteilt. Nun könnte er freikommen – weil für ihn kein geeigneter Therapieplatz gefunden wurde.

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Noch sitzt Igor L. in den Anstalten Thorberg in Krauchtal, doch in zwei Wochen könnte er wieder auf freiem Fuss sein. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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In zwei Wochen soll der verurteilte Straftäter Igor L. freikommen, weil kein geeigneter Therapieplatz für ihn gefunden werden konnte, wie der «Bund» berichtete. Der Mann, der als «Schläger von Schüpfen» und «Terror-Igor» bekannt wurde, terrorisierte 2010 und 2011 ein ganzes Dorf.

Das erste Mal wurde er im Frühling 2010 aufgrund von 20 Anzeigen zu siebeneinhalb Monaten Haft verurteilt, kam aber nach ein paar Monaten wegen guter Führung wieder frei. Während er noch auf Bewährung war, schlug er den Wirt einer Dorfbeiz in Schüpfen mit einem gusseisernen Aschenbecher nieder. Er wurde daraufhin zu 14 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben wurde.

Erster Fall im Kanton Bern

Igor L., der laut einem psychiatrischen Gutachten «psychisch schwer gestört, behandlungsbedürftig und sozialgefährlich» ist, wartet nun seit vier Jahren auf einen geeigneten Therapieplatz. Laut Markus D'Angelo, Leiter der Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug des Kantons Bern, wurde Igor L. zwar immer psychiatrisch behandelt, sollte aber wegen seiner schizoiden Störung einen Platz in der Klinik Rheinau erhalten. Die Zürcher Institution sei die einzige in der Schweiz, die für eine Behandlung von Straftätern genügend gesichert sei. Dort stehe er auf der Warteliste und könne allenfalls in den nächsten zwei Wochen doch noch überwiesen werden, so D'Angelo gegenüber dem «Bund».

Laut einem Gutachten besteht eine erhöhte Rückfallgefahr für Gewaltdelikte. Eine Verwahrung sei aber nicht möglich, da Igor L. noch nie ein schweres Delikt begangen habe, so D'Angelo. Sollte Igor L. freikommen, wäre er gemäss D'Angelo der Erste im Kanton Bern, dessen stationäre Massnahme wegen zu langer Wartezeit aufgehoben würde.

(kaf)