Meyer Burger

02. November 2017 14:26; Akt: 02.11.2017 18:54 Print

«Wir erfuhren via Medien von der Massenentlassung»

Der Schock unter den Mitarbeitern der Thuner Produktionsstätte von Meyer Burger ist gross. Über 250 Personen fürchten sich vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Hilmi Gashi will mit der Gewerkschaft Unia für die Mitarbeiter kämpfen. (Video: cho / 20 Minuten)
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Mehrere Sicherheitsleute und ein rot-weisses Absperrband trennen die Angestellten der Meyer Burger AG von der Aussenwelt: Die schlechte Neuigkeit über die Schliessung der Schweizer Produktionsstätte in Thun soll hinter geschlossenen Türen verdaut und ausdiskutiert werden. So wenig wie möglich will man mit der Öffentlichkeit teilen. «Wir haben einen Maulkorb verpasst gekommen», verrät ein Mitarbeiter des Unternehmens gegenüber 20 Minuten.

In einer Medienmitteilung sprach der Solarindustriezulieferer am Donnerstagmorgen aber Klartext: Meyer Burger will seine Produktion nach China verschieben. Am Hauptsitz in Thun kommt es so zu einer Massenentlassung – 180 Mitarbeiter sind vom Stellenabbau betroffen.

«Eigentlich über 250 Betroffene»

Laut Unia ist die Zahl jedoch noch viel höher: «Nebst den 180 Festangestellten sind auch 50 Temporärangestellte sowie 26 Lehrlinge vom Entscheid betroffen», sagt Hilmi Gashi von der Gewerkschaft Unia.

Ein Angestellter mit befristetem Arbeitsvertrag ist so auch besonders besorgt: «Mir scheint, als interessiere sich hier niemand für uns.» Er befürchtet, beim Sozialplan völlig ausser Acht gelassen zu werden.

News erreichten Mitarbeiter auf dem Arbeitsweg

Nebst der Hiobsbotschaft über die Verlagerung nach Asien belastet die Mitarbeiter auch die Kommunikationsstrategie ihrer Vorgesetzten: Man habe von der Schliessung erst am Donnerstagmorgen durch die Medien erfahren: «Auf dem Weg zum Arbeitsplatz las ich die News auf meinem Smartphone – ich war geschockt», so ein Angestellter.

Bei vielen Mitarbeitern sei das Unverständnis gross. Erst vor zwei Wochen habe das Unternehmen einen 45-Millionen-Auftrag an Land gezogen – «das gab uns Sicherheit – doch leider eine falsche.» Anlass zur Hoffnung gebe lediglich noch die Unia: Die Gewerkschaft will sich dafür einsetzen, dass einzelne Produktionen nach wie vor im Berner Oberland ausgeführt werden.

(cho / miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Rudolf am 02.11.2017 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    meyer burger

    Das ist das Resultat unserer Führungskräfte ohne Arbeitserfahrung. Nur weiter so und bald haben wir keine produktive Arbeitsplätze mehr.

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  • Vreni Hämmi am 02.11.2017 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    wie immer

    Die Weihnachten kommen näher. Unsere pädagogisch geschulten Manager kommen dann immer in eine richtige Entlassungsorgie.

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  • Dietmar Nigsch am 02.11.2017 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschatsminister

    das ist wieder einmal mehr das werk von Bundesrat Schneider Amann tun oder nichts tun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 03.11.2017 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Das Aus für erneuerbare Energien

    Es werden in Zukunft noch mehr Solarzulieferer pleite gehen. Tesla könnte es auch erwischen. Die Zukunft gehört den fossilen Brennstoffen. Ich bin kein Visionär sondern realistisch.

  • Te Rasse am 03.11.2017 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charakterlos

    Die Verlagerung der Produktion ist eine Sache, die Informationspolitik die andere! Hat denn wirklich keiner dieser Schlipsträger Charakter und Mut zu seiner Entscheidung zu stehen? Und diese gegenüber den Mitarbeitenden auch zu kommunizieren. Verantwortungslose Angsthasen!!!

  • Thomas am 02.11.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was schon lange fällig

    Naja lieber spät als nie. In Deutschland hat man gesehen wie der Wind weht. Die hätten schon vor Jahren diesen Schritt machen müssen. Ohne Aufträge gibts nun mal keine Arbeit. Und ohne das man Konkurrenz fähig ist, keine Aufträge.

    • Betroffener Mitarbeiter am 03.11.2017 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr Konsequenz als erwartet?

      Das betrifft die ganze Industrie der Schweiz, wir lager allmählich unser gesamtes Wissen aus. Es geht nicht nur um Geld es geht aus um Arbeit

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  • walter45 am 02.11.2017 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Mär vom starken Franken

    muss immer noch herhalten. Hauptsache aber, alle Ausreden werden gesucht um die Gewinne zu optimieren. Hier hat das Management versagt und der Büezer muss es ausbaden. Anfangs August noch hat ein Experte festgehalten, dass die Exporte im ersten Halbjahr 2017 einen neuen Rekord erreichten.

  • UNIA Mitglied am 02.11.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nur...

    Die Schweizer Politik und Geldgier ist schuld an dieser Misere. Morgen lesen wir wieder ein Unternehmen verlagert seinen Werkplatz ins Ausland. Alles andere regelt das RAV oder das Sozialamt.

    • U.G am 02.11.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @UNIA Mitglied

      Und alles bezahlen die Steuerzahler. Aber immer schön für die Personenfreizügikeit stimmen. Und die Gewerkschaften machen immer mit. Vielen Dank.

    • nicht sicher am 03.11.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ende der Könige

      In Frankreich würden bereits die Autos brennen, aber wir bleiben schön gelassen....Versailles ist um sonst gefallen?

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