Betreuer überwältigt

17. November 2016 21:28; Akt: 17.11.2016 21:46 Print

Minderjähriger floh schon drei Mal aus Jugendheim

Drei Bewohner des Jugendheims Aarburg sind seit der Nacht auf Montag auf der Flucht. Einer von ihnen ist bereits zum dritten Mal ausgebüxt.

«Es gibt viele Wege dort raus», sagt ein ehemaliger Bewohner über das Jugendheim Aarburg. (Video: Tele M1)

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Drei Minderjährige konnten aus der geschlossenen Abteilung des Jugendheims auf der Festung in Aarburg AG flüchten. «Sie hatten zwei Mitarbeitende überwältigt und im Toilettenraum eingesperrt», sagt Hans Peter Neuenschwander, der Direktor des Jugendheims, gegenüber Tele M1. Mit Hilfe einer dritten Betreuungsperson konnten sie danach flüchten. Auch am Dienstagabend hatte man die drei noch nicht auffinden können.

Einer der Jugendlichen soll kein unbeschriebenes Blatt sein. Laut Tele M1 ist er bereits dreimal ausgebüxt – dies innerhalb von einem Jahr. So sei er im Sommer nicht mehr von einem Wochenend-Trip zurückgekommen. Ein Kollege und er waren in dieser Zeit in Österreich mit einem gestohlenen Auto unterwegs und flüchteten vor der Polizei. Als der Minderjährige dann zurückgeführt werden sollte, riss er vor der Türe des Aarburger Jugendheims wieder aus.

«Es gibt viele Wege dort raus»

Einen ehemaligen Bewohner des Heims, Marco Lavada, verwundert der Vorfall nicht. «Im Gegenteil», sagt er zu Tele M1. «Es gibt so viele Wege dort raus und wenn man eine Weile dort oben ist, kennt man alle Wege. Von dem her ist es überhaupt nicht erstaunlich.»

Der heute 26-Jährige kam vor rund zehn Jahren in das Jugendheim Aarburg und verbrachte dort zwei Jahre. Er selber sei ebenfalls dreimal abgehauen. Unter anderem habe er sich aus dem Küchenfenster abgeseilt. Ein anderes Mal habe er sogar eine Betreuerin bedroht: «Wir hatten keinen Zugang zum Pausenraum, also sagten wir ihr, ‹bring uns bitte nach unten, wir erwarten den Küchenchef›. Ohne dass sie nachgefragt hat, ist sie mit uns nach unten gegangen. Dort haben wir sie dann überwältigt und sind geflohen.» Auf eine ähnliche Art und Weise nahmen die drei Minderjährigen in der Nacht auf Montag Reissaus.

«Das ist ein Jugendheim, kein Ferienlager»

Die SVP-Grossrätin Martina Bircher findet solche Zustände nicht tragbar: «So etwas kann nicht sein. Das ist ein Jugendheim für schwer erziehbare Jugendliche und kein Ferienlager», sagt sie zu Tele M1. «Der Kanton muss die Sicherheit gewährleisten.»

Beim Jugendheim heisst es jedoch, man sei keine hochsichere Strafanstalt, sondern ein Heim. «Wir überprüfen unsere Sicherheitskonzepte jedes Jahr», sagt Direktor Neuenschwander. «Wir lernen aus solchen Ereignissen.» Von den drei Jugendlichen fehlt nach wie vor jede Spur.

(qll)