Vor Dead End niedergestochen

08. Dezember 2016 19:45; Akt: 08.12.2016 22:49 Print

Starb Türsteher, weil er Störenfried wegwies?

von Simon Ulrich - Der Dead-End-Türsteher, der am Sonntag in Bern schwer verletzt worden war, ist tot. Der mutmassliche Täter ist offenbar ein notorischer Unruhestifter.

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Der 32-jährige P. B.*, der am Sonntagmorgen beim Henkerbrünnli schwer verletzt aufgefunden worden war, starb am Mittwochabend im Spital. Dies meldete die Polizei am Donnerstagmorgen. Die zuständige Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat eine Untersuchung wegen vorsätzlicher Tötung eröffnet. Der Tote hatte als Türsteher im Dead End gearbeitet, einem Club, mit dessen Einnahmen die Notschlafstelle Sleeper im selben Gebäude finanziert wird.

Zu Tathergang und Täter macht die Kantonspolizei keine näheren Angaben – auch nicht, ob jemand in Haft ist. Sleeper-Chef Mario Stegmann sagte jedoch dem «Bund», dass es sich beim mutmasslichen Täter um einen Somalier handle. Der «notorische Störenfried» habe in der Vergangenheit immer wieder für Ärger gesorgt.

B. lag blutüberströmt am Boden

«An diesem Abend wollte der Mann wieder ins Dead End, doch wir haben ihn nicht reingelassen», so Stegmann weiter. B. stand zwar nicht als Türsteher im Einsatz, sei aber dennoch dem Unruhestifter gefolgt, um ihm zu sagen, er solle sich nicht mehr blicken lassen.

Bei der Henkerbrünnli-Kreuzung sei es dann zur Auseinandersetzung zwischen den beiden gekommen. «Unsere Leute sahen, wie B. taumelte und dann blutüberströmt am Boden lag», so Stegmann weiter. Helfer hätten alles versucht, um die Blutungen zu stoppen, die Ambulanz sei darauf rasch eingetroffen.

Kooperation zwischen Polizei und Reitschule

Eine der Personen, die erste Hilfe leisteten, ist Vera Rebmund. Die Mitarbeiterin der Notschlafstelle war an jenem Abend im Dead End als DJ tätig und kannte B. gut. Sie steht unter Schock. «Ich muss noch immer diesen Geruch verarbeiten, wenn jemand fast ausblutet», sagt sie zu 20 Minuten. Während der Verarztung der Schnittwunden habe sie nicht angenommen, dass B.sterben würde. «Ich dachte, seine Wunden könnte man wieder zusammenflicken.» Laut Rebmann schaffte es B. trotz schweren Verletzungen noch die Treppe rauf bis ins Dead End.

Sicherheitsdirektor Reto Nause ist schockiert über die Bluttat, will den Vorfall aber noch nicht kommentieren. «Wir brauchen zuerst Ermittlungserfolge, bevor Schlüsse gezogen werden.» Zwar werde die Polizeipräsenz rund um die Reitschule stetig hoch gehalten – «rund um die Uhr können wir das Gebiet aber nicht bewachen». Immerhin habe zwischen Polizei und Reitschule am Wochenende eine Kooperation stattgefunden.

Mehr Freiräume schaffen

Gemäss Reitschule ist das Gebiet Schützenmatte an den Wochenenden extrem überlastet. Zu viele Interessen und Menschen würden sich auf engstem Raum bewegen. «Aus Sicht der Reitschule müssen unbedingt mehr Freiräume geschaffen werden, damit dieses Gebiet entlastet werden kann», liess die Mediengruppe auf Anfrage verlauten.

Derweil forderte SVP-Nationalrat Erich Hess auf Facebook, dass die Reithalle «für immer geschlossen» wird – und erntete einen veritablen Shitstorm.

* Name der Redaktion bekannt