Emmental/Simmental

18. September 2017 18:10; Akt: 18.09.2017 18:10 Print

SVP-ler will Tempo 30 auf Hauptstrassen verhindern

Der Berner Oberländer SVP-Grossrat Thomas Knutti verlangt, dass auf normalen Ortsdurchfahrten im Emmental und Simmental der Verkehr keine Steine in den Weg gelegt werden.

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Knutti ist LKW-Chauffeur und kennt die Strassen des Oberlands wie seine Westentasche. Und der 44-Jährige hat eine Mission: Er will verhindern, dass die Ortsdurchfahrten in verschiedenen Oberländer und Emmentaler Gemeinden für Lenker zur Geduldsprobe werden. Denn geplant sind in diversen Dörfern auf der Hauptstrasse eine Tempo-30-Zone.

In Huttwil etwa soll die Bahnhofstrasse auf einer Länge von rund 700 Metern temporeduziert werden, in Schönried wird das Dorfzentrum saniert und Tempo 30 eingeführt und in Wilderswil ist diese Massnahme ebenfalls im Gespräch. Es handelt sich bei allen Projekten um Kantonsstrassen – die klassischen Routen für den Durchgangsverkehr.

Motion soll Tempo 30 verhindern

«Das ist einfach nur lästig», so Knutti. «Auf stark befahrenen Durchgangsstrassen muss das verboten werden. Tempo 30 bei Schulen und in Wohnquartieren verstehe ich ja, aber alles andere nicht.»

Jetzt hat er gemeinsam mit anderen bürgerlichen Grossräten eine Motion im Grossen Rat eingereicht, die wohl in der kommenden Frühlingssession behandelt wird. «Es kann doch nicht sein, dass nun überall systematisch Tempo 30 eingeführt wird. Bei Durchgangsstrassen, die man nicht umfahren kann, ist das nicht nachvollziehbar», sagt der Berufsfahrer. In Schönried etwa sei seiner Meinung nach absolut keine Gefahr vorhanden, die das rechtfertige. «Es ist eine gerade Strecke. Das hat nichts mit Sicherheit zu tun, sondern mit Verkehrsbehinderung.»

Und, so glaubt er: «Da werden sowieso nur wieder Radar aufgestellt. Man ist nämlich rasch schneller als 30 km/h – und schon ‹preichts› eim.»

«Zügig vorwärtskommen» sei das Ziel

Die Verkehrsteilnehmer wollten «bloss eine gute Strasse, auf der man zügig vorwärts kommt.» Mit der Motion wolle er «mau gspürä», wie die anderen Berner Grossräte das mit den Tempo-30-Zonen so sehen. Er hofft auf eine konstruktive Diskussion im Rat.

Bereits in der letzten Session hatte der Grosse Rat beim Investitionsrahmenkredit Strasse 2014 bis 2017 eine Kürzung von 10 Prozent vorgenommen. Wegen dieses Antrags muss das kantonale Tiefbauamt nun bei sogenannten Ausgestaltungsarbeiten auf der Strasse sparen – gemeint sind die Schikanen, die bei vielen Ortseinfahrten anzutreffen sind.

Tempo-30 hat auch viele Vorteile

Stefan Studer, Oberingenieur des kantonalen Tiefbauamts, hat allerdings Argumente für die 30er-Zonen. «Tempo 30 führt zu weniger Stop-and-go-Verkehr, das heisst, der Verkehr fährt zwar langsamer, aber er fährt.» Auch seien die Belastungen wie Lärm und Umweltverschmutzung geringer.

Zudem würden sich in den Tempo-30-Zonen die Anhaltedistanzen verkürzen, was der Sicherheit von Fussgängern und Velofahrern diene. «Und als grosses Plus sind mit Tempo 30 viele Längsparkplätze möglich, die sonst nach heutigen Bestimmungen teils aufgehoben werden müssten.»

Ohnehin könne Tempo-30 nur dann in Betracht gezogen werden, wenn die vom Bund vorgeschriebenen Voraussetzungen erfüllt sind (siehe Box). «Sie sind sehr streng und man muss in Form eines Gutachtens vorweisen können, dass eine Temporeduktion zweck- und verhältnismässig ist», so der Vorsteher des Tiefbauamtes.

In Köniz hätte der Kanton einige Erfahrungen mit Tempo 30 sammeln können. «Es ist erwiesen, dass der Verkehr in Köniz flüssiger durchkommt und die Leistungsfähigkeit der Strasse gegenüber dem Zustand vor der Sanierung nicht abgenommen hat.»

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MR am 18.09.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Etwa das gleiche Theater wie mit den Verkehrsinseln... Sinnlose Geldmacherei! Schutz gegen 0.

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  • Fritz Blaser am 18.09.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Tempo 30 bringt nichts, das weiss man. Es gibt nur Stau und Unfälle. Der Verkehr muss fliessen können. Das ist nur mit 60 möglich. Also hat der Politiker recht.

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  • Maria Balmer am 18.09.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Aktion

    Bin links orientiert, aber endlich mal eine gute Aktion eines SVP-lers... danke!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Meier am 28.09.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hörbar

    Geht doch auf 20 runter sonst fängt mein Auto an zu ruckeln und ich muss runter schalten. Führt zu Treibstoffverbrauch und hörbare Emission

  • tobias A am 24.09.2017 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    tempo 30 schikane

    Tempo 30 bringt mehr Lärm mehr Verbrauch, mehr Bussen geld und auch mehr Stau da es meisst mit einer Verengung verbunden ist. Es sind nicht nur ein paar Sekunden die man verlert wenn bald überall tempo 30 sein sollte.

  • Pragmatiker am 21.09.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder Typisch

    Der Chauffeur argumentiert mit seinem Bauchgefühl, der Verantwortliche mit Zahlen und Fakten. Und auf was hört die Mehrheit hier? :)

  • Mathematiker am 21.09.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Rechne mal

    Der Herr kann nicht rechnen. Er verliert vielleicht 7 Minuten, rettet aber statistisch Leben. Sollte doch auch die SVP interessieren, oder nicht?

  • Remu am 19.09.2017 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    no Limit

    wie hat ein Politiker mal gesagt ??!! kein Tempo Limit auf Autobahnen denn wer schneller fährt ist schneller daheim und somit ist weniger Stau... find ich super

    • Walter Störchlin am 21.09.2017 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Remu

      Laut Statistik sind 11% der Verkehrstoten dem Alkohol zu zu führen. Also fahren die Besoffenen besser als die Nüchteren, welche für 89% der Verkehrstoten zuständig sind! Das ist eben die Wahrheit und nicht die Statistik!

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