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10'000 in Bern
02. Juni 2012 20:42; Akt: 03.06.2012 09:35 Print
«Tanz dich frei» ohne grössere Zwischenfälle
An der grössten Jugendkundgebung seit den 1980er Jahren, zogen tausende Menschen lautstark durch Bern. Sie demonstrierten gegen eine zu starke Reglementierung des Nachtlebens.
Mindestens
Viele Teilnehmer der Kundgebung unter dem Motto «Tanz dich frei» schienen allerdings gewillt, die Nacht zum Tag zu machen - in der Innenstadt herrschte morgens um 1.30 Uhr immer noch reges Treiben. Gefordert war insbesondere die Sanitätspolizei - je später die Stunde, desto grösser die Zahl der stark alkoholisierten Menschen.
Die «Tanz-Demo» richtete sich in erster Linie gegen die behördliche Reglementierungswut des Berner Nachtlebens. Die anonymen Organisatoren hatten sich nicht um eine Bewilligung bemüht und stattdessen via Facebook und andere Plattformen zur Strassenparty aufgerufen.
Der Aufruf wurde bei bestem Frühsommer-Wetter rege befolgt. Beobachter gingen von mindestens
Die Polizei hatte im Vorfeld signalisiert, sie werde den Umzug tolerieren. Die vielen im Einsatz stehenden Polizisten beschränkten sich im wesentlichen darauf, Präsenz zu zeigen, bei Problemen bereit zu stehen und den Verkehr zu regeln.
«Retourkutsche» mit Discosound
Die Demo-Teilnehmer hatten sich am Abend vor dem Kulturzentrum Reitschule versammelt und waren um 21.15 Uhr zum Tanz durch die Innenstadt aufgebrochen. Transparente waren nur vereinzelt zu sehen. Eines der Sound-Mobiles trug den Namen «Retourkutsche» - eine Anspielung darauf, dass der Umzug auch eine Reaktion auf kürzlich verschärfte Betriebsauflagen für die Reitschule war.
Die Umzugsroute führte von der Schützenmatte via Bollwerk an den Bahnhof, dann weiter zum Zytglogge in der Altstadt. Von dort zogen die Demo-Teilnehmer auf den Bundesplatz. Ein offizielles Ende der Kundgebung gab es nicht - spätnachts wurde an mehreren Brennpunkten in der Stadt weiterhin getanzt, getrunken und gefeiert.
Knallpetarden und Abfallberge
Während des Umzugs waren regelmässig Knallpetarden gezündet worden. Vor dem Hotel «Schweizerhof» flogen zudem Feuerwerkskörper gegen die Fassade. Mehrere Demo-Teilnehmer brachten sich in Gefahr, als sie den Baldachin - die Überdachung beim Bahnhof - bestiegen und sich in der Nähe der Fahrleitungen aufhielten.
Etliche Gebäude wurden mit Sprayereien versehen, darunter auch das Bundeshaus. Dort erklomm spätabends ein Aktivist die Bundeshaus- Terrasse und schwenkte eine Fahne. In den Strassen zwischen Bahnhof und Zytglogge türmte sich der Abfall. Am Rande der Demo kam es gemäss Polizei zudem zu Schlägereien und Tätlichkeiten.
Anonyme Organisatoren
Die Organisatoren der Strassenparty gaben sich offiziell nicht zu erkennen. Ihrem Aufruf angeschlossen hatten sich unter anderen die Betreiber der Reitschule, mehrere Gastrobetriebe und Nachtklubs, aber auch Linksparteien und verschiedene Interessensorganisationen.
Mit der Tanz-Demo verknüpften sie eine Vielzahl von Anliegen. Im Zentrum stand zwar der Protest gegen das von vielen Jungen als trist empfundene Berner Nachtleben, doch für manche Teilnehmer ging es auch um Kapitalismuskritik, und viele nahmen wohl einfach wegen des Happenings an sich am Umzug teil.
Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
(Video: Leser-Reporter)
(sda)
Ich verstehe nicht, wie alle Kritiker sogar bei einem solchen Event nur das negative sehen können. Es war ein Abend, der in die Geschichte der Stadt Bern einging. Die Atmosphäre war wunderbar, Leute zwischen 3 und 70 Jahren waren anwesend und hatten Freude an der Aktion. Wer dabei war, weiss, dass es ein spektakulärer Abend war. Wer nicht dabei war hat 1. vieles verpasst (politische Einstellung hin oder her) und soll 2. nicht über Dinge schimpfen, die er/sie nicht selbst miterlebt hat. Solche Anlässe sind wundervolle "Ausbrüche" aus dem immer gleichen Alltag. Ich bin froh, war ich dabei! – Berner
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Alle 214 Kommentare

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Meinungen zum Thema "Allgemeinfinanzierung"
Mir fällt auf, dass die meisten Beitäge die den Event beführworten entweder schreiben wie "geil" es war oder irgendwie die Abfallnenge zu rechtfertigen versuchen. Aber kein Beitrag (habe zwar nicht ganz alle gelesen) beschäftigt sich mit der Kritik, dass die Allgemeinheit die Kosten tragen muss. Damit es alle verstehen: die dafür aufgewendeten Steuergelder kommen von der Allgemeinheit. Diese Allgemeinheit geht täglich Arbeiten - das ist das Gegenteil von Party machen - um diese so genannten Steuern mit zu finanzieren. Mich würde mal interessieren, wie die Beführworter zu diesem Aspekt stehen.
Ähnliche Probleme im Dorf
@alle Bei und im Dorf fand diese Woche das seeländische Feldschiessen des Kantons Freiburg statt. Auch hier hatten wird - wenn auch in einem viel kleineren Ausmass - mit Vanalen und Abfall zu kämpfen. In einem Gebäude welches der Gemeinde gehört wurde ein Tisch zersägt, eine Statue wurde absichtlich beschädigt, und wurde Abfall in den Garten geworfen,... Ich frage mich einfach, wo dieses respekt- und rücksichtslose Verhalten noch hin führen wird.
Nur 40, die sich nicht im Griff hatten?
@Schwaller Fabienne Unter "sich im Griff haben" verstehe ich auch, dass man nich einfach Abfall auf die Strasse wirft (schliesslich muss der Steuerzahler hierfür genauso bezahlen wie für Vanalenakte). Oder ist es für Sie normal; dass man grössere Abfallmengen einfach auf die Strasse wirf? Nehmen wir mal an, dass jeder der rund 11'000 Teilnehmer (ich verwende Ihre Zahlen) versehentlich 10 Gramm Abfall verloren hat (Durchschnittswert). Somit haben alle Teilnehmer zusammen 110'000 Gramm bzw. 110 Kg versehentlich verloren. Zieht man diesen Wert von 2 Tonnen ab, kommt man immer noch auf eine Abfallmenge von rund 2 Tonnen (2 heisst ja nicht 2.0 sondern 1.5 bis 2.4999). Das heisst, jede der von Ihnen genannten 40 Personen die sich nicht im Griff hatten, hat 50 Kg Abfall auf die Strasse geworfen. Ich halte es doch eher für unwahrscheinlich, dass eine Person alleine soviel Abfall verursacht.