«Die letzte Waffe»

31. Mai 2017 16:31; Akt: 31.05.2017 16:54 Print

Kneubühl offenbar erneut im Hungerstreik

Der inhaftierte Bieler Rentner nimmt nach eigenen Angaben erneut keine Nahrung mehr zu sich. So will er die Verlegung ins Regionalgefängnis Thun erzwingen.

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Peter Hans Kneubühl wird im Jahr 2013 aus dem Gefängnis eskortiert. (Archiv) (Bild: Keystone)

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Peter Hans Kneubühl ist gestern offenbar wieder in den Hungerstreik getreten. Dies zumindest verkündet er in einem Brief, der dem «Bund» vorliegt. Gemäss Brief befindet sich Kneubühl heute in der Station Etoine und möchte erneut ins Regionalgefängnis Thun verlegt werden. Der Sachverhalt wird von den zuständigen Behörden weder bestätigt noch dementiert, da sie dem Berufsgeheimnis verpflichtet sind.

Der Bieler Rentner sieht sich als Opfer des Staates, der ihn durch Polizei- und Justizgewalt vernichten wolle. «So blieb mir nur die letzte Waffe aller derjenigen, die auf der Abschussliste des Staates stehen: der Hungerstreik» schreibt Kneubühl in gestochen scharfer Handschrift in seinem mehrseitigen Brief.

In dem Schreiben kündigte Kneubühl auch an, dass er künftig nicht mehr von Valentin Landmann vertreten werden will. Der bekannte Zürcher Anwalt ist seit vergangenem Februar Kneubühls Rechtsvertreter. Kneubühl will sich nun wieder selbst verteidigen, wie er ausführt.

Renitenter Rentner

Vor sieben Jahren hatte Kneubühl die ganze Schweiz in Atem gehalten. 2010 sollte sein Haus in Biel zwangsversteigert werden. Als die Polizei anrückte, schoss er und verletzte einen Mann schwer.

Nach tagelanger Flucht konnte der Rentner gefasst werden. Er wurde im Jahr 2013 vom Regionalgericht in Biel als nicht schuldfähig erklärt. Es ordnete deshalb eine stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung an.

Das bernische Obergericht bestätigte dies im gleichen Jahr. Kneubühl leide an einer schweren wahnhaften Störung. Kneubühl selber wollte sich als schuldfähig erklären lassen.

Lösung nicht von Dauer

Der Rentner hat seit seiner Festnahme bereits zweimal einen Hungerstreik durchgeführt. Im vergangenen Januar und Februar ass er 36 Tage lang nichts. Die Berner Behörden machten damals klar, dass sie den Rentner notfalls zwangsernähren würden. Das Gefängnis Thun sei im Übrigen für einen Aufenthalt Kneubühls nicht geeignet.

Im Vordergrund stehe, eine Lösung im Dialog zu finden, betonten die Behörden damals. Dies gelang denn auch, und Kneubühl beendete den Hungerstreik. Allerdings hielt die Lösung nur einige Monate, wie sich nun zeigt.

Er habe angenommen, dass ihn sein Anwalt Valentin Landmann «aus dem Psychiatriegefängnis herausholen (...)» würde, schreibt Kneubühl weiter. Doch rasch habe sich gezeigt, dass Landmann «nicht die Absicht hatte, einen Skandal aufzudecken und meine falschen psychiatrischen Gutachten rückgängig zu machen.»

(mch/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CaptainLonestarr am 31.05.2017 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn er keinen Hunger hat

    Dann lasst ihn doch streiken. Es ist seine Entscheidung auf Nahrung zu verzichten.

  • Chris am 31.05.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso ein Druckmittel?

    Ich verstehe nicht wie ein Hungerstreik ein Druckmittel sein soll. Ich würde einfach zusehen. Es muss jeder selber entscheiden ob er essen will oder nicht.

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  • Daniela am 31.05.2017 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eigene Entscheidung

    Dann lasst ihn doch hungern. Genug alt für diesen Entscheid ist er ja.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oliver R. am 31.05.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Druckmittel?

    Hab noch nie verstanden aus welchem Grund, ein Hungerstreik ein Druckmittel sein soll. Wenn ich jemanden vom der Nahrung abschneide ist es etwas anderes. Entscheidet sich jemand nichts zu essen, so ist das seine Entscheidung und die ist zu akzeptieren.

  • Christian Büchel am 31.05.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Und dies alles nur wegen Erbstreitigkeiten die es so in einer Familie nie geben sollte. Würde gerne die hintergründe kennen die denn damals 67jährigen zu dieser verzweiflungstat trieb. Über einen Menschen zu Urteilen ohne die umstände und hintergründe zu kennen stimmt mich sehr nachdenklich. Etwas als Problemlösung zu bezeichnen aber dessen vorgeschichte bis heute nicht zu kennen ist vollkommen zu verachten. Hoffe das irgendwann licht ins dunkel kommt und wir diesen fall abschliessen können.

  • Typhoeus am 31.05.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht der falsche Anwalt

    Kann ja nur besser werden

  • Suellen am 31.05.2017 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkür

    Vielleicht stimmt ja nicht alles was über Kneubühl erzählt wird,es gibt leider immer wieder die Leute schlecht macht,wenn er recht hat würde ich auch in den Hungerstreik treten,

  • Roland Schneider am 31.05.2017 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wenn Kneubühl Recht hat

    und tatsächlich ein Opfer des Staates ist? Oh, Entschuldigung, ich habe ganz vergessen, dass das im Rechtsstaat Schweiz absolut ausgeschlossen ist......;-)

    • Sandra am 31.05.2017 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roland Schneider

      Dann wäre Landmann wohl der letzte gewesen ddr ihm nicht geholfen hätte und seeeehr gerne allen Medien Auskunft gegeben hätte... ;-)

    • Daniel am 31.05.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      Es steht im Text: In dem Schreiben kündigte Kneubühl auch an, dass er künftig nicht mehr von Valentin Landmann vertreten werden WILL.

    • Roland Schneider am 31.05.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      ja, da hast du vermutlich auch wieder Recht!

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