Politische Aktion

11. April 2017 08:55; Akt: 12.04.2017 14:42 Print

86-Jährige besprayt Nationalbank – abgeführt

von A. Schawalder - Louise Schneider hat eine Absperrung bei der Nationalbank besprayt, um gegen Kriegsgeschäfte zu protestieren. Die Polizei nahm sie mit.

Louise Schneider in Aktion. (Video: Tamedia/SDA)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Louise Schneider zückt ihre Spraydose und sprüht ihre Botschaft in roten Lettern an die Bauwand der Schweizerischen Nationalbank. Sie ist 86 Jahre alt, Friedensaktivistin und Mitglied der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA). Und sie ist von ihrer Sache überzeugt: «Ich habe mich schon immer gegen Krieg und Armut starkgemacht. Aber solange es Waffen gibt, wird sich nichts ändern», sagt Schneider. Deshalb sprayt sie «Geld für Waffen tötet» an diesem Dienstagmorgen an die Wand. Damit will sie auf die Kriegsgeschäfte-Initiative der GSoA und Jungen Grünen hinweisen.

86-Jährige besprayt Nationalbank und wird verhaftet

«Geld darf unter keinen Umständen in die Waffenproduktion fliessen», erklärt die 86-Jährige ihr Engagement für die Initiative. Und: «Ich wurde zum Frieden erzogen.» Ihr Vater habe ihr immer gesagt: «Jeder Schlag kommt zurück.»

Von der Polizei abgeführt

Kurz darauf tauchen mehrere Polizeibeamte auf und wollen wissen, wer für die Sprayerei verantwortlich ist. Schneider meldet sich und gesteht ihre Schuld. Es folgt eine kurze Unterhaltung mit den Polizisten, dann dreht sie sich lachend zu der versammelten Menge um: «Sie glauben nicht, dass ich das gemacht habe!» Nach einem weiteren Wortwechsel wird die 86-Jährige schliesslich mitgenommen. Die Beamten führt sie zum Polizeiauto und fahren sie auf die Wache.

Die GSoA hat ihre Unterschriftensammlung heute begonnen. Mit der Initiative soll es etwa der Pensionskasse und der Nationalbank verboten werden, in Unternehmen zu investieren, die Kriegsartikel herstellen.

Crowdfunding für Busse

Louise Schneider betont, dass die Aktion von ihr und nicht von der GSoA ausgeheckt worden sei. Lewin Lempert von der GSoA freuts trotzdem: «Ich finde den Mut von Frau Schneider, das zu machen, unglaublich.» Er verweist darauf, dass die Nationalbank über 800 Millionen Dollar in Atomwaffenproduzenten investiere.

Laut Lempert erwägt die GSoA ein Crowdfunding, um eine mögliche Busse für Louise Schneider zu begleichen. Alt-Nationalrat und GSoA-Mitgründer Jo Lang fügt hinzu: «Was ist schon ein wenig Farbe gegen ein Menschenleben?»

Automatismus verantwortlich

Der Sprecher der Schweizer Nationalbank, Walter Meier, stellte unlängst gegenüber der NZZ klar, dass die Nationalbank keine Aktien von Firmen erwerbe, die international geächtete Waffen produzierten, grundlegende Menschenrechte verletzten oder gravierende Umweltschäden verursachten.

Dass die Nationalbank im letzten Quartal mehr in Atomwaffenproduzenten investiert habe, sei ein Automatismus der Anlagen und kein strategisches Vorgehen.

Moralische Vorschriften wenig sinnvoll

FDP Nationalrat Beat Walti hält die Initiative nicht für sinnvoll: «Bei solchen Wirtschaftsfragen moralische Vorschriften vorzuschreiben, macht keinen Sinn.» Er erläutert mit einem Beispiel: «In einem nächsten Schritt könnte man dann auch vorschreiben, dass nicht mehr in Coca Cola investiert werden darf. Übergewicht führt zu tausenden Toten weltweit. Wo ist den da die Grenze?» Zudem stören ihn auch mögliche Probleme bei der Umsetzung, etwa wie das Ganze überprüft werden sollte.

Lange hatte die Botschaft von Louise Schneider übrigens nicht Bestand: Schon wenige Stunden nach der Aktion wurde das Graffiti der alten Dame entfernt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xain am 11.04.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Mass

    Wenn dass statt ein Grossi ein 16-Jähriger Junge gemacht hätte, würden die Reaktionen bestimmt ganz anders ausfallen.

    einklappen einklappen
  • Willi Zbinden am 11.04.2017 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosi ganz gross!

    Bravo Grosi so wird's gemacht! Lass dich bloss nicht von der Justiz beirren du bist auf dem richtigen Weg.

    einklappen einklappen
  • we are louise am 11.04.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    meine heldin der woche

    bravo Louise Schneider!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Josef Löber am 25.04.2017 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    WO KOMMEN WIR DENN DA HIN?

    Ich unterstütze den Vorschlag von FDP Nationalrat Beat Walti voll und ganz! Gesellschaftliche/ Öffentliche Investitionen in sämtliche ebsens- und gesundheitsschädingende Industrie sollte schnellstmöglich gestoppt werden!!! Coca Cola allen voran gleich nach der Waffenproduktion! WO SIND DENN DA DIE GRENZEN? EINE WICHTIGE FRAGE! Hoffendlich erst da wo wir in dieser Richtung Politik machen: In Richtung der Welt welche wir auch in 2 Generationen noch bewohnen und noch dazu mit steigender Gesundheit und Zufriedenheit beleben werden!

  • Christelle Vasiljevic am 14.04.2017 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Moral und Ethik

    Bravo Frau Schneider, Sie haben Mut! @ Herrn Walti, dass ist ein unangemessener vergleich, denn jeder kann selbst entscheiden, ob er Coca Cola trinken will. Mit Atomwaffen werden zu oft unschuldige Zivilisten getötet. Moral und Ethik sollten wieder mehr Thema sein in der Geschäftswelt!

  • Er Staunt am 13.04.2017 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt genau

    Wieso schaut wer so lange zu, bis der ganze satz fertig geschrieben ist? Ist ja schon ok, es stimmt ja auch.

  • Moritz am 13.04.2017 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tempo

    Wenn die polizei nur überall so schnell wäre! Herr wolf soll sich da ein beispiel nehmen.

  • Bewunderer am 13.04.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz mutig

    Ganz toller einsatz der polizei! Eine 86jährige frau mitnehmen, das braucht schon mut!