Stradivari-Finder

31. Juli 2012 18:04; Akt: 31.07.2012 18:04 Print

«Den Finderlohn würde ich nicht ausplaudern»

Pascal Tretola hat die millionenschwere Geige im Zug gefunden und dem Besitzer zurückgegeben. Mit einem SMS hat sich dieser bedankt. Ob er auch noch Finderlohn zahlt, bleibt ein Geheimnis.

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Die Geigen des Italieners Antonio Stradivari sind die teuersten der Welt. (Bild: Keystone/AP/Lefteris Pitarakis)

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Stradivari-Geigen - kostbare Einzelstücke von unschätzbarem ideellem Wert: Die Besitzer bleiben meistens verborgen, die Instrumente sind bewacht und behütet. Nicht so letzten Freitag in der Berner S-Bahn: Hier liess ein Mann das teure Instrument einfach liegen. Den Verlust bemerkte er zu spät - der Zug war weitergefahren und das Zugpersonal konnte die Geige nicht finden. Glücklicherweise war sie in ehrliche Hände geraten: Am Sonntag gab Pascal Tretola die Stradivari in Bern ab.

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«Ich war auf dem Weg nach Hause, als ich das Instrument auf der Gepäckablage bemerkte», erzählt der 24-Jährige. Zuhause hätte er den Koffer geöffnet und einen Ausweis des berühmten Thuner Geigers Alexandre Dubach. «Ich versuchte, ihn zu kontaktieren», so Tretola. Doch er habe Dubach nicht erreicht. «Wäre es eine billige Schülergeige gewesen, hätte ich vielleicht selbst noch darauf herumgequietscht», meint der Finder scherzhaft. Doch er habe geahnt, dass es sich um ein teures Stück handelt.

Bis zu 6 Millionen Franken wert

Gleich nach dem Erhalt der Stradivari habe sich Dubach dann bei ihm gemeldet, erzählt Tretola. «Er hat mir ein SMS geschrieben und sich herzlich bedankt.» Den Finderlohn habe er noch mit dem Besitzer aushandeln wollen. Doch der 24-Jährige würde die Höhe der Entlohnung sowieso nicht verraten. «Das wird ein Geheimnis bleiben.»

Rund zehn Prozent beträgt der hierzulande als angemessen empfundene Finderlohn. Dies würde den Finder auf einen Schlag um ein kleines Vermögen reicher machen - denn die Stradivari ist mehrere Millionen Franken wert. «Das Spektrum ist gross, das Instrument hat wohl einen Wert von 1,5 bis 6 Millionen Franken», sagt der Berner Geigenbaumeister Daniel Kunzmann.

Kunzmann schätzt, dass es in der Schweiz rund 20 Stradivari-Geigen gibt. Oft sind die Instrumente im Besitz von Banken, Stiftungen oder reichen Privaten. «Eine Stradivari ist eine Anlage», sagt Kunzmann. Trotz des Wertes der Geige könnte der Finder leer ausgehen. Er hat rechtlich gesehen keinen Anspruch auf eine Entlohnung. «Grundsätzlich gibt es zwar einen Anspruch, jedoch handelt es sich hier um einen Anstaltsfund», erklärt der Rechtsanwalt Martin Steiger.

Ein Fundgegenstand muss aufbewahrt werden

Auf einen, gemäss Gesetzbuch «angemessenen Finderlohn» kann nur pochen, wer den Gegenstand nicht in einem öffentlichen Gebäude oder Verkehrsmittel findet. «Der Finder ist im Fall des Stradivari-Funds die SBB. Und diese hat keinen Anspruch auf einen Finderlohn», so Steiger. Ausserdem bedeute ein millionenteurer Verlust nicht automatisch ein hoher Finderlohn. Im Gegenteil: «Je wertvoller der Fundgegenstand ist, desto geringer ist der angemessene Finderlohn», sagt der Jurist. «Im Fall der Stradivari wäre ein Zehntel sowieso unangemessen.»

Das Auszahlen eines Finderlohns bleibt Ehrensache, das Erfüllen der Finderpflicht jedoch ist gesetzlich. «Ein Fund muss publik gemacht und der Gegenstand aufbewahrt werden», so Steiger. Erst wenn sich fünf Jahre niemand nach dem Gegenstand erkundigt hat, wandelt sich dieser zum Besitz des Finders. Oder wird verkauft: Roland Widmer, Geschäftsführer von fundsachenverkauf.ch, schätzt, dass schweizweit durchschnittlich jeden Tag ein Instrument liegen gelassen wird. Pro Jahr sei etwa eine Geige dabei. «Eine Stradivari hatten wir jedoch noch nie.»

(dwi/fum)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Je nach Interessen des Finders können sie sich ja auch auf etwas anderes einigen. In diesem Fall wäre z.B. ein Privatkonzert naheliegend, sicher ein einmaliges Erlebnis. Als Finderlohn sind die Beträge in der Umfrage sehr schlecht gewählt, max. 100Fr. ist etwas mickerig für eine Stradivari, 10% wäre bei dem Wert aber übertrieben. Kommt ganz auf die Möglichkeiten des Besitzers an. – root

Eigentlich sollte es gar keinen Finderlohn geben sonder eine Anzeige wegen Diebstahl, den wer unrechtmässig sich Gegenstände aus einem oeffentlichen Fahrzeug (SBB) mit nimmt muss bestraft werden. Wo kämen wir da hin wenn jeder einfach alles mit nimmt was andere Fahrgäste vergessen. Die SBB hat sicher ein Fundbüro wo solche vergessenen oder verlorene Gegenstände aufbewahrt werden wo sich auch die rechtmässigen Besitzer wenden koennen. Zum Glück gibt es noch einige ehrliche Personen die so ein Wertvolles Musikinstrument zurrück geben. – Andy M

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Winfried, Basel am 31.07.2012 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gebrauchsgegenstand, keine Wertanlage

    Wenn der Fahrgast die Geige nicht mitgenommen hätte, wäre ein Kondukteur auf die herrenlose Geige aufmerksam geworden und hätte sie zum Fundbüro gebracht. Man weiss auch nicht, ob der Finder die Geige auch dann abgegeben hätte, wenn kein Fahndungsfoto veröffentlicht worden wäre. Ausserdem ist eine Geige für den Besitzer in erster Linie ein Musikinstrument (Gebrauchsgegenstand) und keine Wertanlage. Ein symbolischer Betrag als Finderlohn wäre daher angemessen.

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  • Marie am 02.08.2012 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Finderlohn

    Ich würde keinen Finderlohn erwarten. Für mich ist es Ehrensache, etwas entweder aufs Fundbüro zu bringen oder dem Besitzer direkt zurückzugeben. Wer etwas besitzt, dass einen Millionenwert hat, muss noch lange nicht wohlhabend sein. KANN, muss aber nicht. Ausserdem ticke ich so: Warum ein Finderlohn? Wenn es freiwillig aus Dankbarkeit geschieht, à la bonheur, aber sonst ist das in meinen Augen Nötigung: gib mir Geld, sonst bekommst Du Deine Sachen nicht mehr. Sachen gibt's!

  • roger hasler am 31.07.2012 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gerechtigkeit

    ich fände es eine absolute frechheit wen er keinen finderlohn bekäme da die geige teuer ist !!!!!!!!!!!!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • kiki am 03.08.2012 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Situativ

    Denke das wird die Situation schon zeigen. Wohnt der Besitzer in einem schönen Villen-Quartier und ist sehr wohlhabend, sollte der schon was springen lassen. Ist der aber an die Geige als z.B. Erben gekommen und spielt diese nun aus Leidenschaft, dann wäre ein gratis Konzertbesuch auf Lebzeiten auch ein toller Finderlohn. Ganz klar ist es toll, dass der Finder diese Geige aufs Fundbüro gebracht hat! Das alleine verdient einen Orden

  • Andy K. am 03.08.2012 05:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrenwert gehandelt.

    Ich weis nicht was hier alle haben. Der junge Mann hat ehrenwert gehandelt. Wenn ich mir die Berichte so anschaue, wie man Heute auf seine Wertsachen im Zug aufpassen sollte. Dann wäre so ein Geigenkoffer für diese "langfinger" ein echter Glücksgriff. Ausserdem in einer S-Bahn hat es ja Heute so selten einen Kondukteur der diese Geige dann auch hätte "finden" können. Das einzige was man vieleicht anmerken kann. Der Finder hätte die Geige auch gleich an seinem Zielbahnhof am Schalter abgeben können.

  • Dave am 02.08.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    10%? :)

    Finderlohn wäre sicherlich angebracht, jedoch sind viele Stradivari Spieler gar nicht die wirklichen Besitzer und könnten sich niemals ein Finderlohn von 10% leisten!

  • Marie am 02.08.2012 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Finderlohn

    Ich würde keinen Finderlohn erwarten. Für mich ist es Ehrensache, etwas entweder aufs Fundbüro zu bringen oder dem Besitzer direkt zurückzugeben. Wer etwas besitzt, dass einen Millionenwert hat, muss noch lange nicht wohlhabend sein. KANN, muss aber nicht. Ausserdem ticke ich so: Warum ein Finderlohn? Wenn es freiwillig aus Dankbarkeit geschieht, à la bonheur, aber sonst ist das in meinen Augen Nötigung: gib mir Geld, sonst bekommst Du Deine Sachen nicht mehr. Sachen gibt's!

  • Elfi am 01.08.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Finderlohn

    Ein Kollege und Ich haben auch mal ne tasche am rhein gefunden.. durch den Terminkallender ihre tel. nr herausgefunden... sie war überglücklich da ihr lieblingsbuch noch drinn war.. was wir bekamen ? Ein lächeln und eine flasche prosecco... ! Das lächeln hätte und schon gerreicht :).

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