Mühleberg BE

13. Mai 2014 18:43; Akt: 13.05.2014 19:02 Print

AKW will Strahlungsdaten nicht herausrücken

Ein Spezialist hat die radioaktive Strahlung des AKW Mühlebergs gemessen. Weil die Betreiber keine Daten zum Vergleich herausgeben wollen, geht er nun vor Gericht.

storybild

AKW Mühleberg: Greenpeace befürchtet hohe Mengen an radioaktiven Gasen. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Strahlenschutz-Spezialist Marco Bähler sorgt sich um die Gesundheit der Anwohner beim AKW in Mühleberg. Gemäss seinen Messungen gibt das Atomkraftwerk während der Jahresrevision teils massiv mehr Radioaktivität in Luft und Wasser ab als normal. Seine Daten wollte Bähler mit jenen der AKW-Betreiberin BKW und des eidgenössischen Nuklear-Sicherheitsinspektorats ENSI vergleichen – doch beide Stellen weigern sich, diese herauszugeben. Deshalb zieht er nun vors Bundesverwaltungsgericht. «Ich führe diesen Kampf seit drei Jahren – ich spüre in mir die tiefe Verpflichtung, für die Generation nach uns einzustehen und die Umwelt zu schützen», sagt der Greenpeace-Aktivist. Radioaktive Strahlung sei besorgniserregend, weil sie potentiell Krebsleiden verursachen würde.

Alarmierende Werte

Bähler prangert insbesondere die radioaktiven Emissionen im Jahr 2012 an: Damals will er massiv hohe Werte gemessen haben. Weil das ENSI nur aufsummierte Jahreswerte veröffentlicht, forderte Bähler deshalb Einsicht in die Daten, um auch temporäre Konzentrationen herauslesen zu können. Die Daten werden am AKW-Hochkamin im Zehnminuten-Takt erfasst – die Betreiberin BKW liefert sie dann an das ENSI.
Doch dieses verweigerte Bähler die Einsicht und berief sich auf eine Vereinbarung zwischen AKW-Betreibern und Aufsichtbehörde.

Greenpeace ortet nun eine Vertuschung: «Ich befürchte dass sich Aufsichtsbehörde und Betreiber zur Herausgabe der Daten weigern, weil vom AKW deutlich mehr Radioaktivität freigesetzt wird, als bisher zugegeben», so Florian Kasser, Atomcampaigner der Umweltorganisation.

Datenschützer fordert Freigabe

Um trotzdem an die Messwerte zu gelangen wandte sich Strahlenschutz-Spezialist Bähler an den eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Mit Erfolg: Dieser stützte seine Argumentation und empfahl dem ENSI, die geforderten Daten freizugeben. Doch weder dieses noch die AKW-Betreiberin BKW lieferten die Daten: «Sie werden im Interesse des Notfallschutzes freiwillig dem ENSI zur Verfügung gestellt – es handelt sich nicht um ein amtliches Dokument. Folglich ist die BKW nicht verpflichtet, sie einer Privatperson abzugeben», sagt BKW-Sprecher Antonio Sommavilla.

Marco Bählers Kampf vor dem Bundesverwaltungsgericht könnte ihn bis zu 20'000 Franken kosten. «Ich trage das finanzielle Risiko selber – doch Private und Organisationen haben mir ihre Unterstützung zugesichert.»

Dass die Berner am 18. Mai über die Initiative Mühleberg vom Netz abstimmen und er nun bekanntgegeben habe vors Bundesverwaltungsgericht zu ziehen, sei ein Zufall. Bis der Fall verhandelt werde, könne es ein Jahr dauern.

(lex/smü)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 13.05.2014 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte!!!

    Diese Daten gehören an die Öffentlichkeit! Wenn ein AKW solche Daten nicht selbstverständlich rausgibt, stimmt logischerweise etwas nicht und diese Anlage gehört sofort abgestellt!!

  • Thomas Betschart am 14.05.2014 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Veröffentlichen

    Also, ich würde die Daten veröffentlichen. Leider hat die Industrie hier wieder einmal nicht erkannt, dass zurückbehalten jedweder Daten sofort Verschwörungstheorien schürt. Deshalb wäre eine etwas progressivere Informationsstrategie von Vorteil - denn das Sichten der Daten wird höchstwahrscheinlich nichts alarmierendes zu Tage fördern - einmal mehr eine verpatzte Chance der Betreiber, für Vertrauen zu sorgen.

  • hans muster am 13.05.2014 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    veröffentlichen

    warum veröffentlicht der gute herr nicht seine resultate? wenn er alles wissenschaftlich korrekt gemacht hat, sollte es ja kein problem sein? finde aber, dass auch die bkw ihre daten veröffentlichen müssten. gleich wie lebensmittelkontrolleure ihre restaurant-testergebnisse. transparenz ist wichtig.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mao am 14.05.2014 00:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geigerzähler

    Man kaufe sich ein Geigerzähler ud misst die Strahlung einfach selbst! Ohne AKW's läuft nunmal nix, dass geht bloss diesen "Aktivisten" nicht in den Kopf.

  • döme am 14.05.2014 00:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfff

    war einer vin diesen das akw muss sofort weg sagern schon mal in einem akw und hat sich das brennelementebecken angeschaut? bestimmt die wenigsten. die stralungsleistung dabei ist etwa ums 10000 fache kleiner als bei einer röntgenaufnahme. also lasst mal das ensi seine arbeit machen und glaubt nicht jedem heini mit seinem strahlenmesser!

    • Liselote Meier am 14.05.2014 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Sicherlich

      Musst aber noch unterscheiden zwischen Urandioxid und Mox-Brennstäbe. Gösgen und Benznau werden Mox-Brennstäbe verwendet. Mox-Brennstäbe sind schon vor ihrem Einsatz im Reaktor höchst gefährlich, ihr Transport erfordert deswegen aufwendige Sicherheitsmaßnahmen. Die Gefahren im Reaktorbetrieb sind durch MOX-Brennelemente ebenfalls erhöht, insbesondere weil eine Freisetzung des Plutoniums (welches in höherer Konzentration vorliegt als in anderen Brennelementen) verheerende Auswirkungen vor allem für die nähere Umgebung haben kann. Auch sind unkontrollierte Reaktion im Abklingbecken möglich.

    einklappen einklappen
  • Dani am 14.05.2014 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    M Budget Geigerzaehler

    Baehler soll erst einmal beweisen, das seine Daten richtig sind.

  • Thomas Betschart am 14.05.2014 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Veröffentlichen

    Also, ich würde die Daten veröffentlichen. Leider hat die Industrie hier wieder einmal nicht erkannt, dass zurückbehalten jedweder Daten sofort Verschwörungstheorien schürt. Deshalb wäre eine etwas progressivere Informationsstrategie von Vorteil - denn das Sichten der Daten wird höchstwahrscheinlich nichts alarmierendes zu Tage fördern - einmal mehr eine verpatzte Chance der Betreiber, für Vertrauen zu sorgen.

  • Bürgler am 13.05.2014 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Gegner

    Ach ihr mit eurem Geschwätz. Jedesmal braucht ihr nur zwei Schlüsselwörter und zwar Fukushima und Tschernobyl. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit das die Schweiz von einem Tsunami getroffen wird? Ist der Reaktor von Mühleberg etwa einer vom Typ RMBK-1000? Das einzige was ihr mit euren Kommentaren bewirkt ist, dass die Leute nicht mehr zuhören, weil ihr immer das gleiche Predigt und gleichzeitig Atomstrom bezieht. Wasser predigen und Wein trinken. Typisch.

    • Rudolf Häni am 14.05.2014 00:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Befürworter

      Es muss ja kein Tsunami sein, aber Hochwasser genügt ja auch schon, die Aare ist gleich neben an! Nimm einem AKW den Strhom für die Kühlpumpen und es wird Interessant. Habe auch schon mal eine Führung gehabt in Mühleberg. Finde es immer schön wie sie suggerieren, dass bei einer Notabschaltung die Kernreaktionen mittels Steuerstäben gestopt werden. Nun das ist ja auch nicht das problem, nur die Beta-Zerfälle lassen sich eben nicht stoppen. Aber generell, ist es schon merkwürdig, wenn Daten so zurückgehalten werden...

    • livia am 14.05.2014 01:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      rostige fässer

      Ach und die Endlager sind dir egal? Und was ist mit denn Fässern mit radioaktivem Abfall welche zu tausenden im Meer versenkt wurden und jetzt beginnen zu rosten?

    • Stephan am 14.05.2014 02:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ignoranz

      Die Russen und die Japaner hielten ihre Reaktoren auch für unfehlbar... Unglaublich, diese Ignoranz...

    • Hahna K am 14.05.2014 04:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nachwelt egal?

      Es geht nicht nur um eine katastrophe zu verhindern es geht auch um den müll der so eine ahnlage produziert und die leute die nach uns kommen müssen die enormen kosten und das restrisiko tragen dass ist nicht einfach nicht fair nur weil wir ,,billigen,, strom wolten.

    • jfi am 14.05.2014 05:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      menschliches Versagen

      ich habe keine Angst vor einem Tsunami noch vor einem Erdbeben......aber vor menschlichem Versagen !!!! Dies ist die grösste Gefahr welche einen GAU verursachen kann !!!!

    • Patrick Soppelsa am 14.05.2014 05:45 Report Diesen Beitrag melden

      Tschernobyl,Fukushima und Lucens

      Wir hatten in der Schweiz, zwischen Lucens und Moudon, 1969 einen Atomunfall , der auf der INES Scala immerhin 5 erreicht und somit nach Fukushima und Tschernobyl weltweit der drittschwerste Unfall war. Das wird aber von den KKW Gegnern stillschweigend unter den Teppich gekehrt, warum wohl? Die ganze Gegend ist gut 40 Jahre später immer noch keine nukleare Wüste, die Anlage wird inzwischen als Archiv für Kulturgüter benutzt. Und übrigens alleine in der Schweiz "produziert" der öV jedes jahr mehr Tote als Fukushima, trotzdem wird ihn niemand abschaffen wollen.

    • Irgend Jemans am 14.05.2014 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lucens

      Man kann auch ein anderes Beispiel nennen: Den Kernreaktor Lucens im Kanton Waadt. Dort hat es 1969 auch einen Reaktorunfall gegeben. Unser Glück ist, dass das Ding in einen Berg gebaut wurde. Googelt mal danach.

    • Dani Wyss am 14.05.2014 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kein Atomstrombezieher

      Ich gebe Ihnen noch 3 zusätzliche Schlüsselwörter: Reaktor Lucens 1969, Baubeginn Mühleberg 1967, Endlager in Ihrem garten?!

    einklappen einklappen