Zieglerspital

05. Mai 2015 18:00; Akt: 05.05.2015 18:00 Print

Asylzentrum sorgt für Diskussionen

von Andrea Muff - Dass das Zieglerspital eine Asylunterkunft werden könnte, löst Debatten aus. Die Quartierkommission zeigt sich jedoch offen gegenüber dem Vorhaben.

storybild

Zwischennutzung: Im Berner Zieglerspital sollen dereinst Asylsuchende untergebracht werden. (Bild: meo)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Herbst schliesst das Berner Zieglerspital seine Pforten. Doch das Gebäude soll nicht leerstehen, sondern zur Asylunterkunft werden: GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim und die städtische SP-Fraktion haben diesbezüglich eine Motion eingereicht. Nun müssen sich Stadt- und Kantonsparlament mit den Vorstössen befassen.

Im Stadtteil erstaunt das Vorhaben. «Wir wussten, dass das Spital bald nicht mehr in Betrieb sein wird, doch haben eher mit neuen Wohnungen gerechnet», sagt der Co-Präsident Daniel Imthurn der Quartierkommission Stadtteil 3. Dass die Betten künftig von Flüchtlingen benutzt werden sollen, sei für ihn daher neu und intern noch nicht diskutiert worden.

Bundesasylzentrum wird Widerstand auslösen

Ob das Asylzentrum eher kurz- oder langfristig bestehe, werde für die Bevölkerung des Quartiers eine wichtige Frage sein. «Als kurz- oder mittelfristige Lösung sehe ich keine grossen Probleme», so Imthurn. Doch wurde bereits die Idee geäussert, dass aus dem Spital ein Bundesasylzentrum werden könnte. Dazu FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser: «Die Bundesverwaltung hat natürlich auch bemerkt, dass das Spital ab Herbst leerstehen wird und eventuell als Bundesasylzentrum umfunktioniert werden könnte», sagt er. Diese Idee wiederum kommt bei der Stadt Bern nicht gut an. «Wir haben im Gemeinderat entschieden, dass wir kein Bundeszentrum wollen», so Gemeinderat Alexandre Schmidt gegenüber dem «Bund». Dieser Meinung ist auch Imthurn: «Ich denke, das wird die Bevölkerung sehr bewegen und allenfalls Widerstand auslösen.»

«Wir erwarten, von der Stadt oder vom Kanton proaktiv informiert zu werden», sagt Imthurn weiter. Die Aufgabe der Quartierkommission bestehe dann darin, die Befürchtungen der Anwohner zu sammeln, zu relativieren und der Stadt oder dem Kanton zu melden.

Reaktionen der Quartierbewohner

Erste Befürchtungen äusserte eine Quartierbewohnerin gegenüber 20 Minuten: «Ich wohne in der Nähe und bin gar nicht begeistert von der Idee. Schlimm genug, dass das Krankenhaus schliesst – das gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Was sie jetzt vorhaben, löst gerade das Gegenteil aus.» Passanten vermuten in der Idee eine Übergangslösung: «Die Idee einer Zwischennutzung drängt sich auf, bis die Stadt weiss, was sie daraus machen möchte.»

In Zug funktioniert die Idee

In der Stadt Zug wurde bereits 2009 das alte Kantonsspital in eine Asylunterkunft umgewandelt. «Die Umnutzung läuft sehr gut und wir haben keine Probleme mit der Stadtbevölkerung», sagt Caroline Huber, Abteilungsleiterin Soziale Dienste Asyl. Das alte Krankenhaus bietet rund 120 Personen ein Dach über dem Kopf: «Auch die Bewohner schätzen die Unterkunft sehr – vor allem die Nähe zur Stadt», so Huber.

Der Weg zur Umsetzung in Bern wird aber noch lang sein: «Die Idee, ein oberirdisches Durchgangszentrum einzurichten, wird von Kanton und Stadt begrüsst», so Käser. Weitere Abklärungen seien aber noch nötig. «Sicher muss auch die Gemeinde Köniz mit ins Boot geholt und auch die Eigentümer des Spitals müssen noch angefragt werden», sagt Käser.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hopel am 06.05.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quizfrage

    Da wird über eine Asylunterkunft für 120 Personen diskutiert und in dieser Zeit kommen mindestens so viele Flüchtlinge über das Mittelmeer, mit dem Ziel Schweiz. Kann mir jemand sagen, wie das weitergehen soll?

    einklappen einklappen
  • R. Feller am 05.05.2015 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RS Umbau

    Man könnte auch die Reitschule in Bern für die Einquartierung von Asylbewerbern aus-und umbauen. Somit würde die RS noch für etwas Gutes gebraucht.

  • Wohnraum am 05.05.2015 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohnraum schaffen!

    Zieglerspital schliessen und Wohnraum schaffen! Es kann nicht sein, dass beste Wohnlage einem Asylzentrum weichen muss.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • DinChef am 06.05.2015 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch, meinen Segen habt ihr

    Die Idee ist gut. Besser, als in einer 450-Seelen-Gemeinde eine Unterkunft mit 180 Plätzen auf die Beine zu stellen. Ich gönnte es den Bernern von Herzen, stehen sie doch seit jeher für eine gute soziale Durchmischung, vertreten soziale und Multikulturelle anliegen und von der Regierungszusammensetzung her gesehen passt das wie die Faust aufs Auge. Ausserdem soll auch die Bundeshauptstadt ein eigenes Bundesasylzentrum führen dürfen. Von daher: Daumen hoch

  • Leonard Thüler am 06.05.2015 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ein guter Vorschlag

    Gute Idee. Immerhin hätten die Flüchtlinge dort den Lebensstandard, den sie eigentlich verdienen würden. Es muss aufhören, dass wir Flüchtlinge wie kriminelle behandeln. Sonst rutschen wir wieder zurück in eine Zeit wie vor 60 Jahren. Ich bin überzeugt von diesem Projekt.

  • Kurt am 06.05.2015 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausbesetzer

    Da es beschlossene Sache vom Bund ist, Asylbewerbern aufzunehmen, ist es nun einmal ihre Pflicht, Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Und wenn es im Verhältnis zu den Übrigen Bewohner stimmt, ist Bern ja der rechte Platz dafür. Zudem ,wieso soll ein Gebäude leer stehen, ist ja nur eine Einladung an Hausbesetzer!

    • Marianne am 06.05.2015 23:12 Report Diesen Beitrag melden

      Und wer denkt an uns?

      Man könnte es ja umnutzen! Günstige Wohnungen werden immer seltener. Keine Ahnung was da läuft. Überall stehen fast nur noch luxuriöse Wohnungen zur Auswahl. Wir brauchen dringend Wohnraum! Mein Sohn wäre froh, wenn er eine günstige Wohnung, und nicht einen Luxuspalst, irgendwo finden würde. Hotel Mama hat jetzt nämlich genug!

    einklappen einklappen
  • Hopel am 06.05.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quizfrage

    Da wird über eine Asylunterkunft für 120 Personen diskutiert und in dieser Zeit kommen mindestens so viele Flüchtlinge über das Mittelmeer, mit dem Ziel Schweiz. Kann mir jemand sagen, wie das weitergehen soll?

    • Marianne am 06.05.2015 23:16 Report Diesen Beitrag melden

      Grosses Haus

      120 Personen? In dem Bau haben tausende Platz!

    einklappen einklappen
  • Ben Meinrad am 06.05.2015 05:41 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch für unsere Beamten und Co.

    Ich finde das eine tolle Idee. Diese selbstherrlichen Chefbeamten in Bern muten anderen Gemeinde doch auch alles mögliche zu. Es ist wie damals beim Platzspitz in Zürich, als Zürich Hilfe wollte und BR Koller lapidar meinte, mit solchem müssten die Gemeinde halt leben. Er änderte seine Meinung aber SOFORT, als sich auf dem Bundesplatz eine Drogenszene einnistete. So sind halt diese Beamten, Funktionäre und Politiker. Wenn es sie selber trifft, wird mit aller Gewalt reagiert.