Biel

07. Februar 2018 13:09; Akt: 07.02.2018 13:09 Print

Autolenker setzt Machete gegen Velofahrer ein

Für einen Macheten-Angriff wurde ein Mann zu 21 Monaten bedingt verurteilt. Die Tat entwickelte sich aus einer harmlosen Situation. Zum Hergang gibt es verschiedene Versionen.

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Der Fall wurde vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel behandelt. (Bild: 20 Minuten)

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Die Schilderung des Tathergangs beginnt in beiden Versionen harmlos. Am Ende spielen böse Worte sowie eine Machete die Hauptrollen und einer der Beteiligten wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt, wie das «Bieler Tagblatt» am Mittwoch berichtete.

Am 9. August 2015 war ein Ehepaar mittleren Alters gegen Abend mit dem Velo unterwegs nach Hause, als sich plötzlich ein schwarzer Sportwagen nähert. Der Autofahrer drängelt und der Ehemann enerviert sich: «Geits eigentlech no?»

Das lässt der Mann auf vier Rädern sich nicht gefallen, dreht nach erfolgreichem Überholmanöver eine Runde im Quartier und passt dem Ehepaar ab. Noch im Auto sitzend, ruft er dem Ehemann zu: «Wosch Schleg?» und steigt aus dem Fahrzeug aus. In der Hand hält er eine Machete.

Verletzungen an Hand, Gesicht Rücken und Brust

Über einen halben Meter misst die Waffe, alleine die Klinge ist 42 Zentimeter lang. Und diese Klinge wird dem Ehemann zum Verhängnis: Der Autofahrer fügt ihm Schnittverletzungen an Hand, Gesicht Rücken und Brust zu.

So schildern Privatklägerschaft und Staatsanwalt die Vorfälle und fordern für den heute 48-jährigen Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten, davon acht Monate unbedingt.

Eher als Selbstschutz-Aktion stellt die Verteidigung den Tatabend dar: Ein Velofahrer blockiert mit seinem gemächlichen Dahingeradel unnötig die Fahrbahn. Während des Überholmanövers schimpft der Mann auf dem Velo nicht nur lautstark, sondern versucht auch noch dem geliebten Sportwagen des Lenkers einen Fusstritt zu versetzen.

Machete im Fussraum

Um ihn zur Rede zu stellen, macht der Autofahrer eine Extrarunde und spricht ihn mit «Wosch Schleg?» an. «Jo, uf jede Fau» antwortet der Velofahrer und im Affekt greift der Automobilist zur Machete im Fussraum vor dem Beifahrersitz und steigt aus dem Wagen. Aber nicht, um anzugreifen, sondern um einzuschüchtern, wie er vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland erklärt.

Da der Ehemann zu Velo glaubt, es handle sich um einen Schlagstock, greift er in die Klinge, wodurch er sich an der Hand verletzt. Im darauffolgenden Gerangel zieht sich der Gatte die restlichen Schnittwunden zu, obschon sein Widersacher versucht, die Machete aus dem Spiel zu nehmen. In Anbetracht dieses Tathergang fordert die Verteidigung eine bedingte Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Verhängnisvolle Grillade

Daraus wird aber nichts: Das Gericht verurteilte den beschuldigten Macheten-Träger zu 21 Monaten bedingter Freiheitsstrafe. Das erstinstanzliche Verdikt kann nun ans Berner Obergericht weitergezogen werden.

Die brennendste Frage zum Schluss: Wieso befand sich eine Machete griffbereit im Auto? Der Verurteilte sei zwei Wochen zuvor bei einer Grillade gewesen, wo er die Machete zum Holzhacken habe verwenden wollen, so die Verteidigung. Anschliessend habe er sie im Auto vergessen.


(ber)