Staatsgelder veruntreut

15. Dezember 2017 16:44; Akt: 15.12.2017 16:50 Print

Beamter zweigte 0,4 Mio für Internetkontakte ab

Ein Berner Kantonsangestellter verpulverte fast eine halbe Million Franken für Internetbekanntschaften in Nordafrika. Am Freitag wurde der 52-Jährige verurteilt.

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Der Ex-Beamte der 430'000 Franken veruntreute, wurde am Freitag im Berner Amtshaus verurteilt. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Ein Ex-Mitarbeiter des Amts für Migration und Personenstand des Kantons Bern hat im Dienst über 430'000 Franken abgezweigt. Das Geld liess der vereinsamte Mann nordafrikanischen Internetbekanntschaften zukommen. Nun ist er vom Gericht zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der heute 52-Jährige wurde am Freitag vom Regionalgericht Bern-Mittelland in einem abgekürzten Verfahren zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 35 Monaten verurteilt. Sieben Monate muss der Mann absitzen, die restlichen 28 Monate sprach das Gericht bedingt aus mit einer Probezeit von zwei Jahren. Dazu kommt noch eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je 30 Franken.

Vereinsamter Beamter

Schuldig gemacht hatte sich der Mann der mehrfachen Veruntreuung als öffentlich rechtlicher Angestellter, der mehrfachen Urkundenfälschung im Amt und der gewerbsmässigen Geldwäscherei, letzteres wegen seiner Geldüberweisungen in den nordafrikanischen Raum.

Der Fall entbehre nicht einer gewissen menschlichen Tragik, betonte der Gerichtspräsident bei der Bekanntgabe des Urteils. Der 52-Jährige sei völlig vereinsamt und perspektivlos.
Der Angeschuldigte arbeitete seit Anfang der 1990er-Jahre beim Amt und war dort «eine gute Seele», wie der Gerichtspräsident es formulierte.

Seine unerfüllten Bedürfnisse versuchte er mit homosexuellen Männerbekanntschaften im Internet zu stillen. Der Mann lernte vorwiegend Nordafrikaner kennen und überwies ihnen Geld, um sie in ihrer Heimat zu unterstützen.

Blindes Vertrauen

2014 begann der Mann, an seiner Arbeitsstelle Geld abzuzweigen. Wo Belege visiert werden mussten, setzte er die zur Visierung berechtigten Arbeitskollegen zeitlich unter Druck oder deckte sie mit grossen Mengen an Belegen ein. So konnte er ein genaueres Hinschauen verhindern.
Dazu kam, dass man ihm als langjährigem Mitarbeiter einfach vertraute.

Man könne nur ungläubig staunen und sich fragen, wie die Vorgesetzten denn ihrer Kontrollpflicht nachgekommen seien, betonte der Verteidiger.

«Da kann man nur den Kopf schütteln»

So war der Angeschuldigte beispielsweise für eine Kasse verantwortlich, deren Umsatz im Jahr 2013 noch bei rund 5700 Franken lag. Dann stiegen die Umsätze zuerst auf knapp 16'000 Franken, dann auf 82'000 Franken und schliesslich im Jahr 2016 auf über 341'000 Franken.

Eine nicht erklärbare Umsatzexplosion von sage und schreibe 5880 Prozent: «Dass das niemand gemerkt hat, da kann man nur den Kopf schütteln», befand auch der Gerichtspräsident.

Wie im Rausch

Er sei damals wie in einem Rausch gewesen, berichtete der ehemalige Amtsangestellte. Irgendwann beschäftigte sich der Mann auch während der Arbeitszeit fast nur noch mit seinen Bekanntschaften, die Arbeit blieb liegen. Dennoch erhielt er von seinem Arbeitgeber eine Leistungsprämie von 500 Franken ausbezahlt.

Vor Gericht machte der voll geständige Angeklagte am Freitag einen sehr geknickten Eindruck. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber und den ehemaligen Arbeitskollegen entschuldigte sich der Mann.

(sda)