Erfolgreich

21. Januar 2015 05:58; Akt: 21.01.2015 05:58 Print

Berner Likör-Tüftler expandieren nach Europa

von Albina Muhtari - Zwei junge Berner machen Likör aus Ingwer. Mit diesem treffen sie nicht nur den Geschmack der Berner – auch im Ausland ist man hellauf begeistert.

storybild

Peppe Jenzer und Simon Borchardt sind mit ihrem Ingwer-Likör unterwegs nach Europa. (Bild: ZVG)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es fing mit einer Schnapsidee an und ist mittlerweile ein Franchise-Unternehmen: Der Ingwer-Likör der beiden Berner Peppe Jenzer und Simon Borchardt. Nun expandieren die Jungunternehmer nach Europa. «Es begann alles bei einer guten Freundin, bei der ich meinen ersten Ingwer-Likör aufgetischt bekam», sagt Musiker und Jugendarbeiter Peppe Jenzer. «Ich fand die Idee mit dem Ingwer interessant, doch ich selbst hatte das Gefühl, der Likör müsste anders sein – nicht so süss und würziger im Geschmack.»

«Monday is Ginger-Day»

Zu Hause machte sich der 29-jährige Berner dann an die Arbeit: Im Internet suchte er ein Basisrezept für Likör und schälte am Küchentisch Ingwerknollen. Was als Schnapsidee begann, wurde zu einem langfristigen Projekt. «Beim Likör kommt der Ingwer in einen Sud aus Apfelsaft und wird mit Alkohol und Gewürzen vermischt. Anschliessend lässt man die Brühe ziehen. Ich habe beinahe ein Jahr am Rezept getüftelt, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war», sagt Jenzer. Nähere Angaben zum Herstellungsprozess möchte er jedoch nicht machen: «Das ist ein Geheimnis.»

Bei seinen Freunden stiess er mit seiner Rezeptur auf Begeisterung; sie wollten mehr vom scharfen Trank. «In meinem damaligen Job hatte ich montags frei. Der Monday wurde so schnell zum Ginger-Day», sagt Peppe Jenzer. «Doch als die Produktion allmählich begann, ein Loch in meinen Geldbeutel zu reissen, beschloss ich damit aufzuhören.»

Seinem Kollegen Simon Borchardt gefiel das ganz und gar nicht. «Ich war von Anfang an begeistert von Peppes Ingwerer. Bei einem Gläschen ist dann eine Geschäftsidee daraus entstanden und wir haben das Unternehmen gestartet, obwohl wir keine Ahnung von der Getränkebranche hatten», sagt Borchardt.

Ingwer-Likör aus Bern in Wien

Der Ingwerer stiess bei den Beizen in der Umgebung auf grossen Anklang und Jenzer und Borchardt stellten ihre ersten Mitarbeiter an. Einige Monate später kosteten Bekannte aus Wien vom Ingwerer und wollen ihn nach Österreich importieren. «Wir beschlossen, mit einem Franchise-Modell zu arbeiten», erzählt Jenzer. «Der Likör wird nun nach unserer Anleitung und in unserem Namen in Wien produziert.»

Zudem seien die Jungunternehmer in Verhandlung mit einem weiteren Abnehmer innerhalb der EU. Eine Produktion in der Schweiz für das Ausland kommt für die beiden Berner nicht in Frage. «Es wäre unsinnig und nicht ökologisch, den Likör in der Schweiz herzustellen, um ihn beispielsweise nach Österreich zu exportieren.» In der Schweiz wurden mittlerweile 2500 bis 3000 Flaschen Ingwerer produziert.

Unterstützung kultureller Projekte

Noch können Jenzer und Borchardt nicht von den Einnahmen leben. Sie arbeiten jeweils am Sonntag und produzieren rund 180 Flaschen Ingwer-Likör pro Arbeitstag. Die Entwicklung gehe jedoch in Richtung Umsatz, sagt Borchardt. «Ganz wichtig ist uns auch, dass wir alles selbst finanzieren. Mit externen Krediten wollen wir nicht arbeiten.»

Einen Teil der Einnahmen wollen Jenzer und Borchardt zudem an gesellschaftliche und kulturelle Projekte spenden. «Mit unserem Brand möchten wir jungen Leuten vermitteln: Habt Ihr eine Idee, probiert es einfach aus! Auch wir hatten keine Ahnung von der Getränkebranche und haben es einfach versucht.»