Sanierung

10. Juni 2018 14:53; Akt: 10.06.2018 17:13 Print

Berner sagen Ja zu 3-Mio-Kredit für die Reitschule

Das Stadtberner Stimmvolk stellt sich hinter den Kredit von drei Millionen Franken für die Grosse Halle der Berner Reitschule.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Grosse Halle auf dem Reitschul-Areal kann saniert werden. Die Stadtberner Stimmberechtigten haben den Baukredit von drei Millionen Franken am Wochenende mit Zweidrittels-Mehrheit gutgeheissen.

Mit einem Ja-Stimmenanteil von 65,8 Prozent fiel das Votum wie erwartet deutlich aus. 20'863 Stimmberechtigte legten ein Ja in die Urne, 10'840 ein Nein. Abgelehnt wurde die Vorlage einzig in Bümpliz/Bethlehem, wo 55 Prozent ein Nein in die Urne legten.

Insgesamt sah es die Mehrheit der Stimmenden aber anders: Die Stadt sei als Eigentümerin der Liegenschaft verpflichtet, für eine angemessene Instandhaltung zu sorgen. Die drei Millionen seien nötig, um den Brandschutz sicherzustellen, die Kanalisation zu sanieren und die Infrastruktur zu verbessern.

Stadtpräsident Alec von Graffenried freute sich über das «sehr solide» Ja, das seine Erwartungen übertroffen habe. «Damit können wir den Betreibern eine Infrastruktur bieten, die den heutigen Anforderungen an die kulturelle Nutzung gerecht wird», sagte von Graffenried vor den Medien.

Erneute Niederlage der Reitschul-Gegner

Das Referendum dagegen ergriffen hatte SVP-Nationalrat Erich Hess zusammen mit Getreuen. Für sie ist das Reitschul-Areal ein rechtsfreier Raum mit einem Gewaltproblem und mit Drogenhandel, aber auch ein Zufluchtsort für Linksextreme. Der «Schandfleck von Bern» müsse endlich verschwinden, fordern sie.

Trotz der Zustimmung aus dem Volk sieht Hess das Resultat nicht per se als Niederlage: «Ich habe von Anfang an mit einem Ja gerechnet – jedoch rechnete ich mit einer viel grösseren Zustimmung der Stadtberner», so der Politiker gegenüber 20 Minuten. Die 65,8 Prozent würden seiner Meinung nach zeigen, dass die Reitschule in der Bundesstadt an Rückhalt verloren habe. «Wir werden die Resultate nun analysieren. Danach sehen wir, was es diesbezüglich zu tun gibt», sagt der SVPler. Er gebe erst auf, wenn der «rechtsfreie Raum» der Stadt Bern verschwunden sei.

Die Reaktion von Reitschul-Befürwortern kam prompt:


Mit dem Hashtag «7zuO» deutet SPler David Stampfli den langen und bisher erfolglosen Kampf der Gegner an: Für diese ist es die sechste Niederlage in der sechsten Reitschul-Abstimmung. Eine siebte kassierte Erich Hess kürzlich vor Bundesgericht: Die Lausanner Richter hielten es für nicht zulässig, Hess' kantonale Initiative gegen die Reitschule vors Volk zu bringen.

Auch Rehag-Grube gutgeheissen

Nicht nur für den Berner Zankapfel stimmte man am Sonntag in Bern ab: Auch die Rehag-Grube in Bümpliz kann aufgefüllt und danach renaturiert werden. Die Stimmberechtigten der Stadt Bern haben am Wochenende die Zonenplan-Änderung mit 59 Prozent Ja-Stimmen gutgeheissen.

17'672 Stimmende legten ein Ja in die Urne, 12'185 lehnten die Vorlage ab. Die Stimmbeteiligung betrug 38,5 Prozent, wie die Stadt Bern mitteilte.

Die Tongrube der ehemaligen Ziegelei soll mit sauberem Aushub und Bauschutt aufgefüllt werden. Anschliessend soll auf dem Areal ein Naturschutzgebiet entstehen.

SP verliert

SP, einige kleine Linksparteien und Naturschützer lehnten die Vorlage ab. Die Grube beheimate einen einzigartigen Lebensraum und biete ein Refugium für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen. Die Planung müsse den Erhalt der Biodiversität in den Mittelpunkt stellen.

Die Befürworter der Vorlage entgegneten, eine Deponie für Bauabfälle in Stadtnähe vermeide lange Transportwege. Langfristig entstehe ein neues Erholungsgebiet mit einem Biotop von höchster Qualität.


(miw / sdaa)

Kommentarfunktion geschlossen
Wir danken für Ihr Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nico am 10.06.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Überraschung

    Immer gross gegen das "System" kämpfen, aber das Geld nimmt man dann doch trotzdem gerne...

    einklappen einklappen
  • NaNu MamDa am 10.06.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich...

    ...wenn man bedenkt, dass gerade die Reitschule -Anhänger & Befürworter sich für die Überwindung des Kapitalismus aussprechen. :-D Beim 3-Mio-Kredit sind dann plötzlich die Selben fürs Gross-Kapital, wenn es im eigenen Nutzen ist!

    einklappen einklappen
  • Jenny am 10.06.2018 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reitschule

    Man kann es kaum glauben, ständig ein Theater und Polizeieinsätze, aber die Stimmbürger werden nicht schlauer. Man muss sich schämen eine Bernerin zu sein!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche G. am 11.06.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Rehag-Grube

    Diese Grube hatte sich - nach dem Einstellen des Tonabbaus - von ganz alleine und auf natürliche Art, über Jahre zu einem schützenswerten Ort renaturiert. Die x-hundert Amphibien-, Insekten- und Vogelarten, welche dort bereits vorhanden sind, werden durch das Aufschütten getötet oder vertrieben. Nach dem Kassieren für den Bauschuttablad, wird dann das Gebiet wieder zu einem Naturrefugium zurückgestaltet. Ich bin mir sicher, dass die meisten Ja-Stimmen ohne Kenntnis der Sachlage zustande kamen. Da kann man nur den Kopf schütteln.

  • Mirco am 11.06.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Doch Kapitalisten?

    Hier von einem Sieg zu sprechen ist doch ein Riesen-Witz David Stampfli SP! Leute die ständig Antikapitalismus propagieren sollte man nicht noch finanziell unterstützen. Selber streichen, selber renovieren, macht einmal selber was für diesen Schandfleck.

  • Mirco am 11.06.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Gegen Kapitalismus aber für 3 Millionen von der Stadt Bern, finde den Fehler...

  • Mauro am 11.06.2018 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Kapitalismus????? Was dann?

    Geld ist immer willkommen, Regeln einhalten ein Fremdwort und die dummen Berner sagen noch immer ja! Unglaubliche Frechheit so etwas!

  • Lukas am 11.06.2018 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wie heuchlerisch ist das denn?

    Die Anti-Kapitalisten nehmen aber immer sehr gerne Geld entgegen! Ein Hohn gegenüber jedem Kultur-Betrieb!