Kinderporno-Verdacht

19. März 2014 07:27; Akt: 19.03.2014 08:36 Print

Betroffene Mutter erhebt Vorwürfe gegen Köniz

von Roman Neumann - Die Polizei durchsuchte das Haus von Tageseltern in Köniz – Verdacht auf Kinderpornografie. Drei Kinder wurden dort betreut. Deren Mutter nimmt die Behörden in die Pflicht.

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In Köniz wird überprüft, ob von Tageseltern künftig ein Strafregisterauszug verlangt werden muss.

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Am Donnerstag, 6. März, um 7 Uhr fahren mehrere Fahrzeuge der Kantonspolizei in Köniz vor einem Haus vor. Beamte in Zivil steigen aus. Gleichzeitig bringt Therese Lüthi* ihre drei Kinder zu derselben Adresse.

Es ist das Haus einer Tagesmutter, die sich einmal in der Woche um die Kinder von Lüthi kümmert. Sie wurde ihr von der Kinderbetreuungsstelle Köniz (Kibe) vermittelt. Die Polizei interessiert sich vor allem für den Computer des Ehemannes der Tagesmutter und beschlagnahmt Geräte. Es bestehe der Verdacht auf kinderpornografisches Material. Die Schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) hatte eine Verdachtsmeldung abgesetzt.

Therese Lüthi lässt ihre Kinder an diesem Tag bei der Tagesmutter – sie wird von der Polizei nicht informiert. Schliesslich fragt sie die Tagesmutter am nächsten Morgen nach den Gründen der Hausdurchsuchung. Diese teilt ihr den Grund mit und habe ihr ausserdem gestanden, dass ihr Mann bereits im Jahr 2005 wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden sei.

Keine Kontrolle

«Das war für mich das Schlimmste», sagt Lüthi zu 20 Minuten. «Offenbar existieren bei der Kibe Köniz keine Kontrollmechanismen – sonst hätten sie für meine Kinder keinen Platz im Haus eines vorbestraften Mannes vermittelt.» Ihrer Meinung nach sollten alle Personen im Haushalt einen Strafregisterauszug vorlegen müssen. Der Mann, der unter Verdacht steht, sei jeweils über Mittag zuhause gewesen – und so auch zwangsläufig ihren Kindern begegnet.

Dass der Mann wegen des gleichen Delikts vorbestraft ist, wollte die Kantonspolizei Bern mit Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht bestätigen.

Warum verlangt die Kibe Köniz von Tagesmüttern und den Personen im selben Haushalt keinen Strafregisterauszug? Thomas Brönnimann, Sozialvorsteher der Gemeinde, sagt: «Das ist eine Diskussion, die man unbedingt führen muss. Ich habe dies intern auch angeregt – derzeit laufen Abklärungen, ob und wie wir diese Praxis in Zukunft ändern.»

Wildwuchs in der Schweiz

In der Schweiz herrscht diesbezüglich keine einheitliche Regelung. Allerdings existieren Empfehlungen vom Dachverband Kibe Suisse. Co-Geschäftsleiterin Nadine Hoch: «Wir geben die Empfehlung an unsere Mitglieder ab, einen Strafregisterauszug zu verlangen. Oder aber im Arbeitsvertrag die Klausel einzufügen, dass die Tageseltern unterschreiben müssen, dass für keine Person im Haushalt in diesem Bereich eine strafrechtlichen Vorgeschichte vorliegt.»

In anderen Kantonen wird dies bereits so gehandhabt. Dora Meier vom Tagesfamilienverein Bezirk Hinwil/Pfäffikon sagt: «In unserem Reglement ist klar vorgeschrieben, dass Tageseltern, die über 20 Stunden pro Woche ein Kind betreuen, einen Strafregisterauszug vorlegen müssen.»

In ihren Augen ist dies zu wenig. «Dass nur diejenigen einen Strafregisterauszug abgeben müssen, die über 20 Stunden ein Kind betreuen, ist uns auch ein Dorn im Auge. Wir würden uns da vom Kanton eine stärkere Reglementierung wünschen», sagt Meier.

Verschweigen kann ich nur schwer verdauen

Therese Lüthi ist sich bewusst, dass Ersttäter mit dieser Pflicht, den Strafregisterauszug vorzuweisen, nicht gestoppt werden könnten, «aber Wiederholungstäter sehr wohl». Der Tagesmutter mache sie jedoch nur bedingt Vorwürfe. «Sie hat genug schwer daran zu beissen, dass ihr Mann wieder verdächtigt wird.»

Was sie nur schwer verdauen könne, ist das Verschweigen der Vorstrafe des Mannes. «Sie hielt das nicht für erwähnenswert, hat es offenbar auch verdrängt.» Nun hofft Lüthi, dass die Gemeinde Köniz «ihre Hausaufgaben macht». «Neben meinen Kindern sind ja noch Dutzende andere bei Tageseltern zur Betreuung.»

* Name geändert