Bern

19. Juli 2010 23:02; Akt: 20.07.2010 09:15 Print

Blinder Stadtrundgang für Sehende

von Simone Hubacher - Die Stadt Bern intensiv mit dem Gehör statt mit den Augen erleben: Das können Interessierte auf einem neuen Rundgang.

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Jean-Luc Perrin, Orientierungs- und Mobilitätstrainer, bietet den neuen Rundgang an. (Simone Hubacher)

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Jean-Luc Perrin ist professioneller Orientierungs- und Mobilitätstrainer für blinde und sehbehinderte Menschen. Neuerdings bietet er auch Stadtrundgänge für sehende Einzelpersonen mit Augenbinden an. «Ich möchte den Menschen aufzeigen, dass sie rasch viel intensiver hören, sobald der Sehsinn ausgeschaltet ist. Und ich wünsche mir, dass sie generell die Aufmerksamkeit für die Umwelt schärfen», sagt er. Das Hören sei eine Trainingssache: «Selbst Leute mit geschultem Gehör wie etwa Profimusiker lernen auf dem Rundgang noch Neuland kennen.»

Die Tour, die rund anderthalb Stunden dauert und sich ausschliesslich an Erwachsene richtet, startet gewöhnlich auf dem Casinoplatz. «Die Gäste würden mich jeweils gern am Bahnhof treffen. Aber das wäre etwa dasselbe, wie wenn jemand in einem stark reissenden Fluss schwimmen lernen wollte», schmunzelt Perrin. Er zieht die ruhigen Altstadtlauben, die Münsterplattform und das Münster für erste «Übungen» vor. Perrins Ziel: «Auf dem Rundgang soll jeder ein Erfolgerlebnis haben – zum Beispiel einen Platz oder eine Strasse anhand des Gehörs wiedererkennen.»

www.hoerenwieblinde.ch