«Amok-Rentner»

14. Februar 2018 12:48; Akt: 14.02.2018 12:48 Print

Der Fall Kneubühl soll verfilmt werden

Die Solothurner Produktionsfirma Insert Film plant einen Film über den «Amok-Rentner» Peter Hans Kneubühl. Das Drehbuch steht, die Finanzierung indes ist noch nicht gesichert.

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Peter Hans Kneubühl beim Prozessauftakt 2010. Seine Geschichte soll nun verfilmt werden. Als wäre er selber der Gutachter: Peter Hans Kneubühl (links) stellt im Gerichtssaal einem Polizisten Fragen zum Einsatz am 8. September 2010. (7. Januar 2013) Vor Beginn der Nachmittagsverhandlung jubelt Peter Hans Kneubühl den Fotografen und Kameraleuten zu. (7. Januar 2013) Philipp Kunz, Kneubühls Anwalt, steht den Journalisten Rede und Antwort. (7. Januar 2013) Das Gericht in Biel: Hier findet der Prozess gegen den Rentner statt. Beim Prozess geht es vor allem um die Frage, ob er schuldfähig ist. Peter Hans Kneubühl auf dem Weg zum Prozess. Der Prozess stösst auf ein riesiges Medieninteresse. Rund dreissig Medienschaffende aus der ganzen Schweiz verfolgten am Montag in Biel den Prozessauftakt. Am 8. September war ein Besichtigungstermin im Haus von Peter Hans Kneubühl vorgesehen, das Ende Monat auf Geheiss eines Zivilgerichts versteigert werden soll. Das Inserat zur Versteigerung der Liegenschaft von Kneubühl. Doch der 67-Jährige verbarrikadiert sich am Mon-Désir-Weg 9 im Lindenquartier und schiesst im Verlauf der Nacht auf die Polizei, wobei er einen Beamten der Berner Kantonspolizei schwer verletzt. Die Polizei schickte ein Grossaufgebot in das Bieler Wohnquartier. (8. September 2010) Die unmittelbare Nachbarschaft wurde abgesperrt: Im Bild der Mon-Désir-Weg. Die Aufregung war gross: Polizeisprecher François Gaudy informierte kurz nach der Tat die Medien. Spezialeinheiten vor Ort: Nachdem der 67-jährige Mann in der zweiten Nacht einen Schuss abgab, wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht. Polizeigrenadiere der Einsatzgruppe Diamant der Zürcher Kantonspolizei rückten ebenfalls in Biel an. (9. September 2010) Kneubühl taucht unter, gibt aber in der Nacht erneut Schüsse ab. Nach Einschätzung der Polizei besteht für die Bevölkerung keine unmittelbare Gefahr. Im Bild: Ein Jugendlicher spricht mit Polizeikräften im Lindenquartier. (10. September 2010) Polizisten bewachten die Gegend um das Haus im Bieler Lindenquartier. Stefan Blättler, Kommandant Kantonspolizei Bern, informierte täglich über den aktuellen Stand der Grossfahndung. Eine von mehreren Pannen: Die Polizei liess irrtümlicherweise fünf Tage lang mit diesem Bild nach dem flüchtigen Kneubühl fahnden. Im Bild ist jedoch der Vater von Kneubühl in den 1980ern. Heimwerker Peter Hans Kneubühl, aufgenommen 2003. Ein Bild von Peter Hans Kneubühl aus dem Jahr 2000. Das Bild wurde von der Polizei aber erst Tage nach der Flucht veröffentlicht. An Tag fünf wendet sich ein im Ausland lebender Bekannter namens Bobi mit einem Appell an Kneubühl. Das Schreiben wird an verschiedenen öffentlichen Plätzen in und um Biel aufgehängt. Tags darauf startet die Polizei eine Flugblatt-Aktion – und tappt weiterhin im Dunkeln. (12. September 2010) «Catch me if you can»: Ein Polizeifoto Kneubühls wird zum T-Shirt-Motiv. In Biel treffen sich rund zwanzig Menschen zu einer Unterstützungskundgebung für den flüchtigen Rentner, die einen Notausgang für ihn fordern. (13. September 2010) Laut Polizei hat Kneubühl «mit einer unglaublichen Perfektion sämtliche Eventualitäten seines letzten, bewaffneten Konflikts mit den Behörden geplant.» Bei einer Hausdurchsuchung findet die Polizei eine Armbrust... (14. September 2010) ...und mehrere Faustfeuerwaffen mit der entsprechenden Munition. Ob die Waffen registriert sind, ist zu dem Zeitpunkt nicht bekannt. (14. September 2010) Räumungsaktion: Zügelwagen beim Haus von Peter Hans Kneubühl (16. September). Die Behörden informierten am 16. September nochmals und verteidigten die Arbeit der Polizei. Auf dem Bild: Barbara Schwickert, Sicherheitsdirektorin Stadt Biel, Hans-Jürg Käser, Polizei- und Militärdirektor Kanton Bern, und Stefan Blättler, Kommandant Kantonspolizei Bern (v.r.). Am Tag 10 gelingt es einem Polizeihund den Rentner in der Nähe der Taubenlochschlucht zu fassen. In der Nähe der Alterssiedlung und des Bauernhofes Falbringen in Ried ist Peter Hans Kneubühl am Freitagmorgen um 6.09 Uhr gefasst worden.

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Im Herbst 2010 sorgte Peter Hans Kneubühl als «Amokrentner von Biel» für Schlagzeilen: Weil die Räumung und Zwangsversteigerung seiner Liegenschaft drohte, verschanzte er sich im Haus. Als die Polizei anrückte, schoss Kneubühl einem Polizisten in den Kopf und verletzte ihn schwer. Nachdem ihm die Flucht gelungen war, lieferte er sich über eine Woche lang ein Katz-und Maus-Spiel mit einem Polizei-Grossaufgebot.

Eine filmreife Story, muss sich die Solothurner Produktionsfirma Insert-Film gedacht haben, und will den Fall Kneubühl nun tatsächlich auf die Leinwand bringen, wie die «Solothurner Zeitung» berichtet.

Budget beträgt knapp über eine Million

Geplant sei eine «fiktive Geschichte rund um das reale Leben des Rentners», wie die Zeitung weiter schreibt. Realisiert werden soll der Spielfilm durch den Bieler Regisseur Laurent Wyss. Dessen Drehbuch ermögliche, «die Geschichte aus der bedrückenden Perspektive von Peter K. zu sehen», heisst im Filmbeschrieb. Der Film solle sein Innenleben und seine Lebensrealität abbilden.

Während das Drehbuch steht, ist die Finanzierung noch nicht gesichert. Bisher erhielt Insert-Film 100'000 Franken vom Lotteriefonds des Kantons Solothurn zugesprochen. «Wir sind momentan weiter in der Finanzierungsphase», sagt Insert-Co-Leiter Pedro Haldemann. Knapp über eine Million Franken soll der Film voraussichtlich kosten. Ende März soll Klarheit herrschen, ob der Film zustande kommt.

(sul)