Bedrohte Säuger

11. Juni 2018 08:18; Akt: 11.06.2018 08:18 Print

Batwoman Helen (29) schützt jetzt Fledermäuse

von Raphael Casablanca - Mit dem wärmeren Wetter beginnt auch die Saison der Fledermäuse. Heuer kümmert sich im Kanton Solothurn eine 29-jährige Umweltingenieurin um die Säuger.

Die Fledermausschutz-Beauftragte des Kanton Solothurn im Interview. (Video: RC)
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Sie hängen an Decken, sind bekanntlich eher nachts unterwegs und gelten im Volksglaube irrtümlich als Blutsauger. Die Rede ist von Fledermäusen. Während die einen Fledermäuse gruselig finden, finden andere die grossen Ohren und die schwarzen Kulleraugen wiederum süss.

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Dass in der Gesellschaft Vorurteile gegenüber Fledermäuse herrschen, fällt auch Helen Rutishauser (29), Fledermausschutz-Beauftragte im Kanton Solothurn, auf. Doch eigentlich unverständlich: Hiesige Fledermäuse würden sich ausschliesslich von Insekten ernähren und seien somit für uns Menschen völlig ungefährlich. «Da diese Tiere wenig auffallen und vor allem nachts unterwegs sind, wissen viele Menschen aus der Bevölkerung nur wenig über die Lebensweise der einheimischen Fledermäuse», sagt die Umweltingenieurin. Doch die Säuger sind in Gefahr – Schweizer Fledermäuse sind vom Aussterben bedroht. Alle Fledermäuse und ihre Quartiere sind heute aufgrund dieser Bedrohungen bundesrechtlich geschützt.

«Wer die Tiere kennt, wird die Tiere schützen»

Auch im Solothurnischen tut man alles, um der Erhalt der Säuger zu gewährleisten: Der Kanton beteiligt sich schon seit 1988 am nationalen Fledermausschutzprojekt der Stiftung zum Schutze der Fledermäuse in der Schweiz (SSF). Das Motto des Vereins: «Wer die Tiere kennt, wird die Tiere schützen.» Daher gibt es in jedem Kanton einen Fledermausschutz-Beauftragten, der sich für die Fledermäuse im jeweiligen Kanton einsetzt.

Seit knapp einem Monat hat die 29-jährige Helen Rutishauser im Kanton Solothurn nun dieses inne. Der Aufgabenbereich sei dabei sehr vielseitig: «Wenn Fragen aus der Bevölkerung auftauchen, jemand eine verletzte Fledermaus findet oder gar eine ganze Fledermauskolonie im Haus hat, kann man mich alarmieren», so Rutishauser. Nebst Öffentlichkeitsarbeiten und Beratungen führe sie zusammen mit freiwilligen Fledermausschützern jährliche Bestandeszählungen bei Kolonien und verschiedene Förderungsprojekte durch.

Lichtverschmutzung und Lebensraumverlust

«Insgesamt gibt es in der Schweiz 30 verschiedene Fledermausarten», erzählt Rutishauser. Besonders gut könne man die Tiere beim Jagen beobachten: «Zwergfledermäuse haben gelernt, die von Strassenlaternen angezogenen Insekten als zusätzliche Nahrungsquelle zu nutzen», so Rutishauser. Die Mehrheit der Fledermäuse seien aber lichtempfindlich und würden in ihrem natürlichen Verhalten durch die heutige Lichtverschmutzung gestört.

Doch nicht nur die aufgehellten Nächte machen den Tiere zu schaffen: «Da es immer mehr Siedlungsflächen und strukturarme Landschaften gibt, sind die Fledermäuse auch durch Lebensraumverlust bedroht», sagt die Fledermausschutz-Beauftragte.

Erste Erfolge

Im Kanton Solothurn wurde in den letzten Jahren durch frühzeitigen Einbezug des Fledermausschutzes zahlreiche Fledermausquartiere erfolgreich renoviert und an passenden Standorten Fledermauskästen installiert, die den Fledermäusen zusätzliche Versteckmöglichkeiten bieten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • leser0815 am 11.06.2018 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    grossartig

    danke, Helen Rutishauser. und weiterhin viel erfolg!

  • Verena Studer am 11.06.2018 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neues Zuhause

    haben ein Fledermaus-Kasten an die Hausfassade montiert, da wir in der Dämmerung Fledermäuse beobachten, die über den Koiteich fliegen und wohl nach Mücken jagen. Die Frage ist, findet die Fledermaus überhaupt diesen Kasten!? Wir sind gespannt...

  • Dave74 am 11.06.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur vor der Tür

    Aus meiner Sicht hat sich der Bestand schon sehr gut erholt. Dies auch dank Aktionen von z.B. Schulen und Kirchen, welche in ihren Gebäuden in ungenutzten meist Dachräumen, den kleinen Säugern Zuflucht gewährten und dies regional auch publik machten, damit vielleicht auch Private auf die Idee kommen nicht alles zu vernageln. Bei uns in Bümpliz beobachtete ich dieses Jahr bereits zwei Arten und in den letzten Jahren wars eigentlich immer nur die Zwergfledermaus. Find ich gut, dass immer wieder mal auf unsere Mitbewohner aufmerksam gemacht wird. Gibt noch viele mehr. ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Qgine am 11.06.2018 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne, kleine Tiere

    Wir hatte auch Fledermäuse. Ich musste immer schauen, dass ich schneller war als die Katzen, wenn sie versehentlich in unsere Wohnung geflogen sind. Habe sie dann mit einem Küchentuch eingesammelt und wieder frei gelassen. Ohne Tuch wurde ich einmal gebissen, tja sie hatte wohl Angst und wollte sich wehren.

  • babs am 11.06.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    wir haben sie zu besuch

    bein unserem haus zwischen aussenfassade und hausmauer hats auch wieder fledermäuse, wie jeden sommer. mich stören sie nicht gross ausser der kot auf unserem schlafzimmeerfensterbrett und dem gekrabbele jeden morgen um 05.00 das man hört. aber was solls. sie sind geschützt, machen nix kaputt udn zeugen von einer funktionierenden natur....

  • Nataly am 11.06.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnbild

    Fledermäuse sind für mich ein kleines Zeichen für eine heile Welt.

  • Heidi Heidnisch am 11.06.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EMFs und Radar

    Fledermäuse meiden Radarstationen, bzw. reduzieren ihre Aktivitäten, besonders diejenigen, die der Vermehrung dienen. Bei einem Experiment durch die Berner Uni wurde 2009 festgestellt, dass sie auch auf EMFs reagieren. Damals ging es darum, die Fledermäuse von Windturbinen abzuhalten. Die Erkenntnis daraus ist, dass die flächendeckende Verstärkung der EMFs (G5 z.B.), diesen grossartigen Erfolg von Helen beeinträchtigen könnte.

  • Dave74 am 11.06.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur vor der Tür

    Aus meiner Sicht hat sich der Bestand schon sehr gut erholt. Dies auch dank Aktionen von z.B. Schulen und Kirchen, welche in ihren Gebäuden in ungenutzten meist Dachräumen, den kleinen Säugern Zuflucht gewährten und dies regional auch publik machten, damit vielleicht auch Private auf die Idee kommen nicht alles zu vernageln. Bei uns in Bümpliz beobachtete ich dieses Jahr bereits zwei Arten und in den letzten Jahren wars eigentlich immer nur die Zwergfledermaus. Find ich gut, dass immer wieder mal auf unsere Mitbewohner aufmerksam gemacht wird. Gibt noch viele mehr. ;)